Metzger Wilkes schließt sein Geschäft in Westhofen – bis auf weiteres

mlzEinkaufen in Westhofen

Viele Westhofener sind traurig. „Vorübergehend geschlossen“ verkündet ein Plakat an der Metzgerei Wilkes an der Reichshofstraße. Dabei konnte die Fleischerei gute Umsätze verbuchen.

Westhofen

, 20.11.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur noch die Konservendosen voll hausgemachter Linsensuppe, Gulasch oder Bolognesesoße stehen im Wandregal. Komplett leergeräumt ist die lange Kühltheke, in der sich Wurst an Wurst und an Bratenfleisch reihte. Die Metzgerei Wilkes hat seit Montag ihre Filiale an der Reichshofstraße 68 in Westhofen vorübergehend geschlossen. „Aus Personalgründen“ - wie ein handgeschriebenes Plakat an der Glastür mitteilt. Der Fachkräftemangel macht sich in immer mehr Bereichen bemerkbar. Zuletzt hatte er schon zum Aus für die Tierarztpraxis von Dr. Ulrike Janas und die Fleischtheke im Edeka am Rosenweg geführt.

Vergebliche Suche nach anderen Lösungen

„Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen“, sagt Metzgermeister Ralf Wilkes, der neben dem Stammgeschäft an der Bahnhofstraße 19 noch eine weitere Filiale am Holzener Weg 38 betreibt. Nach dem Ausfall von gleich mehreren Verkäuferinnen, teilweise langzeiterkrankt, habe er vergeblich andere Varianten durchgedacht. Aber verkürzte Öffnungszeiten schieden aus, damit ahnungslose Kunden nicht vor der verschlossenen Tür stehen. Und eine Mitarbeiterin allein schaffe die Bedienung in dem großen Ladenlokal nicht.

Metzger Wilkes schließt sein Geschäft in Westhofen – bis auf weiteres

Ein Plakat an der Eingangstür der Metzgerei-Filiale erklärt die Hintergründe für die vorübergehende Schließung. © Reinhard Schmitz

Die Inhaber selbst schuften schon jetzt an der Belastungsgrenze. Morgens um 6 Uhr knipst Ralf Wilkes das Licht in seiner Wurstküche an, wo er unter anderem Brühwurst und Kochwurst, Rohwurst und Schinken herstellt. „Wir verarbeiten regionales Fleisch“, betont er. Beliebt beim Urlauber bis zum Rentner sind auch seine Konserven: „Gekocht, wie man´s früher gelernt hat.“ Wenn anschließend noch die Büroarbeit erledigt ist, haben die Uhrzeiger die 19.30 Uhr erreicht. Abends mit im Büro sitzt Ehefrau Beate Wilkes, nachdem sie den ganzen Tag im Laden gestanden hat. Frei sind nur die Mittwochnachmittage.

Filiale in Westhofen gibt es schon seit 1995

Viele Westhofener reagierten traurig auf die Nachricht vom vorübergehenden Verlust der einzigen Metzgerei im Ortsteil. Im August 1995 hatte Ralf Wilkes dort die Räume der früheren Metzgerei Jessinghaus als Filiale übernommen. In Schwerte führt er seinen traditionsreichen Betrieb, der 1908 gegründet wurde, in vierter Familiengeneration. Insgesamt beschäftigt er 17 Mitarbeiter, aber nicht alle in Vollzeit - je nach ihrer Familiensituation.

Um die Filiale in Westhofen wieder ans Laufen zu bringen, sucht Ralf Wilkes derzeit händeringend nach einer Fachverkäuferin. „Ansonsten gäbe es vielleicht keine Perspektive für Westhofen“, befürchtet er. Das Dilemma: Für die Beratung braucht er Fachpersonal aus der Branche, beispielsweise keine Textilverkäuferin: „Aber es kommt ja nichts nach.“ Mit dieser Sorge steht Wilkes nicht allein.

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