Fünf Jahrzehnte der 125-jährigen Geschichte der GWG Schwerte hat Jürgen Tekhaus als Geschäftsführer mitgeprägt und in einer 500 Seiten starken Chronik zusammengefasst. Eines seiner kniffligsten Projekte war der Bau des Gesundheitsamts-Gebäudes (l.) an der Kleppingstraße. © Reinhard Schmitz
GWG Schwerte

Wie ein Handwerker die Tiefgarage flutete: Geschichten zum GWG-Jubiläum

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft wird 125 Jahre alt. Die vergangenen 50 Jahre hat Geschäftsführer Jürgen Tekhaus mitgeprägt. Er weiß sie in seiner Chronik fesselnd zu beschrieben.

Der schlaue Handwerker wusste sich zu helfen. Damit kein Grundwasser von unten in die Tiefgarage unter dem Neubau-Komplex Am Lenningskamp eindringen konnte, hatte der Architekt Grundplatte und Wände als wasserdichte „Weiße Wanne“ ausführen lassen. Doch jetzt hatte sich der Regen von oben knöchelhoch auf dem Boden angesammelt.

„Der Mann nahm seinen Bohrhammer und bohrte ein Loch als Abfluss hinein“, berichtet Jürgen Tekhaus. Keiner habe die Öffnung bemerkt, die daraufhin unter der Estrichschicht verschwand. Entdeckt wurde sie erst ein oder zwei Jahre später, als das Grundwasser die Tiefgarage flutete.

Verfasser Jürgen Tekhaus hat 50 Jahre die GWG mit geprägt

Anekdoten wie diese sind es, die das Lesen der Chronik zum 125-Jährigen Bestehen der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Schwerte (GWG) zum echten Schmöker-Erlebnis werden lassen. Dabei half ein absoluter Glücksfall. Üblicherweise bauen Historiker derartige Rückblicke auf trockenen Daten und Quellenmaterial aus Archiven auf.

Das neueste Projekt der GWG ist an der Kleinen Märkischen Straße 2 entstanden. Mietergärten für die Erdgeschosswohnungen, Rasen und ein Spielplatz prägen den Innenhof zwischen den beiden Hälften des Wohnkomplexes.
Das neueste Projekt der GWG ist an der Kleinen Märkischen Straße 2 entstanden. Mietergärten für die Erdgeschosswohnungen, Rasen und ein Spielplatz prägen den Innenhof zwischen den beiden Hälften des Wohnkomplexes. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Hier aber schreibt einer, der die vergangenen 50 Jahre der Genossenschaft selbst an verantwortlicher Stelle mitgeprägt hat: Geschäftsführer Jürgen Tekhaus (73) fokussiert sich ganz bewusst auf die Jahre seit seinem Amtsantritt 1972. Er knüpft damit in anderer Form an die Festschrift zum 100-Jährigen an, die der Geschichtswissenschaftler Dr. Wolfgang Burkhard 1997 verfasst hatte.

Anliegen war: Auch Menschen und Entwicklungen darstellen

„Mir war es wichtig, die Menschen und die Entwicklungen darzustellen und nicht die reine Bautätigkeit“, erklärt Jürgen Tekhaus. Mit seinem Anliegen, die Fakten mit erlebten Geschichten anzureichern, möchte er die „sehr heterogene Leserschaft“ erreichen. Das 500-Seiten-Buch soll GWG-Mitarbeiter und politische Entscheidungsträger genauso fesseln können wie die Mieter der fast 2000 Genossenschaftswohnungen.

Legendär sind die Oktoberfeste für die Mieter der GWG auf dem Elsebad-Gelände.
Legendär sind die Oktoberfeste für die Mieter der GWG auf dem Elsebad-Gelände. © Bernd Paulitschke (A) © Bernd Paulitschke (A)

Als Jürgen Tekhaus 1972 zum Geschäftsführer bestellt wurde, bestand das Angebot aus nicht einmal 600 Wohnungen. Von seinem Vorgänger übernahm er noch den Bau eines 24-Familien-Haus hinter dem Lidl-Markt am Eschenweg. Das Problem für weiteres Wachstum: „Wir hatten keine Grundstücke mehr und konnten nicht bauen.“

Mit einer Erbengemeinschaft einigte er sich dann über den Kauf eines ausgedehntes Areals an der Einmündung Holzener Weg/Sauerlandstraße. Dort zog er sein erstes Großprojekt noch. Es fiel in eine Zeit, als gerade sehr viele Spätaussiedler aus Osteuropa nach Schwerte zogen. Innovativ wurde gleich auch ein Nahwärmenetz aufgebaut.

Ein riesiger Hund erschreckte Vertreter der Stadt

Als eine weitere Aufgabe verwaltete die GWG zu der Zeit noch 320 städtische Wohnungen. „Die drohten marode zu werden“, berichtet Jürgen Tekhaus, der nur für die allernotwendigsten Reparaturen bei der Stadt einen Betrag von 690.000 D-Mark beantragt hatte.

Um die Dringlichkeit der Maßnahme vor Augen zu führen, lud er die damalige Rathaus-Spitze zu einer gemeinsamen Besichtigung in eines der Häuser ein, das seinerzeit an der Ecke Ostenstraße/Große Marktstraße stand. Beim Klingeln meldete sich dort ein mächtiger Hund. Was der GWG-Geschäftsführer nicht ahnte: Sein Begleiter aus der Stadtverwaltung habe panische Angst vor Hunden gehabt.

Eine große Wohnsiedlung ließ die GWG in den 1980er-Jahren Am Zimmermanns Wäldchen hochziehen.
Eine große Wohnsiedlung ließ die GWG in den 1980er-Jahren Am Zimmermanns Wäldchen hochziehen. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Auch diese Begebenheit erfahren die Leser des Buches, das mittlerweile druckreif vorliegt. Der Druck soll nicht erst im eigentlichen Jubiläumsjahr 2022, sondern bereits Ende August erfolgen. „Mir war es wichtig, dass die Chronik schon jetzt erscheint“, sagt Jürgen Tekhaus, der „mindestens 1000 Exemplare“ in Auftrag geben will.

Im September soll dann die intensive Planung für die Festveranstaltung im kommenden Jahr starten. Die Frage sei: „Wie begehen wir das Jubiläumsjahr?“ Das wird der Geschäftsführer noch komplett begleiten können. Bis zum 31. Dezember 2022 ist er als Vorstand der Genossenschaft gewählt. Mit dem Erreichen des 75. Lebensjahrs muss er dann aber ausscheiden – die Satzung will es so.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
Zur Autorenseite
Reinhard Schmitz

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.