Wie ein Schwerter als mobiler Retter Leben rettet

Alarmsystem für Ersthelfer

„Ich bin mobiler Retter. Wo ist der Patient?“ Wenn Jens Normann alarmiert wird, ist für Höflichkeiten keine Zeit. Er ist mobiler Retter – wenn der Ergster in Schwerte zu einem Einsatz fährt, zählt jede Sekunde.

Ergste

, 12.12.2017, 06:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wenn Jens Normann als mobiler Retter alarmiert wird, zählt jede Sekunde. In der kleinen roten Tasche am Schlüsselbund ist die gesamte Ausrüstung: Einweghandschuhe und Beatmungsfolie. 15 Mal ist er schon im Einsatz gewesen seit Oktober 2016.

Wenn Jens Normann als mobiler Retter alarmiert wird, zählt jede Sekunde. In der kleinen roten Tasche am Schlüsselbund ist die gesamte Ausrüstung: Einweghandschuhe und Beatmungsfolie. 15 Mal ist er schon im Einsatz gewesen seit Oktober 2016. © Bernd Paulitschke

Person ist nicht ansprechbar. Wenn dieser Notruf bei der Rettungsleitstelle des Kreises Unna eingeht, wird neben der Alarmierung des Notarztes noch eine zweite Rettungskette in Gang gesetzt: die der mobilen Retter. 37 Schwerter engagieren sich in der Initiative, einer von ihnen ist Jens Normann (45).

Hinter dem Begriff steckt ein Alarmierungssystem für qualifizierte Ersthelfer. „Wir kommen raus, wenn der Patient nicht ansprechbar ist, einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat und überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens“, erklärte der Ergster, wie das System funktioniert. Der Unterschied zu einem normalen Ersthelfer: Die mobilen Retter sind vom Fach, sie sind medizinisch überdurchschnittlich ausgebildet – sind Ärzte, Feuerwehrleute, Rettungsschwimmer, Arzthelferinnen oder Pflegekräfte. Jens Normann beispielsweise ist Ausbilder und Rettungssanitäter bei den Maltesern.

Leitstelle alarmiert Rettungsdienst und mobile Retter

Geht bei der Leitstelle ein Notruf ein, der den Einsatz der mobilen Retter nötig macht, passieren zwei Dinge parallel: Der Rettungsdienst wird alarmiert, und es wird überprüft, ob ein mobiler Retter in der Nähe ist. Die sind per App auf dem Smartphone registriert und zu orten. „Das System berechnet sogar genau, wie viele Meter der Ehrenamtliche vom Einsatzort entfernt ist“, so Thomas Heckmann vom Kreis Unna. Der mobile Retter wird nur alarmiert, wenn er schneller am Einsatzort sein kann als der Rettungsdienst.

„Bei einem Einsatz Anfang Dezember war ich nur 330 Meter entfernt und zwei Minuten später da“, so Normann. Laut Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises soll der Rettungswagen spätestens acht Minuten nach Alarmierung vor Ort sein. Nach viereinhalb Minuten sind die mobilen Retter im Durchschnitt am Einsatzort. Und diese dreieinhalb Minuten können entscheiden: „Je länger das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, umso mehr Schäden bleiben zurück“, so Normann.

Wenn an seinem Handy der schrille Alarmton losgeht, weiß er: „Alles stehen und liegen lassen und los.“ Als Ausrüstung hat er nur eine Beatmungsfolie und Einweghandschuhe dabei. Vor Ort übernimmt er dann sofort die Wiederbelebungsmaßnahmen – bis der Rettungsdienst eintrifft.

„Mobile Retter“: ein gemeinnütziger Verein

  • In der Region Unna sind 398 mobile Retter aktiv. Deutschlandweit sind es 3700 Ehrenamtliche.
  • Seit dem Start am 11. Oktober 2016 wurden die Retter im Raum Unna 638 Mal alarmiert. 350 Einsätze haben sie absolviert.
  • Wer sich als mobiler Retter engagieren will, kann sich bei Jens Normann darüber informieren: Tel. 9388230.
  • Die mobilen Retter sind ein gemeinnütziger Verein. Aktuell läuft eine Spenden-Kampagne, um die Arbeit ausbauen zu können. Das Ziel: deutschlandweit 100.000 Ehrenamtliche rekrutieren und ausbilden, um so jährlich 10.000 Leben zu retten.
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