Dank einer Wette konnten sich die Katholiken im Schwerter Ortsteil Ergste eine Kirche bauen. Vor 50 Jahren wurde sie eingelöst. Das wird mit einem Gemeindefest bei Super-Preisen gefeiert.

Ergste

, 17.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Wette in Bierlaune war es, die den Ergster Katholiken zu ihrer St.-Monika-Kirche verhalf. Jahrzehntelang mussten sie ohne eigenes Gotteshaus ihre Sonntagsmessen als Gast in der evangelischen Johanneskirche feiern. 1964 hatten sie zwar ein Kirchbauwerk gegründet, doch dessen Kontostand dümpelte nur so vor sich hin. Bis zu jenem Moment im Herbst 1968, von dem Bernhard Vickermann immer noch gern erzählt.

Bei einem Gemeindetanz im längst abgerissenen Haus Böddecker (Im Wietloh) stieg die Stimmung, als der Vikar Überdick seine Trompete auspackte und um Mitternacht den Ohrwurm „Oh mein Papa“ blies. Und dann ließ sich Vickermann zu dem Spruch hinreißen: „Ich ziehe etwas auf, was Ergste noch nicht erlebt hat.“ Wetten, dass...?

Großes Dorffest für alle Ergster

Es sollten keine leeren Worte bleiben, als Vickermann am nächsten Morgen aufwachte. Ein großes Dorffest für alle Ergster schwebte ihm vor, und zwar auf dem Bauernhof, den seine Familie an der Unterdorfstraße gepachtet hatte (heute Hof Lohmann). Nachdem der Vermieter, die Stadt Menden, sein Okay gegeben hatte, machte man sich mit fünf weiteren Ehepaaren an die Planung. Termin für die Einlösung der Wette war, nachdem es vor der Erntezeit nicht mehr geklappt hatte, schließlich der 13. September 1969.

„Wir mussten vor allem die Kinder locken“, sagt der Stratege Vickermann: „Dann kommen die Eltern mit.“ Kostenlos gab es für den Nachwuchs deshalb süßen Blechkuchen von der Bäckerei Harde.

Wie eine Wette in Bierlaune den Ergstern zur St.-Monika-Kirche verhalf

Vor 50 Jahren stieg das erste der legendären Ergster Sommerfeste auf dem damaligen Vickermanns Hof (heute: Hof Lohmann) an der Unterdorfstraße. Ihre Einnahmen legten den Grundstein für den Bau der St.-Monika-Kirche. © Repro: Elias Passavanti

Genau wie den Sirup, der in 20-Liter-Milchkannen angemixt wurde. Für Unterhaltung sorgte das Kinder-Schützenkönigs-Schießen mit dem Luftgewehr. Den Titel holte sich der junge Michael Störmer, der heute besser bekannt ist als Kantor in der Mariengemeinde. Um ihn standesgemäß zu gewanden, holte Vickermann seine alte Schützenuniform aus Deilinghofener Zeiten aus dem Schrank. Schützenkönigin wurde eine Cornelia Müller.

An einem Abend mehr Bier ausgeschenkt als auf jedem Schützenfest

Die Rechnung ging auf. „Die Menschen kamen in Massen“, sagt Vickermann: „Aber Bier hatten wir genug.“ Rund 3000 Mark Gewinn konnten anschließend gezählt werden. Und den sollte sich nicht die Schwerter Mariengemeinde greifen können, falls der Traum von einer Ergster Kirche doch scheitern sollte. Vickermann wusste die Lösung: „Da machen wir ´ne schwarze Kasse draus.“

Natürlich nicht irgendwo in einer Zigarrenschachtel, sondern als „Sonderkonto“, das jährlich ordnungsgemäß zu prüfen war. Auch die Einnahmen aller weiteren Aktionen wie der Karnevalspartys sollten darauf fließen.

Am ertragreichsten waren die legendären Feste auf Vickermanns Hof, die elf Mal gefeiert wurden. Besonders jenes im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 1974, als die Massen nach der Niederlage der BRD-Mannschaft gegen die DDR ihre Fernseher ausschalteten und aufs Gelände strömten. Sie trösten sich mit 5000 Bratwürsten und über 30 Hektoliter Bier: „Es gab kein Schützenfest in Schwerte, wo so viel Bier verzehrt wurde.“

Am Ende waren rund 250.000 Mark in der schwarzen Kasse

Schon vorher konnte am Palmsonntag 1973 der Paderborner Weihbischof Paul Nordhues das Ergster Gemeindehaus einweihen, das Am Kleinenberg noch weit und breit auf leerer Flur stand. „Es gab aber schon Pläne für eine Bebauung“, sagt Vickermann. Ergste wuchs, und damit wurde das Gemeindehaus schon bald wieder zu eng.

Mitte der 1970er-Jahre kam die Diskussion einer Erweiterung auf, der bei einer Gemeindeversammlung 75 Prozent der Katholiken zustimmten. Aber der Paderborner Erzbischof wollte keinen Anbau, sondern lieber eine richtige Kirche sehen. Also setzten sich Gemeindevertreter in den Bus, um auf zwei Rundreisen moderne Gotteshäuser zu besichtigen. Sie schrieben einen Architektenwettbewerb aus, an dem sich fünf Büros beteiligten. „Weihnachten 1987 erhielten wir dann als Geschenk grünes Licht aus Paderborn“, berichtet Vickermann.

Das Vier-Millionen-Mark-Projekt konnte starten. Der Eigenanteil konnte aus der schwarzen Kasse bezahlt werden, in der sich am Ende rund 250.000 Mark gesammelt hatten: „Den Kirchturm haben wir praktisch alleine bezahlt.“ Mit der Einweihung am dritten Advent 1989 war es geschafft. Ohne einen Cent aus Paderborn konnten später auch noch Orgel und Bänke gekauft werden.

Jetzt ist Ersatz für das Gemeindehaus nötig

„Das Kirchbauförderwerk gibt´s aber immer noch“, sagt dessen Vorsitzender Ulrich Passavanti. Es ist aber mittlerweile auf andere Quellen angewiesen. Die Sommerfeste sind zu Gemeindefesten geschrumpft, der Gemeindekarneval endete im Jahr 2010. „Wir haben nach Alternativen gesucht für die Einnahmen“, erklärt Passavanti.

Ausgleich bieten die viermal jährlichen Frühschoppen und vor allem das Kino in Ergste im alten Gemeindehaus. Wollten beim Start 1998 noch jeweils 20 bis 30 Besucher die Filme sehen, so versammeln sich heute im Schnitt über 100 Fans vor der Leinwand.

Die Einnahmen werden dringend benötigt. Denn das Gemeindehaus von 1973 ist dringend renovierungsbedürftig. Nicht nur, weil bei jeder Veranstaltung zwei Tage lang vorgeheizt werden muss, damit es warm wird. „Grob gerechnet, müssten wir 750.000 Euro reinstecken“, sagt Passavanti. Eigentlich lohnt sich die Flickarbeit nicht, wenn für rund 1 Million Euro schon ein Neubau zu haben wäre. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie zu dem Vorhaben. Ziel sei es, es in den nächsten drei bis vier Jahren umzusetzen.

Gemeindefest zur Kirchenwette

  • Das 50-jährige Jubiläum der Kirchenwette von Bernhard Vickermann wird am Sonntag, 25. August, mit einem Gemeindefest rund um die St.-Monika-Kirche in Ergste, Am Kleinenberg, gefeiert.
  • Beginn ist um 11 Uhr mit einer Festmesse, die Pfarrer Peter Iwan (St. Marien) liest.
  • Im Anschluss wird zum Essen und gemütlichen Beisammensein eingeladen, bei dem ein Diavortrag an die vergangenen Jahrzehnte erinnert.
  • Für die Kinder werden Spiele „wie damals“ mit dem Spielmobil sowie Ponyreiten angeboten.
Der Knüller: Alle Getränke und Speisen gibt es zum Einheitspreis von nur einem Euro.
Lesen Sie jetzt