Wie Gefangene Drogen schmuggeln und Waffen basteln

JVA Schwerte

Es ist das unentwegte Warten, das Ideen vorantreibt – Ideen, die alltägliche Gegenstände zu Waffen oder Werkzeugen werden lassen. In der JVA Ergste entstehen selbst aus einfachen Müllsäcken stabile Seile für die Flucht.

SCHWERTE

von Von Anne Petersohn

, 05.03.2011, 08:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mindestens einmal pro Woche, sagt Böse, stellen Beamte verbotene Objekte bei einem der 363 Gefangenen sicher. Längst nicht alle schaffen es in den Schrank des Sicherheits-Experten: „Wir haben im Laufe der Jahre so viel gefunden, dass nur noch Besonderheiten in die Sammlung aufgenommen werden.“ Vieles, was dort lagert, ist erst auf den zweiten Blick verdächtig – so auch die Ravioli-Dose, die Guido Böse öffnet. Vor Jahren sollte darin ein Handy in das Gefängnis geschmuggelt werden – in einem ausgehöhlten Schwamm im Innern. Ein mit Wasser gefülltes Cremetöpfchen ersetzte die Tomatensoße, sorgte dafür, dass beim Schütteln niemand Verdacht schöpfte. „Auch Angehörige haben Zeit, Dinge zu manipulieren.“

Gerade Besucher, weiß der 41-Jährige, bringen unerlaubte Gegenstände in die JVA. Jeder Gast muss deshalb vorab eine Kontrolle durchlaufen – genau wie Pakete an Gefangene. Mit Hilfe eines Röntgengeräts sollen manipulierte Gegenstände aufgespürt werden. Gefüllte Schokolade oder Nüsse werden sofort aussortiert. „Darin könnten Drogen versteckt sein.“ Haft- und Arbeitsräume sind außerdem mit speziellen Stahlgittern gesichert, werden regelmäßig durchsucht – bis zu drei Mal die Woche.

Viele der Tricks sind Guido Böse vertraut – auch durch den Austausch mit anderen Gefängnissen. „Wenn einer etwas Neues entdeckt, teilt er es per E-Mail mit.“ Dennoch lasse sich nicht verhindern, dass Gegenstände von Inhaftierten in der Dusche vergessen und dann von anderen eingesteckt würden. „Auch die Gefangenen sind vernetzt.“ Die Sicherheitsstandards in der JVA seien hoch, versichert Böse – doch auch die Menschenwürde müsse gewahrt bleiben. „Eine totale Überwachung würde mehr Frust und Gewalt zur Folge haben.“

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