Wer Pommes erwartet, bekommt Kartoffelstangen. Das sagt viel aus über das neue Restaurant in Villigst. Unsere Autorin schaute dem Edelgriechen auf den Teller - und hat nur einen Kritikpunkt.

Villigst

, 09.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie es scheint, haben die Griechen ihre Klischees langsam satt. Wer an griechisches Essen denkt, hat oft den typischen Imbiss-Charakter im Kopf: Gyros, Souvlaki, Bifteki und Tzatziki - viel Fett, viel Fleisch, viele Pommes. Genau deshalb reicht mir der Besuch beim Griechen ein- bis zwei Mal im Jahr. Der Restaurant-Check im Ellinikon war also ein besonderes Experiment. Und ein gelungenes, wie sich später herausstellen wird.

Das Ellinikon in Villigst ist noch ein Neuling in der Schwerter Gastro-Landschaft. Im August hat das Restaurant an der Letmather Straße eröffnet. Zwei Jahre lang hat das junge Gastronomenpaar Fotios Athanasiou und Maria Gaki das frühere Restaurant „Ruhrbrücke“ aufwendig renovieren lassen. Jetzt kommen sie mit einem ganz neuen und modernen Konzept daher.

Die Atmosphäre:

Am Eingang werden wir mit Handschlag empfangen und direkt zu unserem Tisch in einer ruhigen Ecke gebracht. Die zwei Essbereiche des Restaurants werden durch Eingangs- und Barbereich unterteilt, was praktischerweise auch die Lautstärke abschirmt.

Auch sonst präsentiert sich das Ellinikon hell und freundlich mit dunkelgrauen Polstern, weißen Wänden und jeder Menge Holz. Die Einrichtung stammt aus Griechenland: Tische und Stühle, die Theke und das Weinregal an der Stirnwand genauso wie das große Schwarzweiß-Foto knorriger Olivenbäume.

Sehen Sie sich im Restaurant Ellinikon um:

Ein wichtiges Deko-Element sind auch gefühlt Hunderte Weiß- und Rotweinflaschen - schließlich bezeichnet sich das Ellinikon auf Homepage und Speisekarte vorangig als Weinbar, erst dann als Restaurant. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch.

Das Essen:

Die Köche im Ellinikon können beides: Fleisch und Fisch. Das zeigt sich schon beim ersten Blick in die Karte. Es gibt aber auch einige Gerichte für Vegetarier. Während wir noch überlegen, geht es schon los mit einem Gruß aus der Küche: Der Kellner bringt uns eine kleine Schale mit einer roten Paste, die toll nach Paprika schmeckt und zwei Scheiben Baguette - das ist nicht viel, reicht aber völlig für die „Aufwärmphase“.

Die Vorspeisen auf der Karte lesen sich gut - es gibt Oktopus mit Gemüse vom Grill (13,20 Euro), gemischten Salat mit Krebsfleisch (11,40 Euro) oder Früchte aus dem Meer mit Tomaten und Feta mit Ouzo flambiert (9,70 Euro). Bei dem Edelgriechen in Villigst gibt es übrigens frische Kartoffelstangen - anstelle von Pommes. Selbstverständlich stehen wie bei jedem „Griechen“ auch Tzatziki und Bauernsalat auf der Speisekarte, gefüllte Weinblätter sucht man vergeblich - für uns jedoch kein Problem.

Meine Begleitung entscheidet sich für den gebratenen Feta mit Salat (6,80 Euro), ich entscheide mich für Zucchinibällchen aus der Pfanne mit frischem Joghurt (7,20 Euro). Der Feta ist weich und cremig, die Panade knusprig und schmeckt zitronig. Auch der Salat ist solide, es hätten für meine Geschmack aber weniger Zwiebeln sein können.

Wir testen Schwertes Restaurants: Warum das Ellinikon kein typischer Grieche ist

Beim gebratenen Feta gab es nichts zu meckern. © Kierstein

Bei den Zucchini-Bällchen gibt es wirklich nichts zu meckern: In der Füllung sind außerdem noch Möhren und Feta - sie schmecken super, und ich hätte noch mehr davon essen können. Aber dann hätte mein Magen schon am frühen Abend kapituliert.

Wir testen Schwertes Restaurants: Warum das Ellinikon kein typischer Grieche ist

Die Zucchini-Bällchen waren das beste Gericht am Abend. © Kierstein

Beim Hauptgang entscheiden wir uns gegen geschmorten Hasen (16,40 Euro) oder Lammhaxe (17,80 Euro), beides war uns persönlich nicht griechisch genug. Außerdem gibt es Zanderfilet mit Pilz-Risotto (16,80 Euro) sowie klassisches Souvlaki und Bifteki (beides etwa 16 Euro). Ich bestelle Hähnchen in Zitronenöl-Marinade mit Kartoffelscheiben, Salat und Pita Brot für etwa 16 Euro. Meine Begleitung tauscht Hähnchen gegen Pulled Pork nach Gyros-Art, die Beilagen bleiben die gleichen.

Während wir warten, wird schon der Salat serviert - leider etwas früh. Er wäre eine tolle Abwechslung zum Fleisch gewesen. Die krossen Scheibenkartoffeln, die als Beilage zu vielen Hauptspeisen serviert werden, würden mir alleine schon reichen, um satt zu werden. Das Gyros Pulled Pork ist perfekt gewürzt und auch die Kartoffeln mit Tzatziki sind gut.

Wir testen Schwertes Restaurants: Warum das Ellinikon kein typischer Grieche ist

Das Gyros nach Pulled-Pork-Art: Eine gute Alternative zum Klassiker. © Kierstein

Mein Hähnchen ist knusprig gegrillt. Es ist zart, fast schon zu zart für meinen Geschmack - „ein bisschen glitschig“, sagt meine Begleitung. Außerdem: Zu wenig Tzatziki für zu viel Essen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Wir testen Schwertes Restaurants: Warum das Ellinikon kein typischer Grieche ist

Das Hähnchen in Zitronen-Öl Marinade war eine gute Hauptspeise nach griechischer Art. © Kierstein

Nach dem ersten Stück Hähnchen und zwei Dritteln der Kartoffeln gebe ich auf. Es war lecker, aber schlichtweg zu viel.

Das Dessert muss also auch ausfallen. Leider. Der Blick in die Karte testet die Selbstdisziplin: Es gibt zum Beispiel griechischen Blätterteig-Grieskuchen mit Eis (6,80 Euro), oder Panna Cotta (6,30 Euro). Aber nein, ein Kaffee muss reichen. Der ist heiß, stark - und griechisch, verrät uns der Kellner. Und besonders griechisch ist auch das Gläschen Ouzo auf Eis (und aufs Haus) nach dem Essen. Ein guter Abschluss.

Der Service:

Die Kellner wickeln jede Bestellung aufmerksam und schnell ab. Nach nur drei Minuten bringt die Chefin persönlich die Getränke - für meine Begleitung ein alkoholfreies Weizen, für mich Glas des griechischen Weißweins von der Karte (5,90 Euro) - der übertrifft meine hohen Erwartungen in Sachen Weinbar sogar noch. Auf die Vorspeise warten wir etwa zehn Minuten, auf den Hauptgang rund 30 Minuten nach Bestellung.

Nach meinem Schwächeanfall beim Hauptgericht kommt der Chef an unseren Tisch und fragt nach dem Grund - auf meine Antwort reagiert er verständnisvoll. Auch die Gäste an unseren Nachbartischen bekommen ihre Gerichte zügig. Alle Kellner und auch die Inhaber nehmen sich viel Zeit, um die Speisekarte zu erklären, und empfehlen dazu die passenden Weine.

Die Preise:

Ein Abend im Ellinikon ist kein ganz günstiges Vergnügen, alle Preise sind aber (mit Blick auf Portionsgröße und Qualität) im Rahmen. Die Auswahl auf der Karte ist so groß, dass jeder Gast etwas für seinen Geschmack und sein Budget finden kann. Für unseren Abend zahlen wir knapp 70 Euro - ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis.

Kinderfreundlichkeit:

Eine eigene Kinderkarte gibt es im Ellinikon nicht. Dafür können Kinder essen wie die Großen: Jedes Gericht auf der Karte wird für 6,90 Euro in kleiner Portion zubereitet.

Barrierefreiheit:

Über eine Rampe auf dem Parkplatz kommen Rollstuhlfahrer ohne Probleme direkt in den hinteren Speiseraum. Die Toiletten sind barrierefrei und es gibt eine eigene Behindertentoilette.

Parkmöglichkeiten/Anfahrt:

Das Ellinikon hat einen großen hauseigenen Parkplatz, der ist von der Villigster Straße aus erreichbar.

Das sagt das Netz:

Beim Reise- und Empfehlungsportal Tripadvisor.com bekommt das Ellinikon 4,5 von 5 Punkten. Bei Facebook gibt es 4,6 von 5 möglichen Punkten.

Restaurant-Infos:

Das Ellinikon, Letmather Straße 1, ist täglich von 17 bis 24 Uhr geöffnet, sonntags von 12 bis 23 Uhr. Reservierungen sind möglich unter Tel. (02304) 4681402. Zur Website.

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Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants, als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfache Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wird die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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