Dieter Keßler würde gerne noch zur Gaststätte nebenan, um Kontakte zu pflegen. Die Corona-Pandemie macht das derzeit unmöglich. © Carina Strauß
Corona-Pandemie

Witwer in der Pandemie: „Morgens zum Kaffee ist man alleine, das ist nicht einfach“

Dieter Keßler wohnt in einer kleinen Wohnung in Schwerte. Er ist 75 Jahre alt, nicht mehr gut zu Fuß. Er ist Witwer – und seit Corona hat die Gaststätte nebenan geschlossen. Die Pandemie macht das Leben noch einsamer.

Geschäfte müssen schließen, Kontakte sollen, so weit es eben geht, reduziert werden. Derzeit ist die Vorgabe: ein Haushalt plus maximal eine Person. Die Corona-Pandemie hat die Gesellschaft fest im Griff. Aber was macht das eigentlich mit den Menschen? Besonders mit den älteren Menschen, die alleine zuhause leben?

Dieter Keßler etwa wohnt in einer kleinen Wohnung in Schwerte-Westhofen. Seit einer Hüftoperation im Jahr 2018 ist er nicht mehr gut zu Fuß. Er kommt noch die Treppe runter bis zum Briefkasten. „Man hat mir damals gesagt, Treppe steigen sei das beste, was ich machen kann.“

Wegen der Operation an der Hüfte habe er damals ein halbes Jahr im Krankenhaus gelegen. „Und während ich im Krankenhaus lag, ist im ersten Monat meine Frau verstorben.“ Er fügt hinzu: „2018 war wirklich das schönste Jahr für mich.“ Ironisch sein, das kann er noch.

Keine Spaziergänge, kaum Besuch

Nun, gut drei Jahre später, ist er immer noch nicht gut zu Fuß. Mit seinem Rollator kann Dieter Keßler ein kleines Stück laufen, aber richtige Spaziergänge sind nicht mehr drin. „Man hat mir damals im Krankenhaus gesagt, ich werde wohl nie wieder richtig laufen können.“

Kinder und Verwandte, das habe er alles nicht. „Ich habe so gut wie keinen Kontakt. Ich habe einen Bekannten, der regelmäßig vorbeikommt und eine Haushaltshilfe, die kommt auch ab und zu. Sonst kommt keiner.“

Seit seine Frau verstorben ist, ist Keßler alleine. „Wenn man abends ins Bett geht, ist man alleine, morgens zum Kaffee ist man alleine, das ist nicht einfach. Ich war 48 Jahre verheiratet.“ Die Corona-Pandemie hat die Lage nun noch einmal verschärft. Nun sei er froh, dass zumindest sein Bekannter regelmäßig vorbeikomme.

Gaststättenbesuche fallen weg

Und was macht Dieter Keßler jetzt den ganzen Tag? „Was soll ich denn machen? Frühstücken, ich spüle noch selber. Und sonst rumgammeln. Ich bin kein Typ, der sich den ganzen Tag vor die Flimmerkiste setzt, das kann ich nicht. Ich kann mir mal was angucken, ja, aber nicht die ganze Zeit.“

Durch das Virus und das, was „die Regierung daraus macht“, fällt für Keßler nun noch ein wichtiger Sozialkontakt weg. „Ich bin früher – was heißt früher, ich würde es heute noch gerne machen – jeden Abend zu der Gaststätte nebenan gegangen“, erzählt Keßler. Das seien vielleicht hundert Meter. „Ich bin dort hin, um zu reden, nicht um zu trinken. Und das geht im Augenblick nicht mehr.“

Und auch die Urlaube mit seiner Frau, die ihn früher noch raus gebracht haben, fehlen Dieter Keßler. „Meine Frau und ich sind bis zu fünfmal im Jahr in den Urlaub gefahren. Das fällt alles weg. Und wenn es immer nur vier oder fünf Tage waren, wir waren aber raus. Deshalb gucke ich mir oft Urlaubssachen an“, sagt er. „Berichte aus anderen Ländern.“

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