Im einem Garten an der Robert-Koch-Straße gründeten jugendliche Fans von Winnetou und Co. 1962 den Karl-May-Club. Der Verein hatte sogar eine eigene Hymne.

Schwerte

, 15.01.2019, 10:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Winnetous Wigwam steht immer noch am Bahndamm. Durch den Garten des Hauses Robert-Koch-Straße 7 schlichen einst junge Westmänner und Indianer zu der Fachwerk-Backstein-Hütte. Sie war das Klubheim des Karl-May-Clubs (KMC) Schwerte, den Jungs aus der Nachbarschaft am 22. Oktober 1962 ins Leben gerufen hatten. Gegen das Gezische des Feuerrosses, das im Hintergrund Richtung Dortmund vorbeistampfte, schmetterten sie ihre selbst komponierte Vereins-Hymne „Der KMC kennt des Westens ABC“.

Die Clubzeitung erschien in Mini-Auflage

Man könnte die Strophen heute noch absingen. Denn samt Noten sind sie genauso wie andere Vereinserlebnisse in der Klubzeitung „KMC-Blatt“ festgehalten, die Mitgründer Werner Becker hütet. Eng mit Pica-Schrift der Schreibmaschine getippt sind die bis zu 25 DIN-A5-Seiten starken Heftchen, die Neuigkeiten, Fortsetzungsromane, Quiz und Kummerkasten enthalten. Sie erschienen alle nur in zwei Exemplaren: das Original und der Durchschlag, die Bilder jeweils von Hand eingezeichnet.

Die Mini-Auflage reichte, um unter den im Schnitt zehn Vereinsmitgliedern die Runde zu machen. Insgesamt zählt die Chronik 18 Namen – aber nicht alle waren gleichzeitig dabei, wenn man sich in die Idole aus den Wild-West-Büchern verwandelte. Mit selbstgeschneidertem Hut und ausgesägtem Holzgewehr wurde Becker so zu dem Sachsen Hobble Frank, sein Freund Udo Helbing zum Langen Davie. Nur die Helden Old Shatterhand und Winnetou gab es nicht. „Darauf haben wir uns geeinigt, damit es keinen Streit um die Rolle gab“, erzählt Becker.

Mit dem Fahrrad ging‘s zum Karl-May-Museum nach Bamberg

Neben Foto-Sessions und Indianerspielen standen bei den Klubabenden aber auch Fußball und Fahrradrennen hoch im Kurs. Als 14-Jährige schwangen sich Becker und Helbing sogar in den Fahrrad-Sattel, um zum Karl-May-Museum nach Bamberg zu strampeln.

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Ohne Gangschaltung über das Rothaargebirge, von Jugendherberge zu Jugendherberge – nur um einmal vor dem Schreibtisch ihres Lieblings-Schriftstellers zu stehen, dessen 70 Bücher sie natürlich alle gelesen hatten. Bei Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken sprach man sich ab, um später untereinander tauschen zu können.

Kurz darauf, in der Tanzschulzeit, verblasste das Interesse an den Abenteuern Winnetous. Sie konnten mit dem realen Leben nicht mehr mithalten. „Bis auf Winnetous Schwester ist das ja alles ziemlich frauenarm“, sagt Becker lächelnd. Die Gartenhütte, so alt wie das Wohnhaus von 1905, überdauerte danach fast genauso wie auf der Titelzeichnung der Klubzeitschrift. Nur dass auf dem Lagerfeuerplatz vor der Tür mittlerweile Goldfische durch ein Teichbecken schwimmen.

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