Zum Abschluss Puppenspiel vom Feinsten

Kleinkunstwochen

Was der Kieler Marc Schnittger zum Abschluss der Schwerter Kleinkunstwochen bot, war Puppenspiel vom Feinsten. Seinen überlebensgroßen, durchgehend beinlosen Puppen verlieh er Leben und Charakter.

SCHWERTE

von Von Heiko Mühlbauer

, 20.03.2011, 14:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Veteran (l.) und der Ökofreak im Streitgespräch. Begleitet von Marc Schnittger als Herr Cherub.

Der Veteran (l.) und der Ökofreak im Streitgespräch. Begleitet von Marc Schnittger als Herr Cherub.

Ansonsten ist manches ein wenig vorhersehbar: So enden die rebellische, pubertierende 18-Jährige und der Aussteiger und Ökofreak als Paar mit dem Wunsch nach Trauschein und Einfamilienhaus. Die angebliche Klatschkolumnistin entpuppt sich als Kellnerin mit journalistischen Ambitionen, der Schriftsteller und Philosoph als verklemmter Finanzbeamter. Zuletzt gibt sich dieses Paar seinen Lüsten hin. Die Inspiration für das Stück ist Hieronymus Boschs (1450 bis 1516) Tryptichon „Der Garten der Lüste“. Er nimmt das von zahlreichen Symbolen durchzogene Werk als Grundlage zu Assoziationen zwischen Ernst und Groteske.

Da ist der Veteran, der hier ein Camp sucht. Die Klatschreporterin auf der Suche nach dem Hotel am Ende der Welt, der Millionär, der seiner Tochter einen exotischen Urlaub bieten will, der Ökofreak auf der Suche nach einem Verein zur Rettung der Sümpfe und der zivilisationsmüde Schriftsteller auf der Suche nach der Einsamkeit. Sie alle finden nichts, außer den Sumpf. Begleitet von Cherub, der zwischen seinen Einsätzen zum Flachmann greift, sind sie auf sich selbst gestellt. Schnittger schafft es, die Puppen zum Leben zu erwecken und sich selbst mit ins Spiel einzubinden. So gut, dass man einige arg vorhersehbare Wendungen des insgesamt sehr kurzen, aber auch ansonsten kurzweiligen Stücks gerne verzeiht.

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