Zwei Griechen sorgen dafür, dass bei „Fritten Karl“ die Lichter nicht ausgehen

mlzSchwerter Kult-Imbiss

Seit 52 Jahren gibt es den Bahnhofsgrill, den alle nach dem früheren Mann an der Fritteuse nennen. Es ist eine der ältesten Imbissstuben im Ruhrgebiet. Ab 1. März heißt sie Athen Grill.

Schwerte

, 19.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus dem Bahnhofsgrill wird der Athen Grill. Nach mehr als 52 Jahren wird ein neuer Name über dem traditionsreichsten Imbiss der Stadt leuchten. Am 1. März wird er unter griechischer Leitung wiedereröffnet. Der neue Inhaber Konstantinos Papas und der gelernte Koch Ioannis, der tatsächlich in Athen geboren ist, werden das bewährte Angebot um Gyros und andere Spezialitäten aus ihrer Heimat sowie um Pizza erweitern. „Wir haben rund 120 Rezepte“, verrät der Küchenchef, der 45 Jahre Berufserfahrung aus Grillstuben in Dortmund-Berghofen und -Eving mitbringt. Die neue Speisekarte für die Wand hinter den Fritteusen sei schon bestellt. Als Zutaten würden original griechische Produkte verwendet. Beispielsweise würden alle Salate mit Olivenöl zubereitet.

Karl Krejci: „Ein bisschen scharf machen?“

Nicht verzichten müssen die Schwerter natürlich aber auch auf Pommes, Currywurst, Schnitzel und die Hähnchen vom Grill. Die haben mit zum Kultstatus des Bahnhofsgrills beigetragen, den Inhaberin Klara Stemmer am 1. September 1966 an der Bahnhofstraße 36 eröffnet hatte. Schon bald nannten ihn alle aber eigentlich nur noch „Fritten Karl“ - nach dem freundlichen Angestellten im langen weißen Kittel, der hinter der Glastheke die Pommesschälchen aus Pappe füllte und in Zeitungspapier einwickelte. Wenn er die Currywurst kleinschnippelte, wartete jeder schon auf seine Standardfrage: „Ein bisschen scharf machen?“ Dann kam der mächtige Alu-Streuer mit dem Würzpulver zum Einsatz.

Zweimal führten Stammgäste die Pommesbude weiter

Karl Krejci, wie der Pommes-Verkäufer mit vollem Namen hieß, blieb dabei, als Klara Stemmer ihr Geschäft nach zwei Jahren an ihre Tochter Marietta Krusemann übergab. Bis Ende 2006 war das Team Krusemann/Krejci eine erste Adresse, wenn man schnell Leckeres aus Grill und Fritteuse speisen wollte. Als es sich dann in den Ruhestand zurückzog, sorgten Stammgäste dafür, dass die Lichter bei „Fritten Karl“ nicht ausgingen.

Zwei Griechen sorgen dafür, dass bei „Fritten Karl“ die Lichter nicht ausgehen

Aus dem Bahnhofsgrill wird ab 1. März der Athen Grill. Die neue Beschriftung ist schon bestellt. © Reinhard Schmitz

Franz Schnitzler und Rainer Langner, der nebenan auch eine Spielhalle betrieb, stiegen in das Geschäft mit Pommes und Bratwurst ein. Am Geschmack der Soßen bemerkte keiner den Wechsel hinter der Theke. Denn Marietta Krusemann weihte ihre Nachfolger noch in die Geheimnisse ihrer originalen Rezepte ein. Und verriet ihnen auch, wie die Hähnchen sich unter den Quarz-Heizstäben bei 250 bis 300 Grad Celsius drehen müssen, um so richtig saftig und knusprig zu werden. Und bloß nicht das Paprikapulver zu früh auf die Haut streichen! Erst ein paar Minuten, bevor das Geflügel fertig ist - sonst verbrennt die Würze und wird bitter.

Resopal-Chick versprühte Flair der 1960er-Jahre

Bei ihrer behutsamen Renovierung behielten Schnitzler und Langner bewusst die hellblauen Resopalbrettchen an den Wänden, die von der Gründung in den 1960er-Jahren erzählten. Aus gesundheitlichen Gründen mussten die Betreiber allerdings Ende 2017 schweren Herzens ihren Rückzug verkünden. Wieder trat ein Stammkunde die Nachfolge an. Murat Celik hatte seit 1984 bei „Fritten Karl“ seinen Feierabend- oder Pausensnack genossen. Er führte bei der Wiedereröffnung Ende Februar 2018 auch Döner und Burger ein. Aber diese Ära währte nicht lange.

Künftig täglich geöffnet und Lieferservice

Dass für den Bahnhofsgrill neue Pächter gesucht wurden, erfuhren die künftigen griechischen Betreiber im Internet. Konstantinos Papas, der seit 1988 Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt hat, griff sofort zu. Er bringt noch mehr frische Ideen mit. Nicht nur Retsina-Wein und Ouzo, die bei einem Griechen nie fehlen dürfen. Die Öffnungszeiten werden ausgeweitet auf 12 bis 22 Uhr, sonn- und feiertags von 16 bis 22 Uhr. Außer den vier Tischen im Inneren soll es im Sommer einen Biergarten vor der Tür geben. Und ab 17 Uhr werden Bestellungen ab einem Wert von 15 Euro im Umkreis von drei Kilometern um den Athen Grill kostenlos gebracht. Firmen können auch in der Mittagszeit von 12 bis 14 Uhr eine Lieferung bestellen.

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