Pascal Harder bekommt seine Wunschspieler nicht dauerhaft. © Sebastian Reith
Fußball

Cappenberg-Trainer hätte gerne dauerhaft Spieler aus der Zweiten, aber blitzt bei ihnen ab

Eine Gruppe von Ex-Jugendspielern vom Werner SC will lieber als eine Einheit in der Reserve von GS Cappenberg spielen, als dauerhaft mit der Ersten zu trainieren. Die hätte es aber dringend nötig.

Anpfiff um 12:45 Uhr in Unna-Massen, 90 Minuten Fußball spielen, direkt im Anschluss 17 Minuten mit dem Auto nach Langschede in Fröndenberg, um pünktlich um 15:15 Uhr für die nächsten 90 Minuten auf dem Platz zu stehen – „Das geht schon auf die Knochen“, sagt Yannick Harhoff.

Der Kapitän von Grün-Schwarz Cappenbergs zweiter Mannschaft weiß, wovon er spricht. „Unsere Erste hat im Sommer viele Abgänge verzeichnen müssen, die kaum ersetzt werden können, da helfen wir uns im Verein gegenseitig.“

Dass Spieler zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft hin und her geschoben werden, gibt es so mit Sicherheit auch bei anderen Vereinen. In Cappenberg sind sie darauf in dieser Saison aber tatsächlich öfter angewiesen, wie Pascal Harder, Trainer der Ersten, nochmal erklärt.

„Wegen Corona hatten wir im Sommer arge Probleme, die Spieler, die wir wollten, zu verpflichten, weil sie ihren aktuellen Verein aufgrund der Situation nicht im Stich lassen wollten.“

Harder hätte gerne dauerhaft Spieler von Cappenberg II

Nun wecken Athleten, die so fit sind, dass sie an einem Sonntag-Nachmittag mal eben 180 Minuten wegstecken können, auch Begehrlichkeiten. Zumindest bei Pascal Harder, der manche Kicker auch gerne fest in sein Team befördern würde.

„Die Truppe ist qualitativ sehr gut bestückt und es sind auch nicht ein oder zwei, sondern bestimmt sieben oder acht Spieler, die dauerhaft den Sprung in die Erste schaffen können“, sagt Harder.

Doch genau an dieser Stelle wird es bei Grün-Schwarz besonders. Denn die meisten, die laut dem Trainer der Ersten das Potenzial hätten, um von der B-Klasse in die Kreisliga A zu wechseln, wollen das gar nicht.

„Kommt von mir die Frage: ‚Spielst du dauerhaft bei uns?‘ gibt’s die Antwort: ‚Boah, eigentlich bin ich zufrieden‘“, erklärt Harder.

Über die Hälfte des Kaders hat eine Vergangenheit beim Werner SC

Dass diese Zufriedenheit nicht einfach aus sportlicher Genügsamkeit resultiert, erläutert der Coach von Cappenberg II, Markus Schnatmann: „Die Truppe ist ein großer Freundeskreis und will einfach zusammen Fußball spielen.“

Vor seinem Arrangement bei GSC II war Schnatmann viele Jahre Jugendtrainer beim Werner SC und feierte in dieser Zeit mit dem Großteil des GSC-II-Kaders einige Erfolge.

Betreut hatte Schnatmann seine Spieler in der D- und C-Jugend und mit ihnen Meisterschaften und Kreispokal-Siege erringen können.

„Aus der jetzigen Mannschaft sind von 24 Leuten 17 dabei, die ich damals trainiert habe“, sagt Schnatmann. Yannick Harhoff wäre einer der ersten gewesen, der ihm nach Cappenberg gefolgt sei. „Danach sind es immer mehr geworden“, so der GSC-II-Trainer.

Cappenbergs-Zweite will in die Kreisliga A

Für den Kapitän der Reserve liegt der Grund hierfür aber nicht nur beim WSC, sondern auch in der gemeinsamen Vergangenheit. „Wir kommen alle aus Werne, haben teilweise zusammen Abitur gemacht und sind auch außerhalb des Fußballs ein großer Freundeskreis“, sagt Harhoff.

Yannick Harhoff will weiterhin mit seinen Freunden bei Cappenberg II spielen. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Die Gefahr, dass hier ein Verein im Verein entsteht, weißt Harhoff aber zurück. „Viele in der Mannschaft sind einfach froh, mit Freunden Fußball spielen zu können, weswegen wir auch eine Verpflichtung gegenüber dem Verein haben, der das ermöglicht“, sagt der GSC-II-Kapitän.

Das bedeutet für Harhoff „jederzeit bereit zu sein, Oben auszuhelfen“, aber nicht zwangsläufig dauerhaft zu Pascal Harder in die Erste zu wechseln, um die eigenen Ambitionen nicht zu gefährden.

„Wir haben einen besseren Kader als letztes Jahr und wenn wir noch mehr Konstanz reinbekommen, kann ich mir einen Aufstieg vorstellen“, so der Kapitän.

Aktuell steht Cappenberg II mit drei Punkten Rückstand, aber einem Spiel weniger als der Tabellenführer Königsborner SV II, auf Platz drei in der Kreisliga B.

Keine Winter-Transfers bei GS Cappenberg

Die Truppe von Pascal Harder verweilt zeitgleich in der Kreisliga A auf Platz 13, mit einem Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsrang.

Winter-Transfers sind trotz der angespannten Personallage laut Harder aber nicht geplant. „Wir sind kein Verein, der den Spielern Geld zahlt, deswegen gab es im Sommer auch Jungs, die dahin gewechselt sind, wo es zum Sprit vielleicht mal ein paar Euro dazu gibt.“

Also wird es zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass Harder und Schnatmann gemeinsame Sache machen müssen, wenn beide Erfolg mit ihren Mannschaften haben wollen. Ersterer hat trotz schwieriger Situation aber Verständnis für die Spieler in der Zweiten.

„Die Jungs feiern zusammen, fahren in den Urlaub und sind gemeinsam groß geworden. Du kannst ja auch niemanden zwingen, woanders zu spielen“, so Harder.

Wo Cappenbergs Erste und Zweite nächste Saison spielen, wird die Rückserie zeigen. Wenn die Doppel-Belastung weiterhin funktioniert, ist es zumindest nicht unrealistisch, dass sie bei Grün-Schwarz nächste Spielzeit zwei A-Ligisten haben.

Über den Autor
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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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Janis Czymoch

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