Friedrich "Vitus" Theil ist mit 83 Jahren verstorben. © SG Selm
Nachruf

„Ein herber Verlust für Selm“: Friedrich „Vitus“ Theil (83) verstorben

Friedrich Theil war einer der bekanntesten Selmer. Er war engagiert wie kaum ein Zweiter. Jetzt ist Theil, den fast alle nur „Vitus“ nannten, verstorben. Ein Nachruf.

Engagiertes Gewerkschaftsmitglied, 25 Jahre lang Knappschaftsältester, Ratsmitglied, Mitorganisator des Selmer Karnevals, langjähriger Darsteller von Sankt Martin, treuer Spieler, Trainer und Mitglied beim BV und der SG Selm – Friedrich „Vitus“ Theil fühlte sich vielen Aufgaben in Selm verpflichtet. Am Freitag, 5. Februar, ist Theil im Alter von 83 Jahren verstorben.

Fragt man ehemalige Weggefährten nach Friedrich Theil, den fast alle nur unter seinem Rufnamen „Vitus“ kannten, bekommt man fast immer ähnliche Antworten. Hilfsbereitschaft mit einem offenen Ohr für alles und jeden, an- und zupackend, allgemein ein netter Mensch sei er gewesen. Und der sehr naturverbundene Selmer war engagiert, wie alle betonen.

Mehr als 50 Jahre Mitglied beim BV Selm

In den 1950er Jahren trat Theil, der 1937 geboren wurde, in den BV Selm ein. 1955 war Vitus Mitglied der A-Juniorenmannschaft, die den Westfalenmeistertitel gewannen – ein Kunststück, das den Senioren erst einigen Jahren später gelingen sollte. Mehr als 50 Jahre – bis zur Fusionierung der BV Selm und der DJK Grün-Weiß Selm zur SG Selm – war Theil Mitglied des Vereins und wirkte auch als Trainer im Junioren- und Seniorenbereich beim BV.

Vitus Theil spielte lange für den BV Selm.
Vitus Theil spielte lange für den BV Selm. © SG Selm © SG Selm

Zudem war Vitus auch neben dem Spielfeld engagiert, leistete Vorstandsarbeit beim BV und war bis zum Schluss Mitglied der „Dienstagsrunde“ sowie gerne gesehener Gast bei den Heimspielen der SG. „Wenn Not war, packte er einfach mit an“, sagt Albert Mazurek, langjähriger Begleiter Theils und Sprecher der Dienstagsgruppe. „Er hatte immer für alle ein offenes Ohr und war für jeden da, der ihn brauchte.“

Mit der A-Jugend der BV Selm gewann Vitus Theil 1955 die Westfalenmeisterschaft - einer der ersten großen Erfolge des Vereins.
Mit der A-Jugend der BV Selm gewann Vitus Theil 1955 die Westfalenmeisterschaft – einer der ersten großen Erfolge des Vereins. © SG Selm © SG Selm

Aber nicht nur der Fußball prägte das Leben Theils. Auch in den Selmer Karneval war Vitus, dessen Spitzname kurz nach der Geburt entstand, eingebunden. Als Mitglied im Festausschuss war Theil maßgeblich an der Organisation des Selmer Karnevalumzuges beteiligt. „Vitus war ein Pfundskerl. Mit ihm konnte man durch dick und dünn gehen“, berichtet Hans Zeine, der zusammen mit Theil Mitglied im Selmer Elferrat war.

Friedrich „Vitus“ Theil spielt den heiligen Martin

Zudem war Vitus dafür bekannt, den Sankt Martin beim Umzug zu spielen. Mehr als 25 Jahre lang schwang sich Theil aufs Pferd und teilte den Mantel. Zuletzt musste er dann überredet werden, etwas kürzer zu treten, um nicht die eigene Gesundheit unnötig zu gefährden.

Im Alter machten sich ohnehin einige gesundheitliche Probleme bemerkbar. Durch die lange Zeit, die Theil als Bergmann arbeitete, trug er eine Staublunge davon.

Vitus Theil war auch begeisterter Karnevalist.
Vitus Theil war auch begeisterter Karnevalist. © Jessica Bader (Archiv) © Jessica Bader (Archiv)

Während seiner Tätigkeit als Steiger knüpfte er erste Kontakte zu Gewerkschaftern. Theil war Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Dort lernte er auch Michael Feige (SPD), heutiger Zweiter Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Selm, kennen. Theil war zehn Jahre lang Mitglied im Selmer Rat.

Später arbeitete Theil als Versichertenberater, war 25 Jahre lang Knappschaftsältester, ehe er aus diesem Beruf ausschied. „Er war ein sehr, sehr netter Mensch“, sagt Feige. „Er hat sich viel eingebracht mit seiner Meinung und seinen Gedanken.“ Auch deswegen war „Vitus“ vielerorts als Ratschlaggeber gefragt.

Langjähriges Mitglied bei der IG BCE

Für Feige, der ebenfalls Mitglied bei der IG BCE ist, ging die Bekanntschaft auch über die Parteifreundschaft über die SPD hinaus, die die beiden bis zuletzt verband. „Er hat mich ein Stückweit geprägt“, so Feige.

In Friedrich „Vitus“ Theil verliert Selm einen verdienten, engagierten und sehr beliebten Bürger. „Wir vermissen ihn sehr“, sagt Marzurek daher. Und Feige ergänzt: „Für Selm ist es ein herber Verlust.“

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Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel

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