EINBLICKE IN DIE SPORTREDAKTION

Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.
Matthias Henkel schreibt über den Lokalsport in Selm, Olfen und Nordkirchen. © Czymoch

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Name ist Matthias Henkel. Ich bin zuständig für den Lokalsport aus Selm, Olfen und Nordkirchen. Zusammen mit den Lokalsportkollegen der Städte Lünen, Werne, Unna und Kamen bilden die Kollegen und ich eine Lokalsporteinheit, die so genannte Redaktion „Kreis Unna Redaktion Sport“ (KURS).

Was ich an meinem Job – und insbesondere am Lokalsport – schätze, ist, dass kaum ein Tag dem anderen gleicht. Ein aus dem englischen Sprachraum kommendes Sprichwort lautet, grob übersetzt: Vielfalt ist des Lebens Würze. Das trifft in meinem Job voll zu.

Aber natürlich gibt es dann doch einige Dinge, die sich strukturell ähneln. Werfen Sie mit mir einen Blick hinter die Kulissen eines „typischen“ Tages in der KURS-Redaktion.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Morgens starten wir mit allen Mitgliedern der Redaktion mit einer Konferenz. Dort geht es vor allem um zwei Dinge: Zum einen werfen wir einen Blick zurück. Was war in den vergangenen Tagen gut? Haben wir wirklich alle relevanten Themen im Fokus gehabt? Was hätten wir besser machen können? Und haben sich vielleicht neue Fragen oder Entwicklungen aus diesen Themen ergeben, die wir heute angehen sollten?

Täglich treffen sich die Redakteure, um über die wichtigsten Themen zu sprechen – derzeit aber nur digital. © Czymoch © Czymoch

Damit sind wir schon beim zweiten Teil der Konferenz: Um welche Themen kümmern wir uns? Was ist für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, interessant und relevant? An dieser Stelle sprechen wir auch über mögliche Überschneidung.

Wenn beispielsweise ein Sportverband eine generelle Entscheidung fällt, ist das für alle Redaktionen wichtig. Da wäre es wenig sinnvoll, wenn jede Redaktion einzeln nachfragen würde. Außerdem gibt es immer wieder Themen, die mehrere Redaktionen betreffen, aber nicht alle. Auch hier ist entscheidend, wie wir uns koordinieren.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Danach steht im Prinzip das Programm für den Tag. Nun geht es in die Recherche. Dazu mache ich mir zuerst Gedanken: Welche Hintergrundinformationen brauche ich und wo bekomme ich diese her? Wer sind mögliche Ansprechpartner für mich? Anschließend geht es zum (möglichen) Ortstermin. Vor Ort zu sein und die Eindrücke direkt am Geschehen zu sammeln, ist für jeden Journalisten das Salz in der Suppe.

Viele Anregungen kommen von unseren Lesern über Mails, WhatsApp oder die Sozialen Medien. © Czymoch © Czymoch

Das ist vor allem an den Wochenenden der Fall – das Hochamt für einen jeden Sportredakteur. Egal ob Leichtathletik, Fußball, Handball, Schwimmen, Volleyball, Tischtennis und was es noch auf und abseits der Plätze gibt, die meisten Wettkämpfe finden samstags oder sonntags statt.

Einerseits darf ich als Sportredakteur dann diese Sportevents besuchen, andererseits ist das häufig mit einer ordentlichen Portion Stress verbunden, da sich die Veranstaltungen auf einen relativ kurzen Zeitraum konzentrieren. Diesen nehme ich aber gerne in Kauf, die Vorteile überwiegen für mich ganz klar.

Die heiße Phase: Schreiben und finalisieren

Nachdem ich all meine Themen recherchiert habe („Im Block“, wie es im Journalistenjargon heißt), geht es an die Umsetzung. Klingt einfach? Ist es nicht unbedingt. Schließlich gilt zu bedenken: Wie gestalte ich das Thema? Wie komplex ist das Thema? Sollen es nur Text und Foto werden? Oder gleich eine Fotostrecke dazu? Habe ich vielleicht ein Video, das ich mitliefern kann? Oder ist das Thema so komplex, dass ich eine Grafik bestellen muss, die mein Thema erklärt?

Erst wenn ich mir darüber im Klaren bin, kann es mit der eigentlichen Produktion des Textes losgehen. Je nach Aufwand kann das mehrere Stunden in Anspruch nehmen – bei besonders komplexen Themen auch deutlich länger, denn hier ist allein schon mehr Recherche notwendig und auch die Umsetzung erfordert mehr Zeit.

Anschließend gebe ich den Text zur Korrektur frei und prüfe im Gegenzug die Texte der Kolleginnen und Kollegen auf Rechtschreibung, Grammatik und Inhalt. Dabei geht die Korrektur über Sprachliches hinaus. Was ist besonders positiv an der Umsetzung des Themas aufgefallen? Was hätte man besser machen können? Welche Stellen müssen in jedem Fall überarbeitet werden?

Wie gut wird ein Artikel gelesen? Interessiert das Thema überhaupt? Das können wir mittlerweile relativ genau zurückverfolgen. © Czymoch © Czymoch

Dabei greifen wir mittlerweile auch auf Datenerhebung zurück. Früher war es eine Art Blindflug, wir wussten nicht, welche Themen wirklich für unsere Leser relevant sind. Heute haben wir dank verschiedener Parameter zumindest Anhaltspunkte, an denen wir uns orientieren können.

Endspurt: Websendeplan und Zeitungsseiten

Im Anschluss planen wir, wann die Texte online laufen sollen. Wenn wir aktuelle Nachrichten haben, sollen die natürlich auch möglichst zeitnah veröffentlicht werden. „Zeitlose“ Themen können dann eventuell auch etwas später erscheinen.

So sieht unser Produktionssystem für die Zeitungsseiten aus. © Czymoch © Czymoch

Am späten Nachmittag geht es dann an die Produktion der Printseiten für die gedruckte und die E-Zeitung. Hier gilt es – ähnlich wie bei den Onlinetexten – zu überlegen, welche Themen für den nächsten Tag relevant sind. Anschließend erfolgt die Abnahme: Dort prüfen wir untereinander die Seiten der anderen. Danach werden die fertigen Seiten digital in die Druckerei geschickt.

Zum Abschluss des Tages folgt noch eine Abschlussbesprechung mit den Kolleginnen und Kollegen. Was ist heute gut gelaufen? Was war verbesserungswürdig? Welche Themen müssen wir am nächsten und in den Tagen darauf auf dem Schirm haben? Haben sich im Laufe dieses Tages Entwicklungen ergeben, die auch für die Kollegen relevant sind?

Am nächsten Tag beginnt alles wieder von vorne. Aber dabei immer wenigstens ein bisschen anders – Langweilig wird es eigentlich nie.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.