Drei Spieler von GS Cappenberg leisteten Hilfe im Überschwemmungsgebiet. © privat
Hochwasser-Unglück

Einsatz im Katastrophen-Gebiet statt Fußballspiel: Cappenberger Trio hilft im Ahrtal

Während die Mannschaftskollegen am Sonntag auf dem Fußballplatz standen, befanden sich drei Spieler von GS Cappenberg im Hochwassergebiet. Im Ahrtal beobachteten sie auch Katastrophen-Tourismus.

Als Grün-Schwarz Cappenberg am Sonntag bei schönstem Fußballwetter gegen den BV Lünen antrat, fehlte ein Trio im Kader des A-Kreisligisten. Aus gutem Grund allerdings, denn die drei Spieler verbrachten das Wochenende als Helfer in Bad Neuenahr – einer der Städte, die von der Hochwasser-Katastrophe vor etwas mehr als zwei Wochen besonders betroffen war. Vor Ort packten die drei nicht nur mit an, sondern ärgerten sich auch über Katastrophen-Touristen.

Die Idee, Hilfe zu leisten, hatte Louis Heckenkamp. Der Spieler von GS Cappenberg fragte gleich mal herum, wer ebenfalls Unterstützung leisten wolle, seine Teamkollegen Maximilian Stasch und Julius Becker waren sofort dabei.

„Ich dachte mir ‚Warum nicht?‘. Es ist zwar doof, dass wir dadurch das Testspiel verpasst haben, aber das ist definitiv ein wichtiger Grund gewesen“, berichtet Becker: „Im Nachhinein war es absolut die richtige Entscheidung. Man lernt schon wertzuschätzen, was man hat.“

Mit dem Shuttle ging es vom Camp nach Bad Neuenahr

Statt eines lockeren Kicks stand für die drei Cappenberger harte Arbeit auf dem Programm. Freitags ging es zunächst in ein vom Technischen Hilfswerk errichtetes Camp. „Das war in einem Industriegebiet, mit Zelten, Feldbetten, Toiletten- und Duschwagen und alles top organisiert“, so Becker.

Louis Heckenkamp, Maximilian Stasch und Julius Becker in Bad Neuenahr.
Louis Heckenkamp, Maximilian Stasch und Julius Becker in Bad Neuenahr. © privat © privat

Am Samstagmorgen wurden die Helfer dann per Shuttle nach Bad Neuenahr gefahren und halfen überall dort, wo sie gebraucht wurden. „Da war ein älteres Ehepaar, bei dem die Vorarbeiten bereits stattgefunden hatten“, erinnert sich Becker: „Wir haben dann vor allem den Garten aufgeräumt.“

Ansonsten waren die Cappenberger vor allem mit Abrissarbeiten beschäftigt. „Wir haben Böden herausgerissen und Tapeten entfernt, damit im Anschluss kontrolliert werden kann, wie feucht der Boden und die Wände sind“, so Becker.

Wie groß die Schäden auch über zwei Wochen nach dem Hochwasser noch sind, war leicht zu erkennen: „Man hat an jedem Haus genau gesehen, wie hoch das Wasser stand. Die meisten Häuser waren offen und wenn man reingegangen ist, war das wie in einem Rohbau. Die Straßen waren verwüstet und von sieben Brücken, die es mal in Bad Neuenahr gab, stand noch eine.“

Ärger über Katastrophen-Touristen

Arbeit gebe es auch jetzt noch mehr als genug. „Es kamen immer wieder Bewohner auf uns zu, die gefragt haben, ob wir Helfer sind. Wir sind dann mitgegangen und haben sofort losgelegt“, erzählt Becker. Helferinnen und Helfer habe es durchaus viele gegeben, allerdings auch Besucher, die nicht zur Unterstützung angereist sind.

Vor allem Sonntag seien ihm Leute aufgefallen, die nur zum Gucken und zum Fotografieren gekommen waren: „Da fühlt man sich schon ein bisschen verarscht, wenn man da acht, neun Stunden gearbeitet hat und dann solche Leute sieht.“

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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