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Fußball

GS Cappenberg hat einen aussterbenden Typ Spieler in seinen Reihen

Es gibt ihn nicht mehr häufig, vor allem nicht mehr bei den Profis, aber auch bei den Amateuren. Bei GS Cappenberg ist dieser Spielertyp aber noch zu finden. Bleibt das auch so?

Auf der Suche nach Vereinstreue wird man fündig im Selmer Stadtteil Cappenberg bei Fußball A-Ligist Grün Schwarz Cappenberg. Der selbstausgewiesene Dorfklub ist umgeben von größeren Vereinen in der Umgebung und hat diese Underdog-Mentalität verinnerlicht und zum Teil seiner Identität gemacht,

Das bestätigt Benedikt Stiens. Der 25-jährige Kapitän ist ein Typ Spieler, wie man ihn in den europäischen Topligen kaum noch kennt. Seit Beginn seiner Karriere hat Stiens bei noch bei keinem anderen Verein gespielt und hat dies wohl auch nicht vor – ganz so wie Francesco Totti seiner AS Roma ergeben war. Ein Sportler, mit dem sich der studierte Designer im Handwerk und Tischlermeister identifizieren kann.

„Spielerisch nicht Francesco Totti“

„Ich sehe mich spielerisch natürlich nicht als Francesco Totti, aber ich finde es schon beeindruckend bei Profifußballern, wenn sie ihre gesamte Karriere bei einem Verein verbringen und zu sehen, dass es eben auch im Profifußball noch so was wie Vereinsverbundenheit gibt. Das wird heutzutage auch leider immer weniger.“

Benedikt Stiens ist schon 20 Jahre Spieler bei GS Cappenberg.
Benedikt Stiens ist schon 20 Jahre Spieler bei GS Cappenberg. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Grün-Schwarz Cappenberg besteht nun seit mehr als 60 Jahren und ist recht stolz auf die Erfolge, die der Klub bisher einstreichen konnten. Der Verein kann und konnte trotz der Konkurrenz aus dem Umland einige Erfolge wie Aufstieg und Meisterschaften feiern. Stiens ist mittlerweile seit über zwei Jahrzehnten dabei. Wie bleibt man seinem Verein so lange treu ergeben?

Als Ur-Cappenberger ist der heutige Kapitän ganz klassisch über die Minikicker zum Verein gekommen und einfach geblieben. Teilweise sind sogar noch Spieler aus der Zeit ebenfalls bei GSC anzutreffen. Beispielsweise hat ihn sein Trainer Christian „Dixie“ Zentgraf 15 Jahre lang bis zur A-Jugend begleitet. Ein Mensch, von dem er sagt, dass er ihn schon sehr positiv beeinflusst habe.

„Er hat uns 15 Jahre lang begleitet und das entwickelt einen ja so ein bisschen mit, wenn man ihn zwei, dreimal die Woche unter seiner Führung ist.“ Und dementsprechend emotional ist dann auch die Verabschiedung ausgefallen. Es sind die kleinen Momente im Verein, die einem ans Herz gehen, sagt Stiens.

Eben diese sozialen Bindungen innerhalb des Vereins sind es, die den 25-Jährigen schon so lange halten. Dadurch, dass es auch andere Spieler gibt, die ähnlich lange dabei sind, sei es nicht einfach, sich einer anderen Truppe anzuschließen, sagt er. Das spiegele sich auch in der Transferpolitik wider. Benedikt Stiens betont dabei, dass bei Neuzugängen das Menschliche mindestens so wichtig sei wie das Spielerische.

Durch die ausgestrahlte Bindungskraft ergibt sich auch eine entsprechende persönliche Identifikation mit dem Verein. „Gerade auch, weil ich noch nirgendwo anders gespielt habe, ist das eben mein Verein.“

Trotz alledem ist der Verein im letzten Jahr besonders aufgefallen dadurch, dass er viele Spieler ziehen lassen musste. Stiens führt das zurück auf einen Umbruch innerhalb der Mannschaft zurück. Denn der langjährige Trainer der ersten Mannschaft, Patrick „Ossi“ Osmolski, reichte 2018 den Stab an Pascal „Kalle“ Harder weiter. „Mit Kalle kam dann auch ein ganzer Schwung neuer Spieler und es ist vielleicht klar, dass sich nicht alle direkt so eine starke Identifikation mit dem Verein hatten.“ Doch er schiebt hinterher: „Aber wir konnten eben auch viele halten.“

Auf die Frage, was sich denn am meisten verändert habe, antwortet er lachend: „Ich könnte sagen, das Feiern oder die Mannschaftsabende. Da ist Ossi gerne dabei gewesen. Kalle ist viel seltener feiern aber hat auch schon den ein oder anderen Abend organisiert.“

Sozialer Faktor ist bei GS Cappenberg entscheidend

Der soziale Faktor des Vereins ist durch die Corona-Zeit auf den Prüfstand gestellt worden. Unter anderem, weil sich erst wieder eine neue Einheit bilden musste, nach den Abgängen der letzten Saison. Aber bisher habe es die Mannschaft ganz gut geschafft, sagt das GSC-Urgestein. Auch wenn sich ebenfalls in diesem Bereich mittlerweile eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen hat.

Der Verein hat einige Challenges für die Spieler auf die Beine gestellt, um sie auf der einen Seite fit zu halten, aber auch, um soziale Projekte zu unterstützen. Der Sinn für das Soziale beschränkt sich nicht nur auf die Spieler. Und nach Corona? „Mit dem Verein einen Aufstieg holen oder ganz oben mitspielen. Das wäre schon schön. Keine Frage“, überlegt Stiens ganz nüchtern.

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