Sanmi Ojo und der PSV Bork standen bereits wieder auf dem Trainingsplatz. © Jura Weitzel
Fußball

Lockerungen im Sport? Vereine sehen eher eine Verschärfung und unnötige Hürde

Seit dem 28. Mai gilt eine neue Corona-Schutzverordnung, die Kontaktsport mit bis zu 100 Personen zulässt. Es gibt aber dazu neue Auflagen. Einige Vereine ärgern sich und sprechen von Verschärfung.

Bis zu 100 Personen dürfen wieder Kontaktsport betreiben. Voraussetzung dafür ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter einem Wert von 35 (Inzidenzstufe 1) liegt. Zudem müssen die Sportler getestet, geimpft oder genesen sein. Das geht aus der seit dem 28. Mai geltenden Corona-Schutzverordnung hervor. Doch genau darum gibt es auch Unmut.

„Es ist schön, dass wir wieder trainieren können“, meint Patrick Fechner, „aber für uns ist das eher eine Verschärfung als eine Lockerung.“ Der Sportliche Leiter bezieht sich dabei auf die Corona-Schutzverordnung, die vor dem 28. Mai galt. In dieser hieß es, dass Sport bei einer stabilen Inzidenz unter 50 ohne Einschränkungen möglich ist. Ohne Einschränkungen – das hieß bis zum 28. Mai also auch, dass die Spieler nicht getestet sein müssen.

Kreis Unna hat die Inzidenzstufe 2 erreicht

Im Kreis Unna darf immerhin wieder ohne Kontakt trainiert werden. Die Inzidenz lag am Montag zwischen 35 und 50 (Inzidenzstufe 2), wenn diese auch noch nicht stabil ist. Ist die Stabilität in dieser Stufe erreicht, ist Sport mit bis zu 25 getesteten, geimpften oder genesenen Personen erlaubt. Ende der Woche könnte das der Fall sein.

Sanmi Ojo, Trainer des PSV Bork, ärgert sich jedoch ebenso wie Fechner, dass die Aussichten auf Sport ohne Tests nun nicht mehr vorhanden ist. „Das ist keine Lockerung, sondern eine unnötige Hürde“, meint er. „Erst haben wir die 50er-Inzidenz vor Augen und wird uns wie ein Knochen hingehalten, nur um ihn dann wieder wegzuziehen.“

Und es gäbe andere Probleme: „Was ist mit den Leuten, die es nicht schaffen, einen Test zu machen? Viele kommen direkt von der Arbeit zum Training“, gibt Ojo zu bedenken. Da sei es dann nicht mehr möglich, vorher noch einen Corona-Test zu machen, zumal jeder nur einen wöchentlichen Test pro Woche zur Verfügung habe und dieser auch nicht ausschließlich für Fußball benötigt würde. Zudem sei es die Ausnahme, dass die Spieler der Mannschaft, die zwischen 18 und Mitte 30 Jahre alt seien, bereits ein Impfangebot erhalten hätten.

Das könne dazu führen, dass Spieler das Trainingsangebot des Vereins nicht wahrnehmen könnten. Der PSV reagiert deswegen konsequent: „Ich will keine Zwei-Klassen-Gesellschaft einführen“, so Ojo, „deswegen werden wir auch weiter nur kontaktfreies Training anbieten.“

Patrick Fechner übt Kritik an der neuen Corona-Schutzverordnung.
Patrick Fechner übt Kritik an der neuen Corona-Schutzverordnung. © Weitzel © Weitzel

In Vinnum steht eine Entscheidung, wie es weitergeht noch aus, obwohl der Kreis Coesfeld zur Inzidenzstufe 1 gehört. Patrick Fechner gibt zu bedenken: „Es kann schon sein, dass einem die freie Wahl genommen wird: Gehe ich zum Training oder nicht?“ Fakt sei, dass für Verein und Spieler ein Mehraufwand entstehe. Der Verein will in den kommenden Tagen entscheiden, wie es weitergeht.

SuS Olfen steigt am Dienstag ins Training ein

Der SuS Olfen wird hingegen am Dienstag wieder ins Training einsteigen – mit Kontakt. Trainer Patrick Linnemann hat eine weniger eindeutige Meinung, als es sie in Bork und Vinnum gibt. „Geld für Tests wird einige Leute ausschließen“, sagt er. „Da habe ich Verständnis, wenn jemand sagt, dass er da kein Geld für hat.“

Gleichzeitig sieht der SuS-Trainer aber auch die Vorteile: „Dass man vor zwei Wochen keinen Test benötigt hat, jetzt aber schon, ist Quatsch“, erkennt Linnemann zwar an, „aber ich finde es auch nicht schlimm, dass die Jungs einen Test vorlegen müssen. So bekommt jeder auf dem Platz ein Gefühl von Sicherheit.“

Insgesamt ist es keine einfache Entscheidung für die Vereine, ob sie Training anbieten oder nicht. Das zeigt das Stimmungsbild der hiesigen Vereine. Zweierlei ist aber allen Klubs gemein: die Betonung auf die Wichtigkeit der Gesundheit und die Freude, dass es zurück auf den Trainingsplatz geht.

Über den Autor
Redakteur
Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel

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