Matthias Kerk verließ nach 20 Jahren seinen Stammverein Werner SC. © Foto: Teri Herrero
Rückblick 2020

Mein Sportjahr: „Der letzte Überlebende“ läuft und läuft – weiß aber nicht wofür

Wie haben die Sportler das Jahr 2020 erlebt? Im Rückblick erzählen sie, wie sie die Zeit wahrgenommen haben. Für Fußballer Matthias Kerk von GS Cappenberg ist die Lockdown-Zeit besonders schwierig.

Ich glaube, ich spreche stellvertretend für jeden Amateursportler, wenn ich behaupte, dass das Jahr 2020 sportlich gesehen nicht zufriedenstellend war. Aber es gab auch in den vergangenen Monaten deutlich Wichtigeres als den Amateursport. Trotz der wenigen Zeit, die ich in diesem Jahr mit dem Amateursport verbracht habe, gab es einige Veränderungen.

Im Sommer hieß es zum ersten Mal in meiner Sportkarriere Abschied nehmen. Nach gut 20 Jahren verließ ich meinen Stammverein Werner SC und wechselte zur zweiten Mannschaft von GS Cappenberg. Eine neue und zuvor noch nie erlebte Situation. Es war ein logischer Schritt. In den vergangenen fünf Jahren wechselten zahlreiche Spieler, mit denen ich in meiner Jugend zusammengespielt hatte, nach Cappenberg.

Der letzte Überlebende des Werner SC

Aus diesem Kreis bin ich übrig geblieben. Ich würde meine Situation damals als letzten Überlebenden der Jahrgänge 1993 bis 97 aus der Jugend des WSC beschreiben. Eingewöhnungszeit brauchte ich in Cappenberg dadurch nicht.

Aber starten wir am Anfang des Jahres. Im März befanden wir uns im Lockdown. Lange musste der Ball ruhen. Der Fußball und das gesamte soziale Leben stand still. Direkter Kontakt fand nur noch über eine Kamera am mobilen Endgerät statt. In den Monaten März, April, Mai war das Leben abseits der beruflichen Verpflichtungen schlichtweg langweilig.

Sportlich musste man sich zwingen, laufen zu gehen, um etwas für die Fitness zu tun. Wer mich kennt, der weiß, dass ich in den Laufeinheiten in der Vorbereitung nie der Favorit für das vordere Feld war. Ich mochte es einfach nicht. Es war mir zu monoton. Durch den Lockdown lief man plötzlich dreimal in der Woche. Die Fitness wurde besser.

Was beim Lesen positiv klingt, hatte allerdings einen negativen Beigeschmack. Nun konnte man zwar mehr laufen, aber es gab keinen Fußball, wofür man die Kondition brauchte. Wofür also das Ganze? Genau – um für den Vorbereitungsstart die monatelange Pause nicht wieder aufholen zu müssen.

GS Cappenberg geht mit Coronafällen professionell um

Natürlich war die Freude über die Lockerungen im Juni/Juli groß. Man ging wieder seinem Hobby nach und hatte sein soziales Netzwerk wieder. Die Vorbereitung lief eigentlich normal ab, was im ersten Moment sehr komisch war, da zwei Monate zuvor das soziale Leben in der Gesellschaft stillstand. Im ersten Moment war es irgendwie nicht real, als man den Platz betreten durfte.

Durch die vorherige Phase überwog eine gewisse Skepsis vor den ersten Spielen und Einheiten. Man hörte ja vereinzelt von Coronafällen auf den Plätzen in der Umgebung. Unser Team ging aber professionell damit um. Der Verein setzte alles daran, dass das Hygienekonzept eingehalten wurde. Hier gilt es allen Vereinen in der Umgebung ein Kompliment auszusprechen.

Allerdings bedeutete das Hygienekonzept gleichzeitig: keine Kiste Bier nach dem Training oder dem Spiel, kein lebhafter Austausch am Platz. Ein kleiner Makel, den man hinnehmen musste, aber dafür war der Ertrag, den man dadurch erhielt, höher.

Man durfte unter Auflagen wieder spielen. Nach kurzer Zeit pendelte sich alles ein. Einzelne Vorgänge abseits des Platzes wurden zur Routine und das Team spielte eine gute Vorbereitung. Folgerichtig legte Cappenberg II einen guten Saisonstart hin und verlor bislang kein Spiel.

Auch der Amateursport hat eine Verantwortung

Als die Zahlen im Oktober wieder nach oben schossen, war, denke ich, jedem klar, wo der Weg hinging. Dass der Amateursport wieder ausgesetzt wurde, ist korrekt. Jeder Mensch hat in dieser Situation eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Der Amateursport ist davon nicht ausgenommen. Sportlich war das ein erneuter Bruch, den wir erleben mussten. Wir waren im Rennen um die Spitzenposition.

Ich möchte keine Prognose äußern, wann wir alle wieder Wettbewerbssport machen dürfen, dafür bin ich kein Experte. Das Einzige, was dem Amateursportler übrig bleibt, ist, auf eigener Initiative allein laufen zu gehen, sich verantwortungsvoll in dieser Situation zu verhalten und darauf zu hoffen, dass es irgendwann weitergeht.

Abschließend möchte ich allen Lesern ans Herz legen: Bleiben Sie gesund und ich hoffe, dass das Jahr 2021 mehr Sport und etwas mehr „Normalität“ für alle bereithält.

Zur Person: Matthias Kerk ist Spieler für die Zweite von GS Cappenberg in der Fußball-Kreisliga B. Der 25-Jährige stand in drei von vier Spielen in der Startelf.

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