Carsten Schwenke war mit seiner Zeit beim 100-Kilometer-Rennen im niederländischen Winschoten zufrieden. © Archiv
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Ultralauf über 100 Kilometer: Warum tun Sie sich das an, Carsten Schwenke?

Carsten Schwenke nimmt an einem Lauf über 100 Kilometer teil, pulverisiert seine eigene Bestleistung und gehört dabei zur Elite der Läufer. Aber warum tut er sich das überhaupt an?

Beinahe wäre Carsten Schwenke der beste deutsche Läufer seiner Altersklasse Ü50 über die Ultradistanz von 100 Kilometern geworden, lediglich zwei andere Athleten waren noch schneller. 8 Stunden und 36 Minuten brauchte Schwenke, um diese Distanz zu überwinden. Doch warum läuft man überhaupt so eine lange Strecke?

„Es ist die Herausforderung“, lautet die knappe Antwort Schwenkes. „Auf den unteren Distanzen bis 50 Kilometer bin ich an meine Grenzen gekommen und dann läuft man weiter und versucht schneller zu werden. Das ist mir gelungen.“

Carsten Schwenke pulverisiert seinen Rekord

Das gelang dem 51-Jährigen nun auch über die Königsdisziplin in den Langdistanzen. Schwenke hatte sich beim Lauf im niederländischen Winschoten eine Verbesserung seiner alten Bestzeit vorgenommen. Unter 9 Stunden wollte er das Rennen beenden, am liebsten schneller als 8:40 Stunden. Am Ende also waren es 8:36 Stunden – und damit die Verbesserung des persönlichen Rekords um mehr als eine Stunde und 20 Minuten.

Das Rennen in den Niederlanden war bereits das dritte Rennen über 100 Kilometer des Lüners, der für das TriTeam Selm startet. „Es ging nicht darum, das Rennen zu schaffen. Ich war mir da recht sicher, dass es klappt, auch wenn viel passieren kann“, sagt Schwenke.

Carsten Schwenke kam über den Triathlon zu Langstreckenläufen.
Carsten Schwenke kam über den Triathlon zu Langstreckenläufen. © Weitzel © Weitzel

Und was? „Das Ziel bei den meisten ist es, möglichst lange ein gleichmäßig hohes Tempo zu haben. Ab 50, 60 Kilometern wird es dann aber zunehmend schwieriger, das Tempo zu halten“, beschreibt Schwenke. „Dann spielt der Kopf mit – oder eben nicht. Dann tut es einfach nur weh und es geht darum, wie viel Schmerzen kann man aushalten. Natürlich ist auch die Verpflegung wichtig.“

Über das TriTeam Selm zu den Ultraläufen

Grundsätzlich ist Schwenke Schmerzen gewohnt und auch bis an seine Grenzen und darüber hinaus zu gehen. Früher war der kaufmännische Angestellte Triathlet beim TriTeam Selm. „Da war ich ziemlich gut“, sagt Schwenke, der sich seit fast 40 Jahren in Ausdauersportarten versucht. Doch dann kam der Nachwuchs. „Beim Triathlon ist besonders das Fahrradfahren zeitaufwendig“, so Schwenke, „ich habe mich dann aufs Laufen konzentriert. Mit systematischem Training klappte die Umstellung ganz gut.“

Das zeigte auch das Rennen in Winschoten, das für den 51-Jährigen ziemlich glatt lief. Relativ schnell war Schwenke klar, dass es nur noch darum gehen würde, die selbst gesetzte Zielzeit zu erreichen. „Dass ich das schaffe, da war ich mir etwa am Kilometer 90 sicher. Da hatte ich so viel Puffer, dass ein Verfehlen der Zeit selbst bei einem Einbruch unwahrscheinlich gewesen wäre“, sagt er.

Allein in diesem Jahr lief Carsten Schwenke bislang etwa 3.500 Trainingskilometer.
Allein in diesem Jahr lief Carsten Schwenke bislang etwa 3.500 Trainingskilometer. © Archiv © Archiv

Was dem Ultraläufer außerdem entgegenkam, war der Austragungsort. So sei der Lauf in Winschoten ein Volksfest, bei dem die Athleten auf dem zehn Kilometer langen Rundkurs fast durchgängig von den Zuschauern angefeuert würden. „Die ganze Stadt ist auf den beiden“, erzählt Schwenken und beschreibt die Stimmung: „Die war wie beim Fußball der zwölfte Mann. Die Zuschauer helfen einem über Tiefpunkte hinweg und feuern einen dauerhaft an, das pusht einen.“

Publikum treibt die Läufer nach vorne

Er selbst habe davon profitiert: „Bei Kilometer 80 wurde es sehr zäh, aber ab Kilometer 90 ging es dann schon wieder. Die letzten fünf Kilometer waren dann fast die schnellsten, das ist schon bezeichnend.“

So hat sich am Ende die Schinderei mit bisher etwa 3.500 Trainings-Kilometern seit Jahresbeginn gelohnt. „Wenn man die Ziellinie überquert ist das ein erhebendes Gefühl, das ist ziemlich genial, weil man so viel Zeit reingesteckt hat“, erzählt Carsten Schwenke. „Und es ist ein grandioses Gefühl, weil der Plan aufgegangen ist.“

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Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel

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