Altersarmut in Selm: Wie viele Menschen wirklich betroffen sind

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826 Menschen seien 2017 von Alterarmut betroffen gewesen. Das hat der Selmer Gründer der Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ gesagt. Die Zahl stellt sich aber niedriger dar.

Selm

, 09.12.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema Altersarmut bewegt viele Menschen in Deutschland: Das hat zuletzt die Initiative „Fridays gegen Altersarmut“ gezeigt. Bundesweit haben sich im sozialen Netzwerk Facebook rund 70.000 Menschen der gleichnamigen Gruppe angeschlossen. Auch speziell für die Stadt Selm gibt es eine Fridays-gegen-Altersarmut-Gruppe: die erste im Kreis Unna. 165 Menschen gehören ihr an.

3,2 Prozent der Bevölkerung - also 826 Menschen - seien in Selm von Altersarmut betroffen, hatte der Selmer Gruppengründer Ralf Piekenbrock, der auch Generalsekretär der Familienpartei ist, dazu erklärt. Dabei hat er sich auf Zahlen der Bertelsmann-Stiftung bezogen.

Zahl deutlich niedriger als von Gruppengründer angenommen

Allerdings stellt sich das Problem der Altersarmut zahlenmäßig in Selm doch deutlich kleiner dar als von ihm beschrieben: Die 3,2 Prozent, die die Bertelsmann-Stiftung auf der Homepage wegweiser-kommune.de als Wert für Altersarmut angibt, bezieht sich nämlich nicht (wie von Ralf Piekenbrock angenommen) auf die Gesamtbevölkerung der Stadt, sondern nur auf den Teil der Bevölkerung, der über 65 Jahre alt ist.

So liest es sich im Kleingedruckten der Tabelle. Und so erklärt es auf Anfrage der Redaktion auch Dr. Raimund Pahs, der an dem Institut der Ruhr-Universität in Bochum arbeitet, das für die Bertelsmann-Stiftung die Plattform Wegweiser-Kommune mit Daten füttert.

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Laut Statistischem Bundesamt, so erklärt der Statistiker, waren im Jahr 2017 - auf dieses Jahr bezog sich Ralf Piekenbrock in seiner Pressemitteilung - 5448 Einwohner Selms über 65 Jahre alt. 3,2 Prozent davon - also 174 Menschen - bezogen Grundsicherung. Diese Zahl ist natürlich deutlich niedriger als die 826, von der der Gruppengründer ausgegangen war.

Insgesamt haben 2017 in Selm 315 Menschen Grundrente bezogen

Insgesamt haben im Jahr 2017, so teilt es Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage mit, 315 Selmer Grundsicherung bezogen. Diese Zahl bezieht sich aber nicht nur auf Rentner, die über 65 Jahre alt sind. Sondern auf alle Selmer, die Grundsicherung beziehen. Anspruch auf diese staatliche Leistung haben nicht nur Menschen, die über 65 Jahre alt sind.

„Anspruch auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung haben Personen, die die Altersgrenze erreicht haben, und Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und dauerhaft voll erwerbsgemindert sind,

sofern sie ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln, insbesondere aus ihrem Einkommen und Vermögen, sicherstellen können. Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung setzen also voraus, dass Bedürftigkeit vorliegt“, heißt es als Erklärung vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Ingo Heise, bei der Stadt Selm zuständig für dieses Thema, erklärt auf Anfrage, dass in Selm etwas 45 bis 50 Prozent der Grundsicherungs-Bezieher über 65 Jahre alt sind: Das passt also zu den Zahlen der Bertelsmann-Stiftung.

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