Jessica Lohmann war von den Ausschreitungen am Kapitol in Washington nicht überrascht. © Gabriele Protze (Bildnis)
Zitterpartie

Amerikanerin aus Cappenberg: Unglaublich, was Trump fordert

Ein echtes Wechselbad der Gefühle erlebt Jessica Lohmann seit Mittwochmorgen (4.11.). Die Amerikanerin aus Cappenberg ist empört über das, was sich im Umfeld der US-Präsidentschaftswahl tut.

Eigentlich hat Jessica Lohmann ihr Handy nachts nicht eingeschaltet. Aber besondere Ereignisse erfordern besondere Entscheidungen. Und deshalb legte die Amerikanerin mit Wahlheimat Cappenberg ihr Handy in der Nacht zu Mittwoch (4.11.) auf ihren Nachttisch. „Um 3 Uhr habe ich dann geschaut, wie es bei den Präsidentschaftswahlen in meiner Heimat USA aussieht,“ erzählt die Synchronsprecherin. Was sie da sah, freute die Biden-Anhängerin nicht unbedingt. Aber immerhin konnte sie trotzdem noch ein paar Stunden schlafen.

Am Mittwochvormittag konnte Jessica Lohmann dann nicht glauben, was der amtierende Präsident Donald Trump plant – die Auszählung der Briefwahlscheine zu stoppen. Wohl, weil er vermutet, dass sein Kontrahent dann doch die erforderliche Menge an Wahlmännern bekommt.

Warten auf das Ergebnis aus Pennsylvania

Zünglein an der Waage ist wahrscheinlich das Ergebnis aus Pennsylvania. Und bis das vorliegt, könnte es noch bis Freitag dauern. „Es gibt noch mehrere Varianten, weil ja längst nicht alle Staaten ausgezählt sind, aber Pennsylvania wäre schon gut für Biden“, sagt Jessica Lohmann.

Vor vier Jahren hatte sie noch die Kandidatin der Grünen gewählt, weil ihr einiges bei Hillary Clinton „gar nicht gefallen hat“. Diesmal war für sie klar – Trump muss abgewählt werden. Und sie machte ihr Kreuzchen bei der Briefwahl bei Joe Biden.

Was während der letzten Tage des Wahlkampfes in ihrer Heimat USA abging, macht sie ein bisschen fassungslos. „Da wurden Wähler angerufen, sie sollen nicht zur Wahl gehen, weil das gefährlich werden würde. Diese Woge, um Wähler zu manipulieren, das ist unglaublich.“

Allerdings hätten sie die Methoden von Trump nicht überrascht, auch nicht die, Grenzen von Wahlbezirken zu ändern, damit er besser abschneidet. Jessica Lohmann glaubt, dass es der amerikanischen Demokratie gut tun würde, wenn mehr Parteien eine Rolle spielten. Zwar gibt es die Grünen und die Liberalen neben den großen Demokraten und Republikanern, aber sie haben keine Chance, ihre Ideen politisch umzusetzen.

Vor dem 3. November war Jessica Lohmann auch hinsichtlich ihres Heimatstaates Georgia noch ein bisschen optimistischer: „Aber nun glaube ich, dass es in Georgia, also einem der Südstaaten, nie eine demokratische Mehrheit geben wird.“

Wenn es nach Auszählung aller Stimmen gewalttätige Unruhen im Land geben würde, würde dies Jessica Lohmann nicht überraschen. „Wir haben schon in letzter Zeit so viele Auseinandersetzungen gehabt.“ Wahrscheinlich werde es eher auf dem Land als in den Großstädten Unruhen geben.

Und sie glaubt, dass der Wert des Dollars weiter in den Keller rutschen werde, wenn Trump gewinnt.

Reaktion auf Facebook-Post

Wie verbohrt und beeinflusst viele ihrer Landsleute sind, habe sich an einer Reaktion auf einen Facebook-Post von ihr vor ein paar Tagen gezeigt. Jessica Lohmann hatte gepostet, dass man Trump abwählen solle. Ein „Facebook-Freund“ antwortete ihr darauf, Trump müsse gewinnen, sonst würden „wir alle unsere Freiheit verlieren“. Seiner Meinung nach würden China und der Iran dafür beten, dass Biden gewinnt. Jessica Lohmanns Antwort darauf: „Die ganze Welt betet, dass Biden gewinnt.“ Sie sieht Trump als gefährlichen, selbstverliebten Menschen, der keine Sympathie für irgendein anderes Lebewesen hat, nur für sich selbst. „Trump spaltet das Land immer weiter“, sagt die gebürtige Amerikanerin.

Sie hofft nun, dass tatsächlich alle Briefwahl-Stimmen wirklich ausgezählt werden. Auch wenn dann das Ergebnis der Präsidentschaftswahl wirklich erst in ein paar Tagen klar ist. So lange bleibt ihre Hoffnung bestehen, dass sich Joe Biden und die Demokraten doch noch gegen Trump und die Republikaner durchsetzen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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