Angeklagter Bandido aus Selm schweigt vor Gericht

Erster Prozesstag

Sieben Angeklagte, 16 Rechtsanwälte, zwei Dutzend Medienvertreter, ein Dutzend Polizisten, rund 100 Zuhörer: Mit großem Rummel begann am Freitag der Prozess gegen einen 46-jährigen Selmer und sechs weitere Mitglieder des Rockerclubs Bandidos. Es geht um Drogen im Wert von Millionen und Waffen.

SELM/MÜNSTER

15.01.2016, 14:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einige der 16 Rechtsanwälte vor Prozessbeginn am Freitag im Gespräch miteinander.

Einige der 16 Rechtsanwälte vor Prozessbeginn am Freitag im Gespräch miteinander.

Der größte Saal des Landgerichts Münster reichte gerade aus, als Dr. Jochen Dyhr, Vorsitzender der 3. Großen Strafkammer, die Verhandlung eröffnete. Hinter ihm stand ein Rollwagen mit den Prozessakten: 35 dicke Ordner. Vier der Angeklagten sind Deutsche, zwei Niederländer, einer kommt aus England.

Nach Klärung einiger Personalien hatte zunächst der Staatsanwalt das Wort. Er zählte 98 Einzeltaten auf. Neben der Produktion und dem Handel mit Drogen kamen unter anderem Raub, Diebstahl, Einbruch, Waffenbesitz und schwere Körperverletzung zur Sprache. In sechs Kategorien fasste der Staatsanwalt die Anklagepunkte zusammen. Neben Waffenbesitz waren das vor allem Marihuana und Amphetamin. Andere Drogen wie Kokain und Morphin spielten eine untergeordnete Rolle.

Die Rolle des Angeklagten aus Selm:

In der Kategorie Amphetamin kommt dem Selmer laut Anklageschrift eine Schlüsselrolle zu. Er soll den Stoff für einen groß angelegten Drogenschmuggel nach Finnland organisiert haben. Sein Amphetamin-Labor in einer Halle an der Lüdinghauser Straße in Selm wurde am 12. Mai 2015 von der Polizei hochgenommen. Dort soll er Amphetamin-Öl gelagert haben, dass ab dem Jahr 2012 per Kurier von wechselnden deutschen Flughäfen nach Tampere gebracht wurde.

Geschmuggelt wurde die Amphetaminbase getarnt in Spirituosenflaschen. Immer nur ein paar Liter. Pro Liter zahlten die finnischen Bandidos 4000 Euro. Aus einem Liter konnten sie fünf Kilogramm Amphetamin im Verkaufswert von über 50.000 Euro herstellen. Zur Einfädelung der Geschäftsbeziehungen hatte der Selmer einige andere Bandidos nach Finnland begleitet. Außerdem wirft ihm der Staatsanwalt den Besitz einer Kriegswaffe vor. Das Maschinengewehr des Typs M16, das er in einer Kiste in seinem Bulli versteckt hatte, bot er einem Komplizen für 1500 Euro zum Kauf an.

Marihuana nur ein kleiner Teil des Selmer Drogengeschäfts:

Wohl nur am Rande war der Selmer in die Marihuana-Geschäfte der Bandidos verstrickt, die die Droge in vier Plantagen in Steinfurt, Rheine, Hörstel und Magdeburg produzierten. Die Stecklinge bezogen sie aus Holland. Laut Anklage soll der 46-jährige Selmer einmal fünf Kilogramm Marihuana gekauft haben. 

Zur Sache wollen sich der Selmer und fünf weitere Bandidos vor Gericht zunächst nicht äußern. Sie sitzen alle in Untersuchungshaft. Nur einer der sieben Angeklagten, einer der Deutschen, will aussagen. Er spielt eine untergeordnete Rolle und ist auf freiem Fuß.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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