Angeklagter Selmer Bandido ist wohl schwer krank

Rocker-Prozess

Die Verlobte des Kronzeugen sagt aus und bricht in Tränen aus, der Selmer Bandido soll schwer erkrankt ins Justizvollzugskrankenhaus verlegt werden und die Verteidigung will vergeblich die Sitzordnung ändern - im Bandidos-Prozess in Münster, an dem auch ein Selmer beteiligt ist, ging es am Dienstag wieder hoch her.

MÜNSTER/SELM

05.04.2016, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Angeklagter Selmer Bandido ist wohl schwer krank

Im Bandidos-Prozess vor dem Landgericht Münster stand am Dienstag zunächst der Selmer Angeklagte im Mittelpunkt. Diesmal aber nicht wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Vielmehr teilte einer seiner Anwälte mit, sein Mandant sei ernstlich erkrankt. Er beantragte dessen Verlegung ins Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg. Außerdem bat er um häufigere Verhandlungspausen.

Verlobte des Kronzeugen hat Drogentransport gesehen

Solche Pausen brauchte auch die Zeugin. Sie ist die Verlobte des Kronzeugen und lebt ebenfalls im Zeugenschutzprogramm. Von den Verteidigern wurde sie derart in die Mangel genommen, dass sie in Tränen ausbrach. In ihrer Vernehmung ging es noch einmal um die Amphetaminöl-Transporte ihres Lebensgefährten nach Finnland. Dreimal habe sie mitbekommen, dass er das Öl in Drei-Liter-Wodkaflaschen getarnt nach Tampere brachte.

Woher er den Stoff hatte, konnte sie nicht sagen. Einmal allerdings sei sie dabei gewesen, als der Kronzeuge Geld von einem Finnland-Transport nach Selm brachte. Dabei sei der Selmer Bandido vor seiner Halle an der Lüdinghausener Straße wütend geworden, weil er sich bei dem Geschäft vom Präsidenten der Bandidos über den Tisch gezogen fühlte.

Verteidiger wollten Zeugin zwingen, sie anzuschauen

Die Verteidiger des Selmers und weitere Rechtsanwälte monierten, dass die Zeugin sie und ihre Mandanten während der Befragungen nicht anschauen wollte. Zuvor hatte sich auch schon ihr Verlobter geweigert, in Richtung Anklagebank zu blicken. Ohne die Mimik der Zeugen erkennen zu können, so die Anwälte, könnten sie deren Glaubwürdigkeit aber nicht beurteilen. So sei eine ordentliche Verteidigung nicht möglich.

Sie beantragten deshalb, das Gericht möge die Sitzordnung ändern und die Zeugin auffordern, die Rechtsanwälte bei der Beantwortung der Fragen anzusehen. Die Kammer lehnte beides formell ab. Man könne die Zeugin nicht dazu zwingen. Eine angemessene Prozessführung sei auch so gewährleistet.

Der Vorsitzende Dr. Jochen Dyhr teilte außerdem mit, dass die finnischen Bandidos, die in Tempere angeklagt waren, nicht als Zeugen nach Münster kommen werden. Dennoch werde das Verfahren länger als geplant dauern, voraussichtlich bis Ende April. Am nächsten Freitag geht es weiter.

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