Apotheker warnen: Finger weg von Medikamenten-Schnäppchen im Urlaub

mlzMedikamente

Den Kaffee zum Schnäppchenpreis, dazu leckere Lakritz: Es gibt viele Gründe, in den Urlaub nach Holland zu fahren. Bei einem Produkt hebt Apotheker Volker Brüning aber den warnenden Finger.

Selm, Lünen

, 20.08.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in den Niederlanden Kaffee, Getränke oder Obst kauft, findet selbst in sehr kleinen Läden auch Tabletten. Vor allem die bekannten Medikamente gegen Schmerzen sind hier meist im Angebot. In kleineren Mengenzahl, aber auch in 100er-Schachteln. Volker Brüning, Inhaber von vier Apotheken in Selm und Lünen, sieht in den großen Packungen aber ein großes Risiko.

Er spricht von einer „Bagatellisierung“ der Medikamente. Verbunden mit dem großen Risiko, dass Menschen schneller und mehr Tabletten nehmen als für sie gut sind. „Im schlimmsten Fall droht ein Nierenversagen“, sagt Brüning. Um die Gefahr zu minimieren, seien derart große Abpackungen in Deutschland nicht erlaubt. „Hier dürfen maximal 20 Tabletten dieser Schmerzmedikamente in einer Packung sein.“

Gesetze sind in Niederlande oder Österreich „viel laxer“

Mit seiner Warnung schließt sich Volker Brüning einer Initiative der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und auch der Verbraucherberatung an. Beide weisen angesichts der noch laufenden Ferien- und Reisezeit auf die Gefahren bei Tablettenkäufen im Ausland hin. Bei Nahrungsergänzungsmitteln geht es dabei insbesondere um Heilversprechen. „In den Niederlanden und in Österreich sind die Gesetze in dem Punkt viel laxer als bei uns“, sagt Brüning.

Damit nicht genug: „Auch wenn ein Medikament im Ausland preiswerter ist, kann die Schnäppchenjagd gefährlich sein, warnt Brüning, der zugleich Sprecher der Apothekerschaft im Nordkreis Unna ist. Fälschungen können zu wenige oder keine Wirkstoffe enthalten, im schlimmsten Fall sogar schädliche oder lebensgefährliche Schadstoffe.

Apotheker warnt vor „undurchsichtigen Ausgangsstoffen“

Nach Einschätzung von Volker Brüning muss nicht in allen Fällen ein „Made in Germany“ ein Qualitätszeichen sein. Es könnte sein, dass die Tabletten zwar in Deutschland gepresst, dabei aber „undurchsichtige Ausgangsstoffe verarbeitet wurden.“

Gerade über das Internet würden entsprechende Medikamente vertrieben. Verbraucherzentrale und Apothekerkammer warnen aber auch davor, im Urlaub Medikamente in größerem Stil zu kaufen. Zunächst einmal seien Medikamente schon aus rechtlichen Gründen kein geeignetes Urlaubsmitbringsel.

„Als Faustregel gilt dabei der Bedarf für maximal drei Monate pro Medikament.“ Zudem bestehe die Gefahr, gut gemachte Plagiate gekauft zu haben. „Medikamente sollten deshalb auf keinen Fall bei fliegenden Händlern, sondern nur in zugelassenen Apotheken gekauft werden“, betont die Verbraucherberatung. Und wer angesichts des Preisunterschieds doch im Internet kaufen will? Es ist nur eine Bestellung aus Ländern erlaubt, in denen ähnliche Sicherheitsvorschriften wie in Deutschland gelten.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Evangelische Kirchengemeinde

Andacht to go und Co: So will die Gemeindediakonin auch Nichtgläubige in die Kirche locken