Astrofotograf aus Bork: Am Freitag winken traumhafte Bilder der Venus

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Die kurzen Nächte machen es dem Borker Astrofotografen Wolfgang Zimmermann nicht einfach. Doch als Astrofotograf kann man auch tagsüber Fotos machen: Nächsten Freitag zum Beispiel von der Venus.

Bork

, 13.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Borker Wolfgang Zimmermann ist begeisterter Astro-Fotograf. Immer wieder begibt er sich zu später Stunde vor Teleskop und Kamera, um schöne Bilder aus weit entfernten Galaxien oder von Planeten zu machen.

Aktuell ist das aber gar nicht so einfach, verrät Zimmermann. „Die Nächte werden langsam immer kürzer“, so Zimmermann. „Für eine gute Astroaufnahme werden dann schon zwei Nächte benötigt.“

Im Moment geht in Selm schließlich die Sonne um etwa 21.50 Uhr unter, um etwa 5.10 Uhr geht sie schon wieder auf. Die Sommersonnenwende, das ist der Tag mit der kürzesten Nacht und dem längsten Tag, ist nicht mehr weit entfernt, sie ist am 20. Juni. Allerdings irrt, wer denkt, dass man als Astrofotograf lediglich nachts Bilder macht. „Die Planeten lassen sich auch tagsüber beobachten“, sagt Zimmermann. Auch spannende Motive warten am Tag. In der Vergangenheit hat er zum Beispiel auch mal den Überflug der Internationalen Raumstation ISS am Tag abgelichtet.

Venus zwischen Erde und Sonne

Aktuell hat es dem Borker Fotografen aber die Venus besonders angetan. „Venus ist momentan in der unteren Konjunktion“, berichtet er. „Das heißt, sie befindet sich zwischen Erde und Sonne.“ Durch ihre Wanderung oberhalb an der Sonnenscheibe vorbei wandele sie sich vom Abendstern zum Morgenstern.

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„Sie steht dann rechts von der Sonnenscheibe und kann vor Sonnenaufgang beobachtet werden“, erklärt Zimmermann. Am 3. Juni zum Beispiel war die Venus der Erde besonders nah. „Venus war dann 43.171.351 Kilometer von der Erde entfernt“, so Zimmermann. Auch jetzt ist sie noch nah an der Erde und strahlt hell genug, sodass sie früh Morgens gut beobachtet werden kann, so der Astrofotograf. Am kommenden Freitag, 19. Juni, ist aber ein besonderes Schauspiel zu beobachten. „Dann bedeckt die schmale Mondsichel die Venussichel“, erklärt Zimmermann. Allerdings ist die Voraussetzung ein freies Sichtfeld, also hofft der Fotograf auf gutes Wetter. Außerdem empfiehlt er früh aufzustehen. Da sowohl die Venussichel als auch die Mondsichel aktuell sehr schmal sind, sind sie besser zu sehen, bevor die Sonne so richtig hell am Himmel strahlt. Um die frühe Uhrzeit lässt sich die Venus als Punkt links von der Mondsichel sehen, danach nähert sich der Mond dann an die Venus an. Die Bedeckung selbst ist dann gegen viertel vor Zehn zu sehen. Da die Sonne dann aufgegangen ist, ist aber dann ein Teleskop von Nöten, um das Schauspiel zu sehen.

Aufnahme am Tag als Herausforderung

Und wer Fotos von der Venus am Tag machen will, der hat sich nicht gerade eine einfache Aufgabe ausgesucht. „Venus am Taghimmel aufzunehmen ist immer eine kleine Herausforderung“, verrät Zimmermann. Als er am 15. Mai um die Mittagszeit Fotos von dem Planeten machte, sei auf seinem Notebook aufgrund des Sonnenlichtes nichts zu erkennen gewesen.

Unter der Decke fotografierte Zimmermann die Venus mitten am Tag. Sein Handy spiegelte und zeigte nicht nur ihn, sondern auch die Venussichel

Unter der Decke fotografierte Zimmermann die Venus mitten am Tag. Sein Handy spiegelte und zeigte nicht nur ihn, sondern auch die Venussichel © Wolfgang Zimmermann

Also beschloss der Borker, unter eine dunkle Decke zu kriechen. Das machte die Sicht einfacher, das Einstellen von Fokus und Ausrichtung dagegen eher nicht. „Aber“, so sagte es Zimmermann, „der Astrofotograf liebt diese Herausforderungen.“ Das hier gezeigte Bild wurde mit einer lichtempfindlichen Kamera gemacht, die den Hintergrund verdunkelt und dadurch die Venus überhaupt erst richtig sichtbar macht, sonst wäre sie unscharf. So sieht das Foto aber aus, als sei es dennoch in der Nacht enstanden.

Tipps des Astro-Fotografen:

Für die hier zu sehende Aufnahme nutzte der Borker sein Maksutov-Teleskop mit 1.500 mm Brennweite. Durch Nutzung einer zweifach Barlowlinse konnte er die Brennweite auf drei Meter verlängern, verrät Zimmermann. Außerdem ein Tipp für Hobby-Astrofotografen und solche, die es werden wollen: Ein Stellarium. Das ist gewissermaßen ein kostenloses Planetarium für den PC. Es zeigt den Sternenhimmel, wie man ihn mit dem bloßen Auge und dem Teleskop sehen kann. So kann man zum Beispiel schauen, ob es spannende Himmelsphänomene aktuell zu beobachten gibt.
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