Auf dem Sandforter Weg in Selm hat ab sofort das Fahrrad Vorrang

mlzVerkehr

Um die umweltfreundliche Mobilität weiter zu fördern, gibt es seit Dienstag (21.7.) eine zweite Fahrradstraße in Selm. Nur: zu kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden, ist schwierig.

Selm

, 21.07.2020, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über die Strecke von knapp einem Kilometer haben Fahrradfahrer mitten in Selm nun Vorfahrt. Markiert durch ein großes weißes Fahrrad auf rotem Grund, einem Hinweisschild, das auch Autos zulässt (und nicht umgekehrt) und das Wort „Fahrradstraße“, das in dicken Lettern an beiden Enden des Sandforter Wegs prangt, ist die zweite ihrer Art am Dienstag, 21. Juli, offiziell eingeweiht worden. Schon am Morgen sieht man zwischen Bahnübergang und Kreisverkehr Fahrradfahrer, die - ganz regel-konform - gruppenweise nebeneinander fahren. Autos zuckeln hinterher. Sie sind zwar erlaubt, müssen aber ihre Geschwindigkeit an die der Radfahrer anpassen und dürfen nur überholen, wenn sie einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Mit Gegenverkehr wird das schwierig. Außerdem gilt weiterhin - für Zwei- wie für Vierräder - eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern. „Kraftfahrzeuge dürfen Radfahrende weder gefährden noch behindern“, heißt es außerdem in einem Info-Flyer.

Der Gegenwind im Vorfeld war heftig: Als „unnötig verbranntes Steuergeld“ bezeichnen zum Beispiel Facebook-Nutzer die neue Fahrradstraße oder als „Schwachsinn“. „Ich finde das super, dass die Stadt da so viel macht“, sagt hingegen Radfahrerin Doris Rose. „Es ist ja auch wichtig, dass die Radfahrer sicher von A nach B kommen. Für die Autofahrer ist das sicher nur eine Gewohnheitssache.“

Zuerst gab es negative Reaktionen

Die Stadt Selm, der ADFC und auch die Polizeibehörde Unna sind sich über deren Mehrwert jedoch einig. „Das erste was man von dieser Fahrradstraße mitbekommen hat, waren negative Reaktionen“, sagt Bürgermeister Mario Löhr anlässlich der Einweihung des neu gestalteten Sandforter Wegs. „Seit über 15 bis 20 Jahren ist die umweltfreundliche Mobilität aber schon Thema, die rechtlichen Vorgaben sind gegeben und auch der Rat ist sich einig gewesen, dass man mit dieser zweiten Fahrradstraße in Selm einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass Selm mobiler wird.“

Bürgermeister Mario Löhr zeigt seine Bereitschaft, noch viel für die umweltfreundliche Mobilität seiner Stadt zu tun, indem er aufs Fahrrad steigt.

Bürgermeister Mario Löhr zeigt seine Bereitschaft, noch viel für die umweltfreundliche Mobilität seiner Stadt zu tun, indem er aufs Fahrrad steigt. © Gerstenmaier

„Da wir mit der ersten Fahrradstraße in Bork positive Erfahrungen gemacht haben, soll die Förderung des Radverkehrs mit dieser Fahrradstraße weiter fortschreiten“, fügt Julia Bramkamp, städtische Mitarbeiterin im Amt für Bauen und Wohnen mit Schwerpunkt Umwelt und Mobilität, hinzu. „Die Fahrräder sollen den Raum erobern, um die Zukunft fahrradfreundlicher zu gestalten“, sagt sie.

Für die zweite Fahrradstraße sprachen die Lage zwischen Schulen, Jugendzentrum, Sportstätten und die Nähe zum Bahnhof. „Der Sinn dafür ist gerade in dieser Lage aus polizeilicher Sicht ganz klar gegeben“, sagt Polizeisprecher Christian Stein. Auch die Entwicklung der Unfallstatistik spräche eindeutig dafür: Während es 2017 noch 30 Unfälle mit Fahrradbeteiligung gab, waren es 2018 nur noch 23. Auf dem Sandforter Weg waren an den insgesamt sieben Unfällen 2018 und 2019 keine Fahrräder beteiligt.

„Kaum einer hält sich aber hier an die Geschwindigkeitsvorgabe“, sagt ein anderer Radler, der anonym bleiben möchte. „Im Prinzip ist das eine gute Sache, aber es ist ganz klar, dass das kontrolliert werden muss.“

Keine regelmäßigen Kontrollen möglich

Kontrollen seien wichtig, fordern auch mehrere Mitgliedern des ADFC, die zur Einweihung gekommen sind. Die Autos nähmen einfach zu wenig Rücksicht. Dem setzt hingegen Bürgermeister Löhr gleich einen Dämpfer auf: „Mehr Kontrollen sind ein Personalproblem“, sagt er. Und auch Polizeikommissar Heinz-Willi Quante bestätigt: „Das kann nur unregelmäßig erfolgen. Wir sind ja ziemlich auf Kante gestrickt.“

Als nächstes sollen der Beifanger Weg und die Freiherr-vom-Stein-Straße in Cappenberg auf ihre Tauglichkeit als Fahrradstraße geprüft werden. Außerdem soll eine Radstation an den Bahnhof Beifang kommen, um die umweltfreundliche Mobilität weiter zu fördern.

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