Aufgepäppelte Eichhörnchen stürmen in die Natur

Überlebenskampf beginnt

Heike Overhage begann vor knapp drei Monaten mit der Aufzucht von drei verwaisten Eichhörnchen. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass die drei kleinen Tierchen wieder in die Freiheit entlassen werden sollen. Werden sie in der freien Natur überleben? Wir haben dazu eine Reportage geschrieben und ein paar Fotos gemacht.

Lüdinghausen

von Heidi Tripp

, 24.07.2015, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die kleine Trudi hat motorische Defizite, in freier Wildbahn wäre ein �berleben nicht möglich.

Die kleine Trudi hat motorische Defizite, in freier Wildbahn wäre ein �berleben nicht möglich.

Der Wald in der Elverter Heide, mit seinem alten hohen Baumbestand, Fichten und Farnen, mutet wie ein Märchenwald an. Zielstrebig folgt die Tierarzthelferin Heike Overhage einem kleinen verschlungenen Waldpfad, bis sie das Auswilderungsgehege ihrer drei Eichhörnchen erreicht.

Schwestern wollen nur noch raus

Die kleine Trudi erklimmt etwas ungeschickt einen Ast im Gehege, um ihre „Ziehmutter“ direkt begrüßen zu können. Ihre Schwestern hingegen wollen nur noch raus und rennen, an den langen Seiten des Geheges, ohne Unterlass auf und ab. „Trudi hat immer noch Defizite beim Klettern und manchmal fällt ihr auch die Nahrung aus der Hand. Sie bekommt auch noch keine Nüsse auf“, erzählt die Tierarzthelferin Heike Overhage, die vor knapp drei Monaten mit der Aufzucht von drei verwaisten Eichhörnchen begann. Wir berichteten.

„Das Schwierigste für mich ist, ob ich es richtig eingeschätzt habe, Trudi nicht auszuwildern. Ich denke, sie hat draußen keine große Überlebenschance“, teilt Heike Overhage ihre Bedenken mit. Doch wo soll Trudi hin? Das Auswilderungsgehege, das Werner Overhage extra für seine Tochter und ihre Hörnchen gebaut hat, ist zu klein, um Trudi dauerhaft zu beherbergen, denn Eichhörnchen haben einen enormen Bewegungsdrang.

Auffangstationen nehmen keine "behinderten" Eichhörnchen auf

Die Auffangstationen in Münster und Dortmund nehmen keine „behinderten“ Eichhörnchen und ihre Geschwister müssen dringend raus, denn sie weisen bereits stereotypes Verhalten auf und lassen sich auch nicht mehr anfassen. Ursprünglich sollte die Auswilderung der Tiere im Wald hinter der Tierklinik Hartmann stattfinden, doch hier gibt es keine Nadelbäume, die die Eichhörnchen im Winter dringend zu ihrem Schutz und als Nahrung brauchen.

Heike Overhage ist ratlos, bis sie im Internet die bundesweit einzige Auffangstation für Eichhörnchen mit Handicap in Eckernförde findet, doch auch hier können nur zehn Tiere untergebracht werden. Trudi hat ein weiteres Mal Glück im Unglück. Zwei Eichhörnchen waren dort verstorben, sodass Trudi aufgenommen werden konnte. Die Tierarzthelferin Heike Overhage und Trudi legen die 400 Kilometer nach Eckernförde zurück.

FOTOSTRECKE
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Aufgepeppelte Eichhörnchen stürmen in die Freiheit

Tierarzthelferin Heike Overhage hat fast drei Monate lang drei kleine Eichhörchen aufgezogen. Jetzt ist es an der Zeit, sie in die Natur zu entlassen. Werden sie überleben?
24.07.2015
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Die kleine Trudi hat sich in Eckernförde, in der bundesweit einziges Auffangstation für Eichhörnchen mit Handicap, gut eingelebt.© Heidi Tripp
Wilma kann es kaum noch abwarten, bis sie endlich in die Freiheit kommt. Als sie rausgelassen wird, erklimmt sie als erstes eine 20 Meter hohe Fichte.© Heidi Tripp
Kann die kleine Trudi selbstständig in der freien Wildbahn überleben? Diese Frage bescherte der Tierarzthelferin Heike Overhage lange Wochen der Ungewissheit.© Heidi Tripp
Die kleine Trudi hat motorische Defizite, in freier Wildbahn wäre ein �berleben nicht möglich.
Die kleine Trudi hat motorische Defizite, in freier Wildbahn wäre ein Ã?berleben nicht möglich.© Heidi Tripp
Wilma rennt an den langen Seiten des Auswilderungsgeheges auf und ab, während Luise von oben zuschaut. Beide sind mittlerweile wahre Meister im Klettern.© Heidi Tripp
Die kleine Trudi kann ihre Nahrung noch nicht selbstständig festhalten, immer wieder fällt ihr etwas herunter, dies ist für Eichhörnchen nicht typisch, normalerweise sind sie überaus geschickt.© Heidi Tripp
Wilma zeigte bereits vor ihrer Auswilderung stereotypes Verhalten, sie rennt ohne Unterlass an den langen Seiten des Geheges auf und ab.© Heidi Tripp
Trudi begrüÃ?t ihre "Ziehmutter" Heike Overhage direkt als sie das Auswilderungsgehege erreicht.© Heidi Tripp
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„Ich hatte direkt ein gutes Gefühl, sie wurde so liebevoll aufgenommen. Das Gehege ist 500 Kubikmeter groß und sieben Meter hoch. Trudi hat sich sofort mit den anderen Hörnchen verstanden. Es wurde sogar extra eine Treppe in ihren Kobel für sie angefertigt“, erinnert sich Heike Overhage begeistert. „Es war die richtige Entscheidung.“ Die Leiterin der Auffangstation Monika Rademacher, die im Jahr bis zu 160 Eichhörnchen aufzieht, bestätigt, dass Trudi in freier Wildbahn keine Chance gehabt hätte.

Sie beobachtet die Kleine und meldet sich regelmäßig bei der Tierarzthelferin. Alle Wege stehen Heike Overhage und Trudi offen, sollten sich ihre motorischen Fähigkeiten verbessern, kann sie immer noch ausgewildert werden oder darf in Eckernförde bleiben. Zurück in der Elverter Heide lässt die Tierarzthelferin nun mit ihrem Vater Werner Overhage Trudis Schwestern frei. „Es ging so wahnsinnig schnell. Sie sind in die Freiheit gestürmt.“ Luise war sofort im Unterholz verschwunden. Wilma erklomm eine 20 Meter hohe Fichte.

Nüsse fehlen

„Es war ein unglaublich ergreifender Moment, meine Kleine so frei und so hoch zu sehen. Ich vermisse die drei“, erzählt Heike Overhage und in ihren Augen schimmern Tränen. Wilma und Luise hat sie seither nicht mehr gesehen, aber in den Eichhörnchen-Futterkästen, die Heike Overhage in der Elverter Heide aufgehängt hat, fehlen täglich ein paar Nüsse. 

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