Deutlich breiter als bislang erweist sich der Weg in den Kohuesholz. © Sylvia vom Hofe
Cappenberger Wald

Aufregung um Wegearbeiten im Cappenberger Wald: Das steckt dahinter

Eine „Schneise der Zerstörung“ meinen Naturfreunde im Cappenberger Wald ausmachen zu können, also mitten im Naturschutzgebiet. Der Eigentümer erklärt, was wirklich dahinter steckt.

Von einer „brasilianischen Vorgehensweise“ bei der Holzernte spricht der Mann, der sich an die Redaktion wendet. Mit Entsetzen hat er beobachtet, wie ein Fahrzeug, das mit einer Kombination aus Planierschild und Pflugschar bestückt war, den Waldweg vom Wanderparkplatz Kohuesholz in südlicher Richtung bearbeitet hat. Der Mann spricht von einer „brutalen Verbreiterung“. Die gräfliche Verwaltung, die die Arbeiten in Auftrag gegeben hatte, sieht das völlig anders. Ein Zielkonflikt, wie ihn der Gesetzgeber in NRW nicht zum ersten Mal erlebt.

Erlass des Landes NRW sieht den Zielkonflikt

Erst vor wenigen Tagen, am 17. Dezember, hat das Umweltministerium NRW den Erlass aktualisiert, der den „nachhaltsgerechten forstlichen Wegebau in Nordrhein-Westfalen“ regelt. Dass es dabei viele Unterschiedliche Interessen gibt, steht gleich am Anfang „Waldwege werden im Zuge von Freizeitgestaltung und Erholung von der Bevölkerung zunehmend in Anspruch genommen.“

Die Intensität dieser Inanspruchnahme erreiche besonders in Erholungs- und Ballungsgebieten ein erhebliches Ausmaß. Das dürfte auch für den Cappenberger Wald gelten, das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet im Kreis Unna, das auch Menschen aus Dortmund regelmäßig anlockt. Walderschließung, so heißt es im Erlass, erfolge nicht allein im „Spannungsfeld zwischen forstwirtschaftlichen Nutzungsinteressen, Naturschutz und Ökologie“, sondern die Waldwegen hätten vielerorts auch „bedeutsame Funktionen für die Öffentlichkeit“.

Weg für Feuerwehr und Notarzt

An die Öffentlichkeit sei auch bei der Wegeverbreiterung gedacht worden, sagt Guido Vortman von der gräflichen Verwaltung. Er ist zugleich Vorstandsmitglied der Kreis-Unna-Gruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Wer aus Richtung Hirschwiese zum Kohuesholz geht, trifft hier auf den verbreiterten Weg.
Wer aus Richtung Hirschwiese zum Kohuesholz geht, trifft hier auf den verbreiterten Weg. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Vortmann verweist auf die Notfallplaketten an den Bänken, die an den Hauptwegen stehen. Die dort aufgedruckte Buchstaben-Zahlen-Kombination weist den Rettungskräften den Weg exakt zum Notfall, ohne dass durch Suchen Zeit verloren gehen würde. Wenn im Fall der Fälle der Notarzt heran eile, brauche so ein Weg allerdings auch eine gewisse Breite.

Ein anderer Grund, der von Jahr zu Jahr wichtiger werde: die Waldbrandgefahr. Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr könnten nur ausrücken und effektiv löschen, wenn die Wege auch befahrbar seien. Dass beim aktuellen Wegeausbau noch andere Fahrzeuge im Fokus standen, räumt er aber auch ein.

Gefällte Bäume sollen abtransportiert werden

„Wir müssen das Holz transportieren können“, sagt Vortmann. Auch wenn der Wald Naturschutzgebiet ist, handele es sich dennoch nicht um einen Urwald, sondern um einen Nutzwald. Die geernteten, also gefällten, Stämme müssten abtransportiert werden können. Zum einen, um sie verkaufen zu können, zum anderen, weil im großen Maße herumliegendes Totholz die zuletzt ohnehin hohe Waldbrandgefahr noch weiter steigere. Für den Transport der Stämme sei es nötig gewesen, den zuletzt zum Pättken verkümmerten Weg wieder frei zu schneiden und zu verbreitern: eine Maßnahme, die regelmäßig durchzuführen sei.

Der etwa einen Kilometer breite Weg am Waldrand entlang und von dort hinein in den Forst misst etwa drei Meter. Was der Spaziergänger als „brutal breit“ empfindet, liegt noch unter dem vom Ministerium formulierten Maß: Danach wären auf Hauptwegen bis zu vier Meter vorgesehen, zuzüglich von Seitenstreifen. „Für Zubringerwege sollte die befestigte Fahrbahnbreite mindestens drei Meter betragen.“ Und für Rückewege und Rückegassen, die lediglich Forstmaschinen nutzen, jeweils vier Meter.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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