Aus für Café Ehrenamt - So reagieren die Gäste

Schließung in Selm

Die Nachricht kam plötzlich und unerwartet am Samstagmorgen: Am 30. September schließt das Café Ehrenamt. Bis Dienstag hatte sich die Nachricht rumgesprochen. Viele der Gäste wollten reden, andere lieber gar nichts sagen.

SELM

06.09.2016, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ist traurig, dass das Café Ehrenamt schließt: Stammgast Werner Lakomy (84).

Ist traurig, dass das Café Ehrenamt schließt: Stammgast Werner Lakomy (84).

„Da ist jeder Kommentar überflüssig“, sagt eine ältere Dame, die gerade mit zwei Freundinnen an einem kleinen Tisch am Fenster sitzt. Mitarbeiterin Petra Sowislo deutet das so: „Die Stimmung ist immer noch nicht besser.“

Viele der Gäste, die am Dienstag da sind, hatten es am Samstag durch unsere Berichterstattung erfahren: Das Café Ehrenamt – beliebter Treffpunkt in der Selmer Altstadt – schließt am 30. September. Offizielle Begründung: Die Einnahmen decken die Kosten nicht – „und das seit mehreren Jahren“, sagte Pfarrer Claus Themann in der vergangenen Woche.

Seit 2011 tragen die Pfarrei St. Ludger und der Regionalverbund der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im Kreisdekanat Coesfeld das Café mit eigenen Haushaltsmitteln. Erste Überlegungen, wie das Café Ehrenamt weitergeführt werden kann, gebe es zwar – vorläufig aber soll zum Monatsende Schluss sein.

Ein Stammcafé - auch wegen der günstigen Preise

Für Mitarbeiter und Besucher kommt die Entscheidung plötzlich. Sie sind wütend, auch traurig. Werner Lakomy ist 84 Jahre alt und verliert sein Stammcafé. „Seit dem Tod meiner Frau komme ich jede Woche“, erzählt der Rentner. Das war 2012. Er gehe manchmal ins Altenheim, sagt Lakomy, manchmal auch zur Arbeiterwohlfahrt an der Kreisstraße. Das Café Ehrenamt war ihm am liebsten.

Die Frau, die bei ihm am Tisch sitzt, ihren Namen aber lieber nicht nennen möchte, gibt offen zu, dass auch die günstigen Preise sie immer wieder angelockt haben. „Ich habe ein bisschen Rente von meinem Mann, gehe nebenher noch putzen“, sagt sie. Sie komme aus, habe sich aber immer über ein preiswertes Mittagessen gefreut.

Als ein Projekt zur sozialen Teilhabe bedürftiger Menschen gestartet, sei das Publikum im Café Ehreamt mit der Zeit immer gemischter geworden, sagt Sowislo. „Es kommen auch Mütter mit ihren Kindern“, ergänzt eine Kollegin. Und die Yoga-Gruppe, die dort gefrühstückt hat.

Ehrenamtliche "zu geschockt, um irgendwie zu reagieren"

Viele Gastronomen dürften der Schließung angesichts der niedrigen Preise eher gelassen entgegensehen, bei Mitarbeitern und Gästen aber ist das Unverständnis groß. Auf einer Versammlung am Donnerstagabend hätte man die 14 Ehrenamtlichen über das vorläufige Aus informiert. „Wir waren zu geschockt, um irgendwie zu reagieren“, sagt Petra Sowislo. Trotzdem stelle man sich die Frage, warum das Café trotz roter Zahlen noch so lange geöffnet gewesen sei.

Darauf angesprochen, sagte Pfarrer Claus Themann am Dienstag: „Wir haben lange versucht, das Café in die positiven Zahlen zu kriegen, haben Veränderungen eingeleitet und versucht, Gewinne zu erzielen.“ Die Hoffnung habe man aufgeben müssen. Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine Nachfolgelösung.

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