Hinter Absperrbaken: Das Freiherr-vom-Stein-Denkmal in Cappenberg. © Sylvia vom Hofe
Abgesperrt

Ausflugsziel in Cappenberg eingezäunt: Denkmal ist gefährlich

Rotweiße Absperrbaken stehen rund um das Freiherr-vom-Stein-Denkmal. Das Ausflugsziel, das einen Blick weit über Weinberg und Cappenberger Wald gewährt, ist über Nacht zur Gefahr geworden.

Der dreiste Diebstahl ist bis heute nicht aufgeklärt. Unbekannte hatten 2013 in Cappenberg die Bronzebüste des Freiherrn vom Stein gestohlen: preußischer Reformer, Vordenker der Kommunalverwaltung und Vorfahre des heutigen Schlossherrn von Cappenberg, Sebastian Graf von Kanitz. 2018 hatten Heimatverein und Lionsclub eine Kopie des markanten Kopfes gießen lassen und damit das Denkmal wieder komplettiert. Seit Dienstag, 11. Mai 2021, ist es wieder abgesperrt. Dieses Mal, weil Gefahr droht.

Höchste Erhebung Cappenbergs gilt als Energieort

Es ist die höchste Erhebung Cappenbergs: das Gelände zwischen Schloss, den Parkplätzen an der Allee und dem neu angelegten gräflichen Weinberg. Dort steht das Freiherr-vom-Stein-Denkmal: vier Sandsteinstelen neben der mächtigen Linde, unter der Wanderer auf einer Bank verschnaufen können. Geschaffen hatte 1992 das Kunstwerk Marko Pogaknik. Der slowenische Bildhauer hat in dem Platz nicht nur einen idealen Ausgangs- und Zielpunkt für Wanderungen durch den Cappenberger Wald gesehen, sondern auch einen sogenannten Energieort, an dem seiner Überzeugung nach unsichtbare Kräfte in der Landschaft besonders spürbar werden. Einer Kraft ganz anderer Art ist die Absperrung des Denkmals geschuldet.

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Bei der zweiten Einweihung des vom-Stein-Denkmals am 7. Juni 2018

Eine Stele sei nicht mehr standsicher, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann. Als ein Team der Stadtwerke am Dienstag den Rasen mähte, haben die Mitarbeiter auch routinemäßig das Denkmal kotrolliert und die Instabilität registriert. Einer der 2,13 Meter hohen Sandsteinblöcke wackelte dabei leicht. Möglicherwiese haben sich die Stangen zwischen Kunstwerk und Fundament gelockert. Vielleicht eine Folge der Korrosionskraft, also des Rostes. In jedem Fall aber Anlass, dass sich das ein Fachmann anschaut und gegebenenfalls repariert. Das Risiko, dass der etwa 1,5 Tonnen schwere Stein umkippen könnte, schien zu groß. „Aktuell wird geprüft, wie groß der Aufwand der Sanierung ist“, sagt Woesmann.

Spaziergängerinnen und Spaziergänger können zwar zurzeit das Denkmal nicht näher betrachten, Geschwiege denn, sich in den Mittelpunkt der Stelen stellen. Den Weg dorthin können sie aber nach wie vor einschlagen.

Friedenslinde neben dem Denkmal wurde 1877 gepflanzt

Die Rast unter der sogenannten Friedenslinde ist auch nach wie vor möglich. Die Linde war bereits 1877 gepflanzt worden – 46 Jahre nach dem Tod des Freiherrn vom Stein. Der Baum sollte an die Beendigung des deutsch-französischen Krieges von 1871 erinnern und an den Besuch Prinz Wilhelm I. im Jahr 1831, kurz vor vom Steins Tod. Zu Ehren des späteren Kaisers errichteten Cappenberger 1887 neben dem Baum ein Denkmal, das später zum Kriegerehrenmal wurde. Und dann zum Vom-Stein-Denkmal.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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