Autoschieber-Prozess: Selmer (30) kämpft beim Urteil am 3. April um „Gerechtigkeit“

mlzLandgericht Bochum

Im „Autoschieber-Prozess“ gegen einen Vater aus Selm soll am 3. April das Urteil verkündet werden. Im Fokus steht vor allem die Frage: Was passiert mit der mitangeklagten Brandstiftung?

Selm

, 16.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um eine Serie von mutmaßlichen Betrügereien zulasten zahlreicher Autovermietungen durch einen Familienvater (30) aus Selm wollen die Richter am Bochumer Landgericht am 3. April einen Schlussstrich ziehen. Dass der Angeklagte eine Haftstrafe kassieren wird, weiß er selbst. Für den Selmer und seinen Verteidiger Christian Simonis hat aber etwas ganz anderes oberste Priorität: Sie wollen „Gerechtigkeit“ im Form eines Freispruchs im Falle einer mitangeklagten Brandstiftung.

Anders als die Staatsanwaltschaft, haben sich die Bochumer Richter zuletzt bereits deutlich positioniert und wegen massiver Zweifel an der Aussage des Belastungszeugen („Die hat uns nicht überzeugt“) eine Einstellung des Verfahrens in diesem Punkt angeregt. Die Staatsanwaltschaft sperrt sich jedoch nach wie vor, was wiederum die Verteidigung auf die Palme bringt. Mit Blick auf den fragwürdigen Zeitpunkt der erstmaligen Bekanntgabe bereits erfolgter Zeugenvernehmungen des „Kronzeugen“ – mitten im laufenden Prozess – hatte Verteidiger Christian Simonis im Prozess sogar von einem „Skandal“ gesprochen.

Vorwurf: Staatsanwaltschaft spielte mit verdeckten Karten

Hinsichtlich der von der Staatsanwaltschaft zugesagten Vergünstigungen an den Kronzeugen in seinem eigenen Strafprozess (Halbstrafen-Zusage und unlimitierte Einstellung weiterer Ermittlungsverfahren) dränge sich regelrecht der Verdacht auf, so die Verteidigung, dass offenbar mit verdeckten Karten gespielt werden soll.

Der Selmer hatte zuletzt bereits zugegeben, in Serie von ihm zuvor angemietete Pkw später gegen 4.500 Euro Provision an einen Bekannten weitergegeben zu haben. Damit der Verdacht nicht sofort auf ihn zurückfallen kann, soll der Selmer sogar auch mal extra eine Strafanzeige gestellt und dabei behauptet haben, der betreffende Mietwagen sei ihm gestohlen worden.

Zu den geschädigten Autovermietungen gehörten unter anderem Filialen von „Europcar“ und „Sixt“.

In Hamm hatte der Selmer nach seinem Geständnis einen VW Tiguan (Wert: 50.000 Euro) angemietet. In Dortmund einen BMW 330i (Wert: 46.000 Euro). Im August 2018 soll der 30-Jährige schließlich einen BMW 1er allein deswegen angemietet haben, um daraus Ersatzteile für seinen eigenen, durch einen Unfall demolierten, BMW 1er auszubauen.

Dass der Familienvater in den eingestandenen Betrugsfällen verurteilt werden wird, steht so gut wie sicher fest. Weil eine Brandstiftung in der angeklagten Form vom Gesetz her jedoch besonders empfindlich zu bestrafen ist, ist für das Gesamtstrafmaß richtungweisend, ob der Selmer in diesem Punkt verurteilt oder freigesprochen wird.

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Begleitet von erneuter Kritik an der Staatsanwaltschaft ist der Betrugs-Prozess gegen einen Familienvater aus Selm auf die Zielgerade eingebogen. Der Angeklagte will sich nicht „verkaufen“. Von Werner von Braunschweig

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