Bäume im Sturm: Was Grundstückseigentümer beachten müssen und wann die Versicherung zahlt

mlzBäume und Sturm

Sabine und Victoria sind überstanden. Aber was passiert, wenn beim nächsten Sturm der eigene Baum auf das Nachbarhaus fällt? Wir haben bei zwei Selmer Versicherern nachgefragt.

von Victoria Strauß

Selm

, 18.02.2020, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stürme Sabine und Victoria haben sich ausgetobt. Was zurückbleibt, sind die verursachten Schäden.

In Selm gab es wegen des Sturms Sabine am Sturmwochenende von Sonntag bis Montagmorgen 12 Feuerwehreinsätze, bei denen aber niemand verletzte wurde. Teilweise musste die Feuerwehr auch Bäume von der Straße bergen.

Im gesamten Kreis Unna gab es laut Sprecherin Constanze Rauert wegen Sabine 260 sturmbedingte Einsätze. Nach Victoria waren es nur 30.

Auch für die Versicherer bedeutet so ein Sturm immer viel Arbeit. Christian Schwenke, der seine Versicherungsagentur an der Ludgeristraße in Selm betreibt, zieht nach den Stürmen Bilanz: „Es gab einige Schadensmeldungen, aber das ist kein Vergleich zu Kyrill.“ Ralf Brose, der seine Versicherungsagentur an der Kreisstraße hat, sagt: „Die Sturmschäden bei Friederike waren schlimmer. Wir sind jetzt vielleicht bei der Hälfte.“

Selmer Baumbestand nicht stark betroffen

Dennoch: Die Olfener Straße musste zum Beispiel am vergangenen Mittwoch für mehrere Stunden gesperrt werden, weil ein Baum auf die Straße zu stürzen drohte. Ein Autofahrer hatte gemeldet, dass der Baum nach dem Sturm schief stand. Nach dem Sturm reagierten manche Menschen sensibler und riefen vielleicht einmal mehr die Feuerwehr, sagte ein Feuerwehrmann.

Zumindest auf städtischen Flächen seien aber im Moment keine Baumfällungen in Zusammenhang mit dem Sturm geplant, so Stadtsprecher Malte Woesmann.

Aber was müssen Privatleute nach einem Sturm beachten?

Doch wer zahlt eigentlich wenn so etwas auf einem Privatgrundstück passiert, und ein Baum vielleicht sogar schwere Schäden anrichtet?

„Wenn ein Baum entwurzelt und nicht mehr lebensfähig ist, dann kommt die Gebäudeversicherung für die Beseitigung auf“, erklärt Christian Schwenke.

Für gegebenenfalls verursachte Schäden gelte, wenn der Baum auf das eigene Grundstück fällt und dort Schäden am Haus verursacht, zahle die eigene Gebäudeversicherung. Falle der Baum auf das Nachbarhaus, komme die Wohngebäudeversicherung des Nachbarn für die Schäden auf.

Versicherungsschutz erst ab Windstärke 8

Christian Schwenke ergänzt, dass die Gebäudeversicherung erst bei Sturmschäden zahle, die durch Stürme mit der Windstärke 8 und höher verursacht wurden. Windstärke 8 bedeutet Windgeschwindigkeiten von mindestens 62 km/h. Sabine erreichte in NRW Windstärken bis zur Stufe 12. Bei Victoria ging es im Münsterland immerhin hoch bis Windstärke 10.

Gebäudeversicherung oder Haftpflichtversicherung?

“Wenn der Kamin eines Gebäudes in die Jahre gekommen ist, der Versicherungsnehmer das weiß und trotzdem nichts unternimmt, dann zum Beispiel ein Stein runterfällt und einen Schaden am Gebäude verursacht, dann ist die Haftpflichtversicherung zuständig“, erklärt Christian Schwenke.

Hier sei allerdings wichtig im Einzelfall zu prüfen, ob den Hausbesitzer wirklich eine Schuld trifft. Ein Sturm sei allerdings höhere Gewalt, dafür könne ein Hausbesitzer nicht haftbar gemacht werden. Dann sei die Gebäudeversicherung zuständig.

Versicherer Ralf Brose rät nach wie vor dazu, nach dem Sturm in Ruhe zu prüfen, welche Schäden durch den Sturm entstanden sein könnten und der Versicherung dann auch „jeden Schaden zu melden.“ Nur dann ist eine Regulierung möglich.

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