Bald gehen die Lichter in der Pestalozzischule aus: Jugendliche packen ihre Kisten

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Die Kinder und Jugendlichen hatten sich an ihren neuen Standort in der Pestalozzischule gewöhnt. Jetzt geht es wieder ans Packen. Auch die Prellballer haben sich wehmütig verabschiedet.

Selm

, 02.04.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch wird gerade getanzt und getöpfert in den Räumen der Pestalozzischule. Noch. Aber einige Kisten sind bereits gepackt. „Bis zu den Osterferien bieten wir hier noch unser Programm an, aber in den Ferien ziehen wir um“, erklärt Jugendhausleiterin Christine Ambrosi.

Denn dann geht es für die Jugendlichen weiter an den nächsten Zwischenstandort, bis das städtische Jugendzentrum Sunshine am Sandforter Weg renoviert ist: das alte Jugendheim der Kirchengemeinde St. Josef an der Kreisstraße, das die Gemeinde den Jugendlichen zur Verfügung stellt. Die Pestalozzischule, eine ehemalige Förderschule, soll hingegen bald abgerissen werden.

Ausweichquartier am Zechenbusch

Dabei ist das Ausweichquartier am Zechenbusch mittlerweile ganz gut von den Jugendlichen angenommen worden. Rund 30 bis 60 Jungen und Mädchen kommen momentan täglich in den offenen Treff im Pädagogenweg, wie Christine Ambrosi erzählt. „Seit Oktober, November haben auch neue Cliquen zu uns gefunden“, erzählt sie. Diese Jugendlichen seien zwischen 12 und 16 Jahre alt. „Für den weiten Weg, den sie auf sich nehmen, ist das schon beachtlich“, freut sich Ambrosi.

Denn anfangs hatte es Bedenken gegeben, weil das Zwischenquartier am Zechenbusch sehr ruhig liegt - zu ruhig für viele Jugendliche, die von der nächsten Bushaltestelle bis zu zwei Kilometer zur ehemaligen Pestalozzischule laufen müssen.

Bald gehen die Lichter in der Pestalozzischule aus: Jugendliche packen ihre Kisten

Bald ist die Pestalozzischule Vergangenheit. © Martina Niehaus

In den Räumen der Pestalozzischule ist aber auch an diesem Dienstag wieder eine Menge los. Im Töpferraum packt gerade Antje Zeuch Kartons. Saskia und Joyce helfen ihr dabei, Aufkleber anzubringen. „Ich hoffe, dass wir in St. Josef wieder töpfern können“, sagt sie. „Und ich hoffe, dass dort auch wieder viele Kinder auftauchen.“

Tanzkurse gehen weiter - doch der Platz ist knapp

In einem anderen Raum stapelt gerade Roger Wellmann-Tripp Kisten aufeinander. Dabei bekommt er Hilfe von Dennis und Samir. „Wir freuen uns, wenn der letzte Umzug geschafft ist und wir wieder in unserem Sunshine sind“, sagt der pädagogische Mitabeiter.

Christine Ambrosi freut sich über die Mithilfe der Kinder und Jugendlichen. „Die Atmosphäre ist sehr familiär, und alle packen mit an. Wir haben auch schon viel geschafft“, sagt sie. Den eigentlichen Umzug hingegen würden dann die Stadtwerke übernehmen. „Das muss gut organisiert werden, damit man dann am nächsten Standort nicht alles suchen muss.“

Am nächsten Zwischenstandort, wohlgemerkt. Und im Jugendzentrum St. Josef wird es nicht so viel Platz geben wie in der ehemaligen Pestalozzischule. „Wir müssen sicher einiges zwischenlagern“, bedauert Ambrosi.

Sie glaubt aber, dass die Tanzkurse wie Hiphop, Zumba und Capoeira weitergeführt werden können. Dann fügt sie hinzu: „Wir werden uns schon einrichten und dann hoffentlich im Mai dort öffnen.“

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Die große Eröffnungsfeier des für zwei Millionen Euro rundum erneuerten Sunshine am Campus-Platz wird voraussichtlich, nach mehreren Verzögerungen der Bauarbeiten, erst im nächsten Jahr stattfinden - also fast ein Jahr später als zunächst geplant. Doch die Jugendpfleger sind geduldig - wie zum Beispiel Benedikt Dorth.

Bald gehen die Lichter in der Pestalozzischule aus: Jugendliche packen ihre Kisten

Die Pestalozzischule am Zechenbusch wird bald der Abrissbirne zum Opfer fallen. © Martina Niehaus

„Wir freuen uns, dass es eine Lösung gibt, und wir freuen uns vor allem darüber, dass unser Sunshine renoviert wird“, betont er. „Da nehmen wir den Engpass gerne in Kauf.“ Er hoffe, in unmittelbarer Nähe zur Kirchengemeinde dann auch noch engeren Kontakt zum Jugendzentrum St. Josef, dem „Findus“, zu knüpfen.

Wehmut: „Alte Herren“ vermissen ihre geliebte Halle

Auch die „Alten Herren“ der Turngemeinde Einigkeit Selm haben sich schon von ihrer geliebten Turnhalle verabschiedet. Bei uns herrscht große Wehmut“, sagt Hans-Hermann Gosch. Der 67-Jährige spielt mit zehn bis zwölf anderen Männern Prellball - und das schon seit 35 Jahren.

Damit ist jetzt Schluss - zumindest in dieser Turnhalle. „Wir haben von der Stadt den Bescheid bekommen, dass wir zum ersten April aus der Halle raus müssen. Aus unserer geliebten Halle mit dem schönen Schwingboden aus Holz“, bedauert Gosch. „Aber wir wissen ja, dass auch Kindergärten gebraucht werden“, fügt er dann hinzu.

Bald gehen die Lichter in der Pestalozzischule aus: Jugendliche packen ihre Kisten

Die alte Turnhalle, bisher das "Heim" der Prellballer, wird abgerissen. © Martina Niehaus

Am Montag hätten die Prellballer unter der Leitung von Reinhard Jablonski dann zum ersten Mal in der Dreifachturnhalle am Sandforter Weg gespielt. „Die Akustik ist viel lauter, und die Atmosphäre ist natürlich eine ganz andere“, sagt Hans-Hermann Gosch.

Andere Gruppen der Turngemeinde seien untergebracht worden: in der Realschule, der Overberghalle oder eben der Dreifachturnhalle. Die Prellballer hoffen jetzt, dass sie in der neuen Zweifachturnhalle unterkommen, wenn sie fertiggestellt ist. „Wir hoffen alle, dass wir da reinkönnen“, sagt Hans-Hermann Gosch.

Keine Auskunft über konkrete Abrisspläne

An Stelle der Pestalozzischule sollen am Zechenbusch demnächst eine Vier-Gruppen-Kita und drei Mehrfamilienhäuser entstehen. Darüber hatten wir bereits nach der letzten Sitzung des Planungsausschusses Ende Februar berichtet.

Architekt Alexander Benthaus hatte dort erste Pläne vorgestellt, wonach zwei zweieinhalbgeschossige Häuser mit fünf bis sechs Wohnungen sowie ein Haus mit acht Wohnungen entstehen sollen. Im Erdgeschoss, so die bisherigen Pläne, sollen Garagen untergebracht werden, damit für den Parkbedarf keine Bäume aus dem Waldbestand gefällt werden müssen.

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Ob es bei diesen Plänen bleibt, konnte das Architektenbüro auf Anfrage nicht beantworten. In der nächsten Woche würden die genaueren Pläne auf der Ratssitzung, die am Donnerstag 11. April um 17 Uhr im Bürgerhaus Selm stattfindet, bekannt gegeben.

Wann die Pestalozzischule genau abgerissen wird - dazu gab es auch von Seiten der Stadt keine Auskunft. „Zum Zeitplan kann ich keine Auskunft geben“, sagte Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage. „Was ich sagen kann ist, dass in der anstehenden Ratssitzung die ersten Verträge geschlossen werden sollen.“

Abschiedsparty am 13. April
  • Am Samstag, 13. April, gibt es eine große Abschiedsparty in der Pestalozzischule.
  • „Alle Jugendlichen, aber auch alle Anwohner sind dazu eingeladen“, sagt Roger Wellmann-Tripp. „Sie können sich so von ihrer Schule verabschieden.“
  • Eine Band spielt, und im Thekenbereich gibt es Getränke für die Gäste.
  • Start ist gegen 16 Uhr. Es gibt eine Hausrallye durch das Schulgebäude.
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