Bandidos-Prozess: Streit um Schmuggelware

Amphetamin oder Wodka?

Amphetamin-Öl oder Wodka, Schmuggelware oder Gastgeschenk? Was wirklich Inhalt der Flaschen war, die der Kronzeuge des Bandidos-Drogen-Prozesses im Auftrag nach Finnland geschmuggelt hat, beschäftigte am Freitag das Landgericht in Münster. Die Antwort ist wichtig für den 46-jährigen Selmer Angeklagten.

SELM/MÜNSTER

29.04.2016, 14:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
In ähnlichen Drei-Liter-Wodkaflaschen will der Kronzeuge Amphetamin-Öl im Auftrag der Bandidos nach Finnland geschmuggelt haben. Die Verteidigung bezweifelt das.

In ähnlichen Drei-Liter-Wodkaflaschen will der Kronzeuge Amphetamin-Öl im Auftrag der Bandidos nach Finnland geschmuggelt haben. Die Verteidigung bezweifelt das.

Ein Rechtsanwalt des ehemaligen Rocker-Präsidenten brachte eine Drei-Liter-Wodkaflasche mit ins Landgericht. In solchen Flaschen will der Kronzeuge Amphetamin-Öl des Selmer Angeklagten im Auftrag der Bandidos nach Finnland geschmuggelt haben. So klar wie der Wodka soll das Öl gewesen sein.

Die Verteidigung bezweifelt das. Vielmehr sei das Amphetamin-Öl, das die Polizei beim finnischen Bandido „Iceman“ gefunden hatte, gelblich gewesen. Dieses Rauschgift soll der Kronzeuge auf eigene Rechnung an Iceman verkauft haben. In den großen Flaschen sei tatsächlich immer Wodka gewesen: als Gastgeschenk für die Freunde im finnischen Tampere.

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Werden womöglich finnische Anwälte zugeschaltet?

Um dies zu beweisen, sollen Angeklagte, ein Sachverständiger sowie Richter aus dem abgeschlossenen finnischen Bandidos-Prozess im deutschen Verfahren vernommen werden. Eventuell per Video-Schaltung nach Münster. Die finnischen Rocker haben das bereits abgelehnt, wie der Staatsanwalt mitteilte. Ob der Sachverständige und ihre finnischen Kollegen als Zeugen gehört werden, wollen die deutschen Richter kurzfristig entscheiden.

Unstrittig ist allerdings auch für den Staatsanwalt, dass das bei Iceman gefundene Amphetamin-Öl sich von dem in Deutschland beschlagnahmten Öl deutlich unterscheidet.

Nebenschauplatz: Raubüberfall auf Nordkirchener Dealer

An diesem Prozesstag ging es zudem noch einmal um den Raubüberfall auf einen Südkirchener Drogendealer, wegen dem ebenfalls Mitglieder dieser Bandidos-Gruppe angeklagt sind. Aus einem aktuellen rechtsmedizinischen Gutachten geht hervor, dass die Gesichtsverletzungen des Dealers vom Faustschlag mit einem Quarzhandschuh herrühren könnten. Einem der Bandidos wird vorgeworfen, ihn mit solch einem Handschuh bewaffnet geschlagen zu haben.

Allerdings sei nicht feststellbar, ob der Schlag von einem Links- oder Rechtshänder stammte. Das reicht dem Anwalt des englischen Bandidos, dem der Überfall vorgeworfen wird, nicht aus. Er verlangt weitere Untersuchungen, um zu beweisen, dass sein Mandant den Schlag nicht ausgeführt haben kann.

Am nächsten Dienstag geht es weiter. 

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