Bandidos-Prozess: Verteidigung kritisiert Kronzeugen

Selmer angeklagt

"Widersprüche, Erfindungen, Halbwahrheiten": Auf zahlreiche Ungereimtheiten in den Aussagen des Kronzeugen und seiner Verlobten machten am Freitag zwei Verteidiger im Bandidos-Prozess aufmerksam. Damit wollen sie die Glaubwürdigkeit der Zeugen erschüttern - und unter anderem den Angeklagten aus Selm schützen.

SELM/MÜNSTER

24.04.2016, 17:10 Uhr / Lesedauer: 1 min

Unter anderem wiesen Stephan Rieper, Rechtsanwalt des englischen Angeklagten, und Michael Budde, Anwalt des Selmer Rockers, auf die Aussage eines finnischen Angeklagten mit dem Spitznamen „Iceman“ im dortigen Bandidos-Prozess hin. Laut „Iceman“ soll der deutsche Kronzeuge den Amphetamin-Schmuggel nach Tampere auf eigene Rechnung betrieben haben. Der Kronzeuge behauptet hingegen, im Auftrag des Selmer Rockers und des Bandidos-Bosses gehandelt zu haben.

Schlag von Rechtshänder - Angeklagter ist Linkshänder

In einem 20 Seiten langen Schriftsatz ging Rechtsanwalt Rieper auch ausführlich auf den seinem Mandanten vorgeworfenen Raubüberfall auf einen Südkirchener Dealer vor drei Jahren ein. Rieper geht davon aus, dass der Kronzeuge und der im vergangenen Jahr zu sechs Jahren Haft verurteilte Südkirchener ihre Aussagen über ihre Verteidiger abgestimmt haben. Das allerdings nur unzureichend, weil etliche Widersprüche auftauchten.

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Außerdem soll der Südkirchener bestimmte Angaben erst nach Vorhalt durch die Vernehmungsbeamten der Polizei bestätigt haben. Das gelte zum Beispiel für den Quarzhandschuh, mit dem der englische Bandido ihn im Gesicht verletzt haben soll. Diese per Handyfotos dokumentierte Verletzung, so Rechtsanwalt Rieper, könne nur vom Faustschlag eines Rechtshänders herrühren. Sein Mandant sei aber nachweislich Linkshänder.

Verteidigung: Anklage kann in sich zusammenbrechen

Dazu hat das Gericht nun ein Gutachten in Auftrag gegeben. Sollte damit der Angriff  des Engländers auf den Südkirchener Dealer widerlegt werden, dann seien auch die damit zusammen hängenden Marihuana-Geschäfte in Zweifel zu ziehen. Und dann, so Stephan Rieper, breche die Anklage gegen seinen Mandanten fast vollständig in sich zusammen.

Am nächsten Dienstag geht es weiter.

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