Warum hinter den Borker Grabsteinen plötzlich ein gewaltiges Loch klafft

mlzBorker Friedhof

Auf der einen Seite der Grabsteine ruhen Verstorbene, auf der anderen Seite geht es 3,50 Meter in die Tiefe. Die Bauarbeiten am Friedhof beunruhigen viele. Zu Unrecht, wie der Bauherr sagt.

Bork

, 06.09.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mario Marx (48) hat zurzeit viel zu tun. Nicht nur beruflich. Der selbstständige Stuckateurmeister aus Lünen muss auch viel reden, erklären und beruhigen. Die Bauarbeiten für seinen repräsentativen Neubau an der Gartenstraße in Bork sorgen für hitzigen Gesprächsstoff. Das hat mit der Lage zu tun: in direkter Nachbarschaft zum Friedhof. Zu direkt, wie manche meinen.

Auf dem Eckgrundstück an der 90-Grad-Kurve der Gartenstraße will Marx bauen: kein Vorhaben wie jedes andere. „Wohnresidenz Marx“ heißt das Projekt: ein Name, der bereits verrät, „dass wir hier etwas Hochwertiges schaffen wollen“.

Mittelmeervilla mit Stuckarbeiten

Das von Marx beauftragte Dortmunder Planungsbüro „Bielefeld Architekten“ hat eine zweigeschossige Villa im mediterranen Stil entworfen: weiße Wände und Fenster, hellbraune Ziegel, handgefertigte Stuckelemente an der Außenfassade - und alles etwas abgerückt von der Straße.

Auch wenn sein künftiges Haus keinem der anderen auf der Straße gleichen wird: Mit dem First werde es die Nachbarhäuser nicht überragen, hatte Architekt Bert Bielefeld versichert. Aber die Nachbarhäuser sind zurzeit ohnehin nicht das Problem, sondern die Nachbargräber.

Die alte Hecke ist verschwunden

18 Gräber reihen sich aneinander: die letzten Ruhestätten von Borkerinnen und Borkern die um die Jahrtausendwende gestorben sind. Direkt hinter den Grabsteinen schloss sich bislang eine Hecke an. Inzwischen erhebt sich dort ein zwei Meter hoher Bauzaun. Er markiert den abrupten Übergang in die Tiefe der wuchtigen Baugrube.

Warum hinter den Borker Grabsteinen plötzlich ein gewaltiges Loch klafft

Links die Gräberreihe, rechts die Baugrube: Das macht vielen Sorgen. © Sylvia vom Hofe

Hölzerne Bohlenwände verhindern, dass Erdreich in die Baugrube abrutscht. „Berliner Verbau“ heiße das, ruft ein Bauarbeiter von unten hoch. Nicht wenige Passanten starrten erschrocken in das Loch. Er könne das auch verstehen, ergänzt der Mann.

„Die wissen ja nicht, dass diese Grube nur der Tiefgarage dient.“ Sobald die unterirdischen 13 Stellplätze fertig seien - das soll bereits in wenigen Wochen der Fall sein - , „sieht das oben ganz anders aus“.

Mehr als drei Meter werde die Hauswand von dem Bauzaun - und damit von den Gräbern - künftig entfernt sein. Wie er den Grenzbereich zwischen dem Friedhof und seinem Grundstück bepflanzen wird, will Marx mit interessierten Anwohnern abstimmen. Er werde selbst in eine der neun Wohnungen einziehen, „da bin ich umso mehr an eibnem guten Miteinander interessiert“.

Der Friedhof hat sich zu weit ausgedehnt

Hätte er dann nicht von vorne herein von der Friedhofsgrenze weiter entfernt bleiben sollen? Marx lächelt. Eigentlich sei er von der Grenze ausreichend entfernt geblieben - anders als der Friedhof.

„Ich muss davon ausgehen, dass die Hecke nicht mehr auf dem Friedhofsgrundstück stand“, räumt Hans Günter Brilla ein, Leiter des Fachbereichs Liegenschaften bei der Stadt Selm.

Warum hinter den Borker Grabsteinen plötzlich ein gewaltiges Loch klafft

Der Blick über die Gräber hinweg. © Sylvia vom Hofe

Die Friedhofshecke stand vielmehr bereits auf dem Privatgrundstück: der Fläche, die Mario Marx gekauft hat. „Ein Versehen“, ergänzt Brilla. Mit anderen Worten: Der städtische Friedhof hatte sich unerlaubt zu weit ausgedehnt. Das war offenbar lange niemandem aufgefallen - bis jetzt.

Bauherr ist fast täglich vor Ort

Mario Marx besucht seine Baustelle nahezu täglich. Fast immer führt er Gespräche mit Passanten, die kopfschüttelnd den Blick zwischen Gräbern und Baugrube hin- und herwandern lassen. Im direkten Austausch, sagt Marx, verstünden die Leute aber schnell, „dass ich hier niemanden ärgern möchte“ - ganz im Gegenteil.

Die Größe der neun Wohnungen liegt zwischen 66 und 155 Quadratmetern. Vier Wohnungen sind bereits vergeben. Für die anderen sucht Marx noch Mieter oder Käufer. Er kann werben mit exklusiver Gestaltung, Tiefgarage - und besonders ruhigen Nachbarn.

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