Bedarf erfassen und rechtzeitig handeln

SELM Als Vorsitzende des Seniorenbeirats hat sich Hannelore Lesse fest vorgenommen, sich für ältere Menschen einzusetzen. Sophie Bissingen unterhielt sich mit der 66-Jährigen, die einen Runden Tisch zum Thema „Wohnen im Alter in Selm“ ins Leben gerufen hat.

25.09.2007, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum setzen Sie sich so tatkräftig für Wohnen im Alter ein? Hannelore Lesse: Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit alten Menschen zusammen und weiß, wo die Problematik liegt, wenn sie sich in ihrem Umfeld schlechter bewegen können.

Wie sieht denn eine ideale Alterswohnung aus? Lesse: Es sollten Armaturen angebracht sein, damit sich ältere Menschen besser hochziehen können, die Türen sollten viel breiter gebaut sein, damit ein Rolllator durchpasst und auch eine Dusche ist viel vorteilhafter als eine Badewanne.

Was sind die Schritte, die Sie nun mit dem Runden Tisch angehen wollen? Lesse: Es ist wichtig, dass rechtzeitig gehandelt wird. Es gilt erstmal den Bedarf und den Bestand für altersgerechte Wohnungen in Selm zu erfassen und der Politik verständlich zu machen, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Warum die Eile?

Lesse: Wir befinden uns mitten im demografischen Wandel. Ein Bau dauert ca. zwei Jahre, dann haben wir schon fast 2010, wenn in diesem Jahr begonnen wird. Es ist schwierig für alte Menschen, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Ich finde, dass Menschen bereits in ihren 50ern beginnen sollten, für ihr Alter vorzusorgen, um ein stimmiges soziales Umfeld aufzubauen.

Zielen Sie auf Nachbarschaftshilfe ab? Lesse: Natürlich. Noch viel mehr aber auf Ehrenamtliche und Angehörige. Es ist einfacher, jemanden etwas vom Einkaufen mitzubringen, wenn man ihn kennt und er sich frei in seiner Wohnung bewegen kann. Menschen könnten dadurch viel länger in ihren Wohnungen leben.

Wie sieht denn die momentane Situation für Menschen im Alter aus? Lesse: Es gibt alters- und behindertengerechte Wohnmöglichkeiten, nur sind diese mit einer kleinen Rente kaum zu bezahlen oder liegen nicht zentral. Es gibt sehr hohe Quadratmeterpreise, die für viele nicht bezahlbar sind. Es gilt nun herauszufinden, wie man einen vernünftigen Mietzins bieten kann.

Auf wessen Hilfe hoffen sie am meisten? Lesse: Ich hoffe einfach auf offene Ohren zu stoßen. Ich möchte versuchen, einen Stein ins Rollen zu bringen, denn die alten Menschen sind verzweifelt und genau das motiviert mich in meiner Arbeit.

Wie sieht die Zukunft aus? Lesse: Ich denke, Mehrgenerationenhäuser und -siedlungen sind auf dem Vormarsch.

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