Beerdigungen im kleinen Kreis und mit Sicherheitsabstand: Das fällt auch Pfarrern und Bestattern schwer. © picture alliance/dpa
Bestattungen

Beerdigungen in Selm: Trauerfeier mit Lautsprecher vor der Trauerhalle

Beerdigungen sind aktuell nur im kleinen Kreis erlaubt. Das fällt auch dem Pfarrer schwer - die Bestatter indes werden kreativ, damit möglichst viele bei der Trauerfeier dabei sein können.

Keine tröstende Umarmung, kein Händedruck, nicht mal ein warmes Lächeln durch die Maske: Auch den Pfarrern und Bestattern fallen Beerdigungen nach den aktuellen Regeln schwer. „Es ist gerade beklemmend, gar gespenstisch auf dem Friedhof. Aber die Verordnung macht Sinn“, meint der evangelische Pfarrer Lothar Sonntag. „Man ist mit dem Sicherheitsabstand viel isolierter, kann die Anteilnahme nicht so spüren. Es ist schwer, rein durch Worte sein Beileid zu bekunden. Wenigstens die engsten Verwandten dürfen sich umarmen.“

Im §2 Absatz 11 der gültigen Coronaschutz-Verordnung heißt es, der Mindestabstand darf unterschritten werden zwischen nahen Angehörigen bei Beerdigungen und standesamtlichen Trauungen. Auch der Gottesdienst muss aufgrund der aktuellen Verordnungen abgespeckt werden: Auf Gesang wird verzichtet.

Traueranzeige erst nach der Bestattung

„In vielen Fällen schalten die Angehörigen erst nach der Beerdigung die Traueranzeige, damit niemand dazu verlockt wird, zur Trauerfeier zu kommen“, sagt Pfarrer Sonntag. Wie viele Gäste im Normalfall kommen, sei sehr unterschiedlich – viele beschränken sich momentan aber von sich aus auf den kleinen Kreis.

Bestatterin Annika Medding empfindet die Distanz bei ihrer Arbeit ebenfalls als schwierig: „Es ist eine große Einschränkung, dass man keinen tröstenden Händedruck geben darf. Das Persönliche geht verloren und man kann die Leute durch die Maske noch nicht mal aufmunternd anlächeln.“

Trauerhallen-Tür bleibt offen

Die Zahl der erlaubten Personen ist abhängig von der Größe der Trauerhalle – draußen ist sie laut Medding nicht begrenzt, sofern der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann. Deshalb wird die Feier in der letzten Zeit häufiger nach draußen verlegt: Die Gäste stehen vor der Tür. Die bleibt offen für jene, die aus Kapazitätsgründen nicht hinein dürfen.

Dann wird die Trauerfeier per Lautsprecher nach draußen übertragen. Seit Anfang November gibt es zudem die Mundschutzpflicht in der Trauerhalle. Ändern wird sich das wohl nicht so schnell: In der aktuellen Verordnung sind laut Stadtpressesprecher Malte Woesmann keine Lockerungen bei Absinken der Inzidenzzahl vorgegeben.

„Die Corona-Regeln und Sicherheitsabstände sind inzwischen bei den Leuten eingespeichert“, sagt Medding. Während in der Trauerhalle und in der Kirche darauf geachtet wird, dass die Teilnehmer weit auseinander sitzen, liegt es auf dem Friedhof in der Verantwortung des einzelnen. „Wir gehen nicht wie ein Sicherheitsdienst dazwischen. Wir wissen ja auch gar nicht, wer ein Hausstand ist und wollen niemanden bevormunden“, sagt die Bestatterin und fügt hinzu: „Inzwischen hat jeder den Ernst der Lage verstanden und hält sich daran.“

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Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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