Tragehilfe ist das Stichwort, das bei Einsätzen des Rettungsdienstes immer wieder auch Feuerwehrleute auf den Plan ruft. Besonders dann, wenn schwergewichtige Patienten zu tragen sind.

Selm

, 23.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fallzahlen als solche seien noch gering, sagt Tim Kewitz, Teamleiter Rettungsdienst bei der Berufsfeuerwehr Lünen, die sich um das Rettungswesen in Selm und Lünen kümmert. Doch hin und wieder komme es vor, dass „ein Schwerlasttransport“ anstehe. Diesen Begriff nutzt die Feuerwehr tatsächlich. „Wir reden dann von 300 Kilogramm und mehr“, verdeutlicht Kewitz.

Feuerwehren Selm und Lünen sind Spezialisten für Intensivtransport

Weil jede Feuerwehr im Kreis ihr Steckenpferd habe, kommt bei solchen Transporten die überörtliche Hilfe ins Spiel. „In Selm und Lünen haben wir auf Intensivtransporte gesetzt“, erklärt Kewitz. „Die Feuerwehren Kamen und Unna kümmern sich um den Schwerlasttransport.“

Besondere Schwerlasttransporte: Wenn 300-Kilogramm-Patienten ins Krankenhaus müssen

Extrem schwere Patienten brauchen extrem stabile Betten und ebensolche OP-Tische. Das Foto dieses Spezialbetts entstand in Witten. © picture alliance / dpa

Ist ein Patient extrem übergewichtig und muss zu Untersuchungen ins Krankenhaus, fordert der Rettungsdienst die Kollegen aus Unna um Hilfe an. Allerdings nur dann, wenn es um zeitlich unkritische oder gar planbare Transporte geht. „Dann versuchen wir, es dem Patienten so angenehm wie möglich zu machen“, sagt Kewitz. Geht es jedoch um akute Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, muss gehandelt werden. „Wir sind Improvisationsweltmeister. Irgendwie schaffen wir es immer“, sagt Kewitz. „Wir müssen es aber auch, nach uns kommt ja keiner mehr.“

Bis 230 Kilogramm auf normaler Trage

Das Problem bei übergewichtigen Menschen sei oft aber weniger das Gewicht, sondern die Fülle: „Auch unsere normale Trage kann bis zu 230 Kilogramm aufnehmen“, erklärt Kewitz. Der fehlende Platz und die mangelnde Bewegungsfreiheit der Einsatzkräfte falle da stärker ins Gewicht.

Denn auch wenn die Tragen der modernen Einsatzfahrzeuge inzwischen mit elektro-hydraulischer Technik ausgestattet sind, so dass Patienten mit nur einer Hand und leichtem Knopfdruck ins Fahrzeug geschoben werden können, bleibt doch noch der Weg von der Wohnung bis zum Rettungswagen.

Für Treppenhäuser ist Manpower gefragt

Da kommt die Manpower ins Spiel. Ob die Besatzung eines zweiten Rettungswagens ausreicht oder sechs Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr mit ausrücken wird spontan entschieden. „Wir haben durch die Berufsfeuerwehr den Luxus, dass permanent zehn Funktionen vor Ort besetzt sind. Nachts um zwei steht da jeder von uns gerne mit auf, um den Kollegen zu helfen“, sagt Kewitz. Die Freiwillige Feuerwehr dafür zu alarmieren, wäre „Verbrennung von Ehrenamt“, sagt Kewitz. „Die haben neben der Feuerwehr ja noch einen normalen Beruf, die können wir nicht auch noch damit belasten.“

Der Weg durch ein enges Treppenhaus kann aber auch trotz Muskelkraft der Feuerwehrleute versperrt bleiben – dann kommen die Hubrettungsfahrzeuge ins Spiel, wobei die Tragkraft der Drehleitern begrenzt ist.

Nicht immer kann die Drehleiter eingesetzt werden

„Das hängt auch vom Platz auf der Aufstellungsfläche ab“, erklärt Selms Feuerwehrchef Thomas Isermann. „Je weiter der Maschinist die Leiter auslegen muss, desto kleiner wird die Traglast“, erklärt der Fachmann. Im schlimmsten Fall muss die Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Dortmund ausrücken. Die hat nicht nur entsprechendes Gerät bis hin zum Kran, sie kann auch über Flaschenzüge arbeiten. „Die haben wir bei uns aber noch nicht für Einsatzlagen benötigt“, sagt Tim Kewitz.

Meist ginge es beim Transport schwergewichtiger Menschen auch lediglich um Verlegungen. „Die sind planbar, da haben wir Vorlauf, und dann holen wir das Schwerlastbett aus Unna“, beschreibt Kewitz – das könne für den Transport im Intensiv-Rettungswagen fest verankert werden.

Zwei Rettungswagen stehen in Selm

In Selm selbst sind zwei Rettungswagen stationiert – im Feuerwehr-Gerätehaus in Bork. Dass die Transporte Übergewichtiger zugenommen hätten, können weder Isermann noch Kewitz bestätigen. Auffällig sei lediglich eines, sagt Tim Kewitz: „Früher hieß es: ‚Schön, dass Sie da sind.‘ Heute hören wir ‚Warum kommen Sie jetzt erst?‘“

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