Für das betreute Wohnen sind keine Impfungen vorgesehen - dafür soll es andere Lösungen geben. © Angela Wiese (A)
Corona-Impfungen

Betreutes Wohnen: Senioren wissen nicht, wie sie zum Impfzentrum kommen

Senioren, die nicht in Pflegeheimen leben, müssen selbst zum Impfzentrum nach Unna fahren. Eine Selmerin kritisiert den Mangel an logistischen Lösungen - doch diese sind bereits geplant.

Die Impfungen in Seniorenheimen laufen und auch das Impfzentrum in Unna steht in den Startlöchern. Dennoch ist die Lage schwierig für Senioren, die nicht in Heimen leben, sondern im betreuten Wohnen. Sie haben nicht das Privileg, organisiert geimpft zu werden – aber auch nicht die Mobilität, um zum Impfzentrum zu fahren.

Viele wissen nicht, wie sie nach Unna zum Impfzentrum kommen

„Einige der Bewohner hier wissen gar nicht, wie sie nach Unna zum Impfzentrum kommen sollen“, sagt Elfriede Rath. Sie selbst lebt im betreuten Wohnen neben der Alloheim-Seniorenresidenz in Selm. Zum Impfzentrum nach Unna würde sie selbst mit ihren 91 Jahren nicht mehr kommen, sagt sie. „Ich habe das Glück, dass mich meine Tochter hinfahren kann, die dafür aus Ascheberg herkommt.“ Aber es werde ja auch viele in Selm und Bork geben, die diese Gelegenheit nicht haben – also nicht nur im betreuten Wohnen.

Rath sehe die beste Lösung darin, dass man den Senioren ermöglicht, zum Impfzentrum zu kommen – denn ein Taxi bis nach Unna wäre aus eigener Tasche zu teuer. „Ein Taxischein wäre gut und das sollten die Krankenkassen in die Hand nehmen. Das Beste wäre aber, wenn ein Arzt vor Ort die Impfungen vornimmt“, sagt die 91-Jährige. Es verwundere sie, dass vom Kreis dazu keinerlei Informationen kommen.

Informationen sind von Seiten des Kreises in Planung

Diese sind jedoch bereits in Planung. Pressesprecher Max Rolke vom Kreis Unna sagt hierzu: „Das Schreiben des Ministers aus dem Gesundheitsministerium hat uns am Montag (11.1.) erreicht. Die Senioren werden jetzt auf lokaler Ebene angeschrieben und mit Informationen versorgt.“ Dazu arbeiten Städte und Gemeinden mit der Kreisverwaltung zusammen und organisieren die Verteilung der Infoschriebe an die Senioren.

„Die Senioren werden unter anderem darüber informiert, wie sie am besten zum Impfzentrum kommen werden. Öffentlicher Nahverkehr wird ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt“, so Rolke. Doch wie sieht es im Falle der Menschen aus, die nicht in der Lage sind, den ÖPNV zu nutzen? „Wir bitten in dem Falle, Freunde, Verwandte oder Nachbarn zu fragen, ob sie die Senioren zum Impfzentrum fahren können.“ Für den Fall, dass dies nicht möglich sei, bitten Kreis und Gesundheitsministerium die Senioren um Geduld.

„Personen, die das Impfzentrum nicht besuchen können und zu Hause, zum Beispiel im betreuten Wohnen geimpft werden möchten, empfehlen wir zu warten, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, der zu Hause oder von Hausärzten verimpft werden kann“, sagt Marko Matic, Pressebeauftragter des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW. Der verwendete Impfstoff sei aktuell noch zu empfindlich, als dass er einen Transport von Haus zu Haus überstehe. Aus diesem Grund werde er an festen Stellen verimpft – etwa dem Impfzentrum oder den Pflegeheimen.

Nach bundesrechtlicher Festlegung nicht priorisiert

Warum das betreute Wohnen dabei nicht berücksichtigt wird, erkläre sich durch die Priorisierung, die das Land NRW vorschreibt, sagt eine Pressesprecherin der Alloheim-Senioren-Residenzen, zu denen auch das betreute Wohnen in Selm gehört. „Auf Basis der Vorgaben der Ständigen Impfkommission und der bundesrechtlichen Festlegungen werden in Nordrhein Westfalen derzeit Pflegeeinrichtungen der stationären Pflege priorisiert.“ Es sei gemäß der Empfehlungen der Kommission und den Vorgaben der Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfungen nicht vorgesehen, dass im betreuten Wohnen durch die mobilen Teams geimpft werde.

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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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