Blumenhändlerin Silvia Reimann wünscht sich für den Lockdown mehr Gerechtigkeit. © Arndt Brede (Archiv)
Corona-Krise

Blumenhändlerin aus Selm: Mehr Gerechtigkeit bei Geschäfte-Lockdown

Corona-Maßnahmen müssen sein, aber dann bitte gerechter als zurzeit geplant. So sieht es Silvia Reimann, die einen Blumenladen in Selm hat. Notfalls will sie bis zur Landesregierung gehen.

Der nächste harte Lockdown steht wohl bevor. Möglicherweise müssen bald alle Geschäfte schließen, die nichts mit dem täglichen Bedarf zu tun haben. Silvia Reimann hat seit 2017 einen Blumenladen an der Kreisstraße in Selm. Und sie ist sauer.

„Ich weiß, dass es Einschränkungen geben muss, aber es muss dann auch gerecht zugehen“, sagt sie. Wenn der harte Lockdown kommt, werden viele Geschäfte wieder schließen müssen, wie schon im März. „Und die Supermärkte verkaufen munter weiter alles – vom Schlüpfer bis zum Handy,“ empört sich Silvia Reimann.

Es müsse nach Lösungen gesucht werden, da appelliert sie zunächst an die Verantwortlichen der Stadt Selm, ist aber auch bereit, sich an die Landesregierung in Düsseldorf zu wenden. „Die Kunden, die ich den ganzen Tag habe, zählt ein Supermarkt in einer Stunde.“ Eigentlich durfte Silvia Reimann bislang drei Kunden gleichzeitig in den Laden lassen, aber sie lässt nur jeweils einen Kunden hinein: „Ich will mich ja auch selber schützen.“

Weitere Waren-Bestellungen erstmal storniert

Nach 18 Monaten Baustelle, dem ersten Lockdown im Frühjahr und dem nun drohenden zweiten harten Lockdown sieht sie die Stadt Selm am Zuge. „Es wäre schön, wenn wir das Geschäft an Weihnachten und Silvester noch mitnehmen könnten.“ Für den Jahreswechsel hat sie schon Glücksbringer-Sticker und besondere Übertöpfe eingekauft. Wenn es dumm läuft, muss sie alles ein Jahr lagern. „Weitere Waren-Bestellungen hab ich erstmal storniert.“

Für Weihnachten gibt es auch schon Bestellungen von Kunden, die werden wir jetzt wohl stornieren müssen.“ Im Frühjahr fanden schon viele Trauungen, Konfirmationen und Kommunionfeiern nicht statt – auch die Einnahmen aus solchen Aufträgen fehlen in der Jahresbilanz. „Man verliert die Lust. Auch, wenn Baumärkte weiter öffnen dürfen und dort dann Blumen verkauft werden.“

Bürgermeister: Lieferservice in Anspruch nehmen

Dass die harten Maßnahmen wie Geschäftsschließungen schon vor Weihnachten kommen, wird wohl erst am Wochenende entschieden. Bürgermeister Thomas Orlowski blickt auf Anfrage der Redaktion aber schon mal voraus für den Fall der Fälle: „Was wichtig ist: dass wir, also die Stadt und die Bürger, die Geschäfte unterstützen. Also im Rahmen der Möglichkeiten auf Lieferservice hinweisen, wenn der noch möglich sein wird, und den dann auch in Anspruch nehmen“, sagt der Bürgermeister. „Mir ist wichtig zu sagen: Denken Sie an unsere lokalen Geschäfte, damit wir die Vielfalt, die wir hier haben, auch weiter behalten.“

Für die Werbegemeinschaft hatte in dieser Woche bereits Einzelhändler Thomas Kaim die Devise für den Fall des harten Lockdowns ausgegeben: „Wir versuchen jetzt mit unseren Maßnahmen gebündelt dagegen zu halten. Dann wird eben der Lieferservice wieder forciert.“

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Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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