Die Neubauten an der Borker Straße in Cappenberg wachsen - ungebremst von Corona. © Günther Goldstein
Bauen in der Corona-Krise

Boom trotz Corona: Baubranche verzeichnet nicht nur Plus beim Umsatz

Der Lockdown legt das öffentliche Leben weitgehend lahm. Hat er auch Auswirkungen auf den Hausbau? Eher im Gegenteil - das zeigt sich auch in Cappenberg.

Der Lockdown legt das öffentliche Leben weitgehend lahm. Auf dem Bau sieht es aber anders aus. Dort wird gebohrt und gehämmert, als wenn nichts wäre. In Cappenberg wachsen gleich mehrere Häuser in die Höhe – keine Ausnahmen.

Das Statistische Bundesamt hatte am 10. Dezember mitgeteilt, dass der Boom der deutschen Baubranche weiter Bestand hat – nahezu ungetrübt von der Pandemie. Das Geschäft ist nicht nur nicht zurückgegangen, sondern sogar gewachsen. Wie die Bundes-Statistiker am 10. Dezember mitteilten, ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe im September um 2 Prozent gegenüber dem September 2019 gestiegen. Allein im Hochbau – also im Haus- und Wohnungsbau – sogar um 3,2 Prozent.

Statistisches Bundesamt: Umsatz und Beschäftigtenzahl stiegen

Das Plus im Bau hält schon im ganzen Coronajahr an. Von Januar bis September 2020 stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent. Bemerkenswert ist eine weitere Zahl: Auch die Zahl der Beschäftigten stieg in der Krise. Sie erhöhte sich im Corona-Jahr zwischen Januar und September um 1,5 Prozent.

Auch bei den Zulieferern auf dem Bau – ob Elektro und Beleuchtung, Holz und Boden, Farben und Lacke oder Sanitär und Heizung – herrscht offenbar gute Stimmung. Die gewerkeübergreifende Studie „Corona – und dann?“, die die Unternehmensberater Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) im Dezember veröffentlicht haben, zeigt: Sowohl Hersteller als auch Handel der Bauzulieferindustrie sehen sich von der Corona-Pandemie deutlich weniger betroffen als von der Finanzkrise 2009.

Volksbank Selm-Bork setzt zunehmend auf Immobilien

Die Volksbank Selm-Bork Altlünen macht sich den Boom zunutze. Längst sind Immobilien zu „wertstabilen Beiträgen zu unserem Gesamtbankbetriebsergebnis“ geworden, wie es in dem Rundbrief an die Vertreterinnen und Vertreter der Volksbank heißt. Martin Potschadel und Thomas Krotki, die Vorstände des Hauses, hatten ihn am 15. Dezember verschickt. Die traditionelle Vertreterversammlung musste wegen Corona ausfallen,

Was vor wenigen Jahren begann, um der anhaltenden Zinskrise etwas entgegenzusetzen, hat sich längst ausgewachsen zu einem immer wichtiger werdenden Geschäftsfeld der Genossenschaftsbank. Davon zeugt auch ein prominentes Bauprojekt in Cappenberg.

An der Borker Straße entstehen auf dem Grundstück der ehemaligen Gaststätte Waldschmiede Aschoff zeitgleich zwei Stadtvillen mit jeweils acht Wohneinheiten: architektonische Zwillinge mit zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss. Bauherrin ist in einem Fall die Volksbank, im anderen ist es die Bauherrengemeinschaft Haschmann Immobilien und M. + H. Reher. Im Sommer hatten die Bauarbeiten begonnen. Inzwischen ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Gerüste verschwinden und sich die Bauarbeiter nur noch auf den Innenausbau konzentrieren können.

Häuser an der Borker Straße im Mai bezugsfertig

„Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt Thomas Krotki auf Anfrage. Das milde Winterwetter habe dabei geholfen. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass alles zum 1. Mai bezugsfertig sein wird.“ Der harte Lockdown stellt dafür grundsätzlich kein Hindernis dar.

25 Interessierte hatten sich eine der acht Volksbank-Wohnungen reservieren lassen – unverbindlich. Denn die eigentliche Vermarktung beginnt erst nach Weihnachten. Zwei ernsthafte Interessenten sind geblieben. Die anderen hatten sich an mehreren Stellen beworben und andernorts bereits ein neues Zuhause gefunden: ein Indiz sowohl für die große Nachfrage nach Wohnraum, aber auch für das wachsende Angebot.

Der harte Lockdown sollte grundsätzlich kein Hindernis sein weder für den Baufortschritt in Cappenberg als auch woanders. Wenn alle geltenden Regeln zum Infektionsschutz eingehalten werden, kann es auf dem Bau so weitergehen wie bisher.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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