Georg Sehrbrock und seine Partnerin Anne Reygers haben einen Highspeed-Vertrag mit der ehemaligen Firma Innogy abgeschlossen. Seitdem haben sie nichts mehr gehört und fragen sich, ob sie überhaupt ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen werden. © Arndt Brede
Breitbandausbau

Breitbandausbau in Selm: Das „Wie“ hängt manchmal an Details

Der Breitbandausbau für den Anschluss an das Glasfasernetz läuft. Wie das läuft, hängt manchmal an Metern oder auch an nur wenigen Kilobit.

Die Resonanz auf den Breitbandausbau in Selm läuft für den Innenstadtbereich und den Außenbereich unterschiedlich. Für die Arbeiten im Innenstadtbereich hatte die Westenergie Breitband GmbH jüngst verkündet, dass sich erst 5 Prozent der potenziellen Nutzerhaushalte gemeldet haben. 40 Prozent würden den Ausbau für das Unternehmen wirtschaftlich machen. Hingegen haben 65 Prozent der Grundstückseigentümer im Außenbereich Selms zugestimmt, dass die Arbeiten auf ihrem Grundstück laufen dürfen.

Der Außenbereich wird zu 100 Prozent gefördert, was die reinen Ausbauarbeiten bis zum Haus betrifft. Der Innenstadtbereich fällt nicht in die Förderung. Dumm ist, wenn ein Haushalt gefördert wird und der andere – 200 Meter entfernt – nicht erfährt, ob hier überhaupt ausgebaut wird. Das ist der Borkerin Anne Reygers passiert. Ihr Partner Georg Sehrbrock schildert den Fall so: „Wir haben im Sommer einen Vertrag mit Innogy über Glasfaseranschluss abgeschlossen. Bei der Frage, ob wir an der Waltroper Straße in Bork denn im geförderten Außenbereich liegen oder im Innstadtbereich und damit zahlen müssen für den Breitbandausbau, sagte der Innogy-Mitarbeiter, dass wir sozusagen im Graubereich liegen.“

Die Arbeiten zum Breitbandausbau in den Außenbereichen - hier in der Schachtstraße - laufen an verschiedene Stellen im Stadtgebiet.
Die Arbeiten zum Breitbandausbau in den Außenbereichen – hier in der Schachtstraße – laufen an verschiedene Stellen im Stadtgebiet. © Arndt Brede © Arndt Brede

Nun hat ja Anfang Dezember der Breitbandausbau im Außenbereich angefangen. „Wir haben bereits die Grundstückseigentümererklärung abgegeben“, erzählt Sehrbrock. Diese Erklärung gegenüber der Westenergie Breitband GmbH, die mittlerweile den Breitbandausbau in Selm voran treiben soll, ist notwendig, damit die Ausbau- und Anschlussarbeiten auf einem Grundstück überhaupt möglich, sprich: erlaubt, sind.

Nichts mehr von Innogy gehört

Und nun wird es interessant: Auf eben jenem Grundstück von Anne Reygers steht, rund 200 Meter von ihrem eigenen Haus entfernt, ein weiteres Haus. Und dieses Haus zählt zum Außenbereich. Folge laut Georg Sehrbrock: „Dieses Haus bekommt den Anschluss bis zum Haus umsonst und wir wissen immer noch nicht, ob wir an das Glasfasernetz angeschlossen werden oder nicht.“ Es gehe ihm nicht darum, dass er das den unmittelbaren Nachbarn nicht gönne. „Aber da wir seit dem Vertragsabschluss mit Innogy nichts mehr vom Unternehmen gehört haben, würden wir schon gern wissen, ob wir den Anschluss bis zum Haus überhaupt bekommen oder nicht.“ Zumal die Leitungen dafür über das Reygers-Grundstück laufen, nur wenige Meter vom eigenen Haus entfernt.

Innogy gehört mittlerweile zum Eon-Konzern und heißt jetzt Westenergie Breitband GmbH. Wir haben die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens, für die die Westenergie-Tochter Westnetz GmbH zuständig ist, mit dem Fall in Bork konfrontiert. Kann es eigentlich sein, dass Häuser, die so nah beieinander liegen, unterschiedlich eingestuft werden? Für Westnetz hat Sprecherin Katrin Frendo geantwortet: „Es sollen mit dem geförderten Breitbandausbau ja die weißen Flecken erfasst werden, die weniger als 30 mbit pro Sekunde beziehen.“ Die Telekommunikationsunternehmen haben sich also angesehen, welche Häuser betroffen sind. „Diese Liste wurde der Stadt übergeben und anhand dieser Liste hat sich die Stadt Selm um den geförderten Ausbau beworben.“

Im Fall von Anne Reygers und Ehemann Georg Sehrbrock sei es so, dass ihr Haus mindestens 30 mbit pro Sekunde als Bandbreitenleistung beziehe. „Auf keinen Fall dadrunter“, sagt Katrin Frendo. Das Haus, das nur 200 Meter entfernt stehe, beziehe dagegen weniger als 30mbit/s. Dieses Haus falle also unter die Anschlussbedingungen des geförderten Ausbaus, das Haus von Reygers und Sehrbrock hingegen nicht.

Offenbar liege das Reygers-Haus näher an einem Telekom-Verteiler als das Nachbarhaus und werde mittels des Vectoring-Verfahrens mit schnellerem Internet versorgt. Vectoring sorgt grob beschrieben dafür, dass sich Störeinflüsse im Rahmen halten und die Datenrate wieder steigt.

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Das klingt alles nachvollziehbar. Wenn es im Fall von Anne Reygers und Georg Sehrbrock nicht eine Haken bei der Berechnung der Bandbreite gäbe. „Die Telekom bemisst ein Megabit mit 1024 Kilobits statt wie Innogy mit 1000 Kilobits. So dass wir deshalb für Innogy über 30 mbits/s liegen. Unser aktueller Vertrag mit der Telekom benennt ganz klar 25mbit/s und auch laut unserem Router sind wir mit dieser Geschwindigkeit angebunden.“

„Es ist im aktuellen Fall sehr unglücklich, aber aufgrund dieser Tatsachen fällt dieses Haus aus der Förderung heraus, auch wenn es nur 200 Meter vom geförderten Nachbarhaus entfernt steht“, erklärt die Westnetz-Pressesprecherin.

Ist dieser Fall eigentlich ein Einzelfall? „Ich weiß von Fällen, wo Fehler passiert sind“, führt Katrin Frendo aus. Dass zum Beispiel irgendwo bei einem Doppelhaus ein Haus mit der Nummer 2 gefördert, die Doppelhaushälfte Nummer 2a direkt daneben aber nicht. „Das kann dann natürlich nicht sein. Dann hat man einen berechtigten Einwand.“ Dann würden solche Häuser als Ganze in die Liste der geförderten Bereiche aufgenommen.

Bleibt noch die Frage zu klären, warum Anne Reygers und Georg Sehrbrock nach Abschluss des Highspeed-Vertrags mit Innogy nichts mehr vom Unternehmen gehört haben. Katrin Frendo dazu: „Das wundert mich eigentlich. Aber auf dem Vertrag steht die Telefonnummer des Unternehmens. Wenn ich es wäre, würde ich da anrufen und mich nach dem aktuellen Sachstand erkundigen.“ „Das habe ich getan“, sagt Georg Sehrbrock. „Dort wurde mir gesagt, dass man nur mit dem Namen keine Informationen erhalten kann, aus Datenschutzgründen. Ich müsste schon eine Vertragsnummer vorlegen – diese gibt es aber eben nicht.“

Ein solches Verfahren wie der Breitbandausbau mit und ohne Förderung mag zwangsläufig zu vermeintlichen Ungerechtigkeiten in der öffentlichen Wahrnehmung führen. Wie steht die Stadt Selm eigentlich zu diesem Thema? „Maßgeblich für die Entscheidung, ob gefördert wird in einem Bereich oder nicht, ist einzig und allein die Frage nach der verfügbaren Bandbreite“, bestätigt Stadtsprecher Malte Woesmann die Aussage von Katrin Frendo. Eine Kategorisierung nach Innen- und Außenbereich habe dafür keine Relevanz, sondern werde von der Stadtverwaltung zur einfacheren Unterscheidung genutzt, da insbesondere die Außenbereiche mit geringer Bandbreite minderversorgt seien.

„Dies wurde im Zuge des vorgeschalteten europaweiten Ausschreibungsverfahrens hausscharf ermittelt“, führt der Stadtsprecher aus. „Dazu wurden die Telekommunikationsunternehmen angeschrieben und abgefragt. Auch die Bundesnetzagentur war in die Ermittlung der Adressen eingeschaltet. Die darauf gemeldeten ca. 700 Adressen wurden zur Förderung beantragt.“

Vereinzelte Beschwerden gegenüber der Stadt

Sind denn schon Beschwerde bei der Stadt Selm aufgelaufen? „Vereinzelte Beschwerden sind gegenüber der Stadt geltend gemacht worden“, erklärt Woesmann. Diese seien zur Prüfung an Westenergie Breitband weitergeleitet worden, „um von dort prüfen zu lassen, ob diese Adressen im Nachgang zum geförderten Ausbau eigenwirtschaftlich angeschlossen werden können“.

Allerdings sei im gesamten Verfahren festgestellt worden, dass rund 30 Adressen offenbar aus technischen Gründen nicht mit in die Förderung aufgenommen worden sind. „Hier wird im Dialog mit dem Fördergeber zurzeit geprüft, ob eine nachträgliche Aufnahme in das Förderverfahren möglich ist“, berichtet der Stadtsprecher.

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Arndt Brede

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