Briefe per SMS frankieren: Wie gut klappt das? Ein Selbstexperiment

mlzUnbekannter Service

Seit elf Jahren hat die Post einen Service, den fast niemand kennt. Man kann Briefe per SMS frankieren. Doch wie gut klappt das? Unsere Autorin hat es getestet.

Selm

, 06.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Friedrich Nietzsche hatte offenbar ein Problem mit Briefen. Oder vielleicht auch einfach mit dem Postboten. „Der Brief ist ein unangemeldeter Besuch, der Briefbote der Vermittler unhöflicher Überfälle. Man sollte alle acht Tage eine Stunde zum Briefempfangen haben und danach ein Bad nehmen“, soll er gesagt haben.

Oh weih, jetzt habe ich mit Nietzsche angefangen. Dabei ist das folgende Problem eigentlich ein kleines: Wenn ich mal einen Brief verschicken möchte, habe ich zu 90 Prozent keine Briefmarke zur Hand. Im Gegensatz zum Philosophen Nietzsche bekomme ich gerne Briefe, ich würde sie vielleicht auch öfter verschicken. Gerade jetzt in der Corona-Krise, wo selbst der Urlaub in Deutschland gecancelt ist und man seine Kontakte auf das Minimum beschränken sollte.

Seit 2009 bietet die Post die Briefmarke per SMS an

Aber mal ehrlich: In meiner Generation (ich bin Jahrgang ‘87) verschickt man E-Mails, Sprachnachrichten oder Nachrichten in Messenger-Diensten. Briefe, die sind eigentlich nur für Hochoffizielles. Ein 10er-Pack Briefmarken? Lohnt sich nicht, die nächste Portoerhöhung kommt bestimmt. Und dann braucht man diese Zusatzmarken. Briefmarken ausdrucken? Das geht, aber genau dann geht der Drucker mit Sicherheit nicht. Jedes Mal ein oder zwei Briefmarken kaufen? So mach ich das, aber irgendwie nervt‘s.

Dabei hat die Post schon seit 2009 eine Alternative, für die man - so sagt es auch die Info-Seite der Post - nur ein Handy und einen Stift braucht. Diesen kleinen Life-Hack kenne ich von Fernsehmoderator und Youtuber Philipp Walulis, der darüber neulich in seiner Sendung Walulis Woche gesprochen hat. „Gegen solche Erfindungen wirkt sogar Elon Musk wie ein durchschnittlicher Automechaniker“, scherzt Walulis, der sich fragt, wie es sein kann, dass nach elf Jahren kaum jemand diesen Service der Post kennt. Aber dazu gleich mehr.

Ein Umweg, um den Service nutzen zu können

Zunächst erstmal die grundlegende Frage: Funktioniert der Service sein Handy via SMS zu frankieren überhaupt? Das will ich testen. Der Zeitpunkt passt super, meine liebe Kollegin Marie Rademacher hatte gerade Geburtstag - und wer weiß im Moment schon, wann man sich das nächste Mal im Büro sieht? Ich schreibe also meinen Brief, der auf den Weg von Dortmund nach Bork geschickt werden soll und stecke ihn in einen Umschlag. Dann greife ich zum Handy. Ich schreibe eine SMS mit dem Text „Brief“ (man kann auch Postkarten verschicken) an die Nummer 22122 und warte ein paar Sekunden.

Die Antwort kommt prompt. Leider könne ich das Handyporto nicht nutzen, teilt mir eine automatisch generierte Nachricht mit. Ich müsse mich an den Netzbetreiber wenden oder mein Prepaid-Konto aufladen. Mist. Also heute noch kein Verschicken.

Ich hab ein Prepaid-Handy. Allerdings ist es aufgeladen. Ich suche auf der Internetseite meines Betreibers und finde heraus, dass die Services von Drittanbietern - dazu zählt auch dieser Service - automatisch gesperrt sind. Ich schreibe eine Mail an den Kundenservice und bitte um Entsperrung. Ich muss warten. Schließlich bekomme ich eine Bestätigung, ich kann die Services jetzt nutzen. Am nächsten Morgen hat auch meine SMS an die 22122 Erfolg. Ich bekomme einen Code aus mehreren Zahlen zugeschickt, den ich genau so an die Stelle des Briefes schreiben soll, wo sonst die Briefmarke steht. Ich bemühe mich, besonders leserlich zu schreiben und werfe den Brief direkt ein.

Endlich: Das Porto ist da.

Endlich: Das Porto ist da. © Sabine Geschwinder

Service mit kleinem Haken

Jetzt wird es spannend. Wird der Brief ankommen? Drei Tage später die Nachricht der Kollegin. „Ich wollte nur Danke sagen, dein Experiment hat geklappt.“ Auf dem Brief ist nun ein Aufkleber „Deutsche Post“ Handyporto. Das Fazit: Gedauert hat es etwa drei Tage bis der Brief da war. Als ich den Service endlich nutzen konnte, war er in der Tat sehr komfortabel. Das Ganze hat aber einen kleinen Haken: Statt 80 Cent zahlt man für einen Standardbrief 1,19 Euro und für eine Postkarte statt 60 Cent 99 Cent.

So kam der Brief schließlich in Bork an.

So kam der Brief schließlich in Bork an. © Marie Rademacher

Jedenfalls ist das aktuell noch so. „Ende 2020 wird das Handyporto überarbeitet“, erklärt dazu auf Anfrage Rainer Ernzer, Pressesprecher bei der Deutschen Post. „Im Gegensatz zum Handyporto werden für die Mobile Briefmarke dann keine zusätzlichen Mobilfunk- und Handling-Kosten mehr anfallen, d.h. Kunden zahlen hier nur das reine Porto für den Brief oder die Postkarte“, erklärt Ernzer.

Wer einen Brief verschicken will, müsse dann nur noch per App das gewünschte Porto anfordern und online bezahlen. Auch dann gibt es einen mehrstelligen Code, den man handschriftlich oben rechts auf die Postkarte oder den Briefumschlag schreiben muss. Das wäre eine Option, die ich durchaus gern nutzen würde. Wann sie startet, sei aber noch offen, erklärt Ernzer.

Jetzt aber der weitere Knackpunkt: Wie erklärt der Pressesprecher dass diese Option, Handyporto per SMS zu verschicken, kaum bekannt ist, obwohl es sie seit 2009 gibt? Auf diese Frage bleibt der Pressesprecher eine Antwort schuldig. Das Produkt sei seit vielen Jahren verfügbar, antwortet Ernzer nur und verweist auf die Info-Webseite. Wie viele Kunden bisher vom Verschicken per SMS - diesem Service, den es seit 11 Jahren gibt - Gebrauch gemacht haben, auch daraus macht die Post ein Geheimnis. „Zahlen zu dem Thema geben wir nicht an“, schreibt Ernzer dazu nur. Auch keine regionalen.

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