Weithin sichtbar, aber viel transparenter als der ursprünglich geplante Anbau: die Stahltreppe für Burg Botzlar in Selm. © Eric Polenz
Bürgerzentrum

Burg-Botzlar-Umbau in Sparversion: Doch kein Anbau für Selmer Denkmal

Eines der ältesten und prominentesten Gebäude Selms liegt seit drei Jahren im Dornröschenschlaf. Der Umbau zum Bürgerzentrum hat nicht einmal begonnen. Jetzt steht aber der Fahrplan fest.

Die große Schenkung liegt fast zehn Jahre zurück. Als Selm 35-jähriges Bestehen feierte – 1977 waren Bork, Cappenberg und Selm zur Stadt zusammengewachsen – hatte Unternehmer Norbert Rethmann das mit Abstand größte Geburtstagsgeschenk gemacht. Er spendete der Bürgerstiftung das Geld für den Kauf der Burg Botzlar: 600.000 Euro. In der einstigen Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert sollte ein modernes Bürgerzentrum entstehen. Davon zu sehen ist bis heute allerdings noch nichts. Das soll sich bald ändern. Geduld ist aber weiter gefragt.

Auenpark und Campus haben Burg Botzlar überholt

Neue Förderrichtlinien und schwierige Verhandlungen mit dem Denkmalschutz hatten das Projekt von Anfang an begleitet. „Dass die Burg Botzlar aber das komplizierteste Projekt unserer Regionale-2016-Maßnahmen werden würde, hätte ich nicht gedacht“, sagte der Selmer Regionale-Beauftragte Thomas Wirth am Donnerstag (9. 9.) im Ausschuss für Stadtentwickung. Tatsächlich haben Campus und Auenpark – die neuen Zentren der Innenstadt – längst Gestalt angenommen. Aus dem Burg-Umbau soll jetzt mit deutlicher Verspätung aber auch etwas werden. Noch im September 2021 werde der Bauantrag eingereicht. Dabei war eigentlich bereits für Mai 2020 die Fertigstellung geplant.

Vorausgegangen waren nicht nur langwierige Absprachen mit der Denkmalschutzbehörde, sondern auch eine Trennung vom ursprünglichen Architekten. Der hatte einen modernen Anbau an die Burg geplant, an dem sich die Geister schieden – nicht nur wegen der raumgreifenden Wirkung, sondern auch wegen der ausufernden Kosten. Rund 800.000 Euro teurer wird es zwar auch jetzt, wie die Politik bereits im Juli erfahren hatte. Am Donnerstag sah sie aber, dass das schon die Sparversion ist.

Nur noch eine Stahltreppe verrät von außen Veränderungen

Von der Idee eines Anbaus hat sich das neue Architekturbüro, Vervoorts & Schindler aus Bochum, komplett verabschiedet. „Es wird nur noch eine Fluchttreppe geben, die offen gestaltet ist“, sagte Thomas Vervoorts. Das sei das einzig äußerlich Sichtbare von den umfangreichen Umbauarbeiten.

Von vorne wird sich nicht viel verändern an der Burg Botzlar. Dass die Treppe neu sein wird, werde sich kaum erkennen lassen, sagen die Planer. Die Anordnung der Dachfenster für mehr Licht müsse noch mit der Denkmalbehörde während der Bauarbeiten abgestimmt werden.
Von vorne wird sich nicht viel verändern an der Burg Botzlar. Dass die Treppe neu sein wird, werde sich kaum erkennen lassen, sagen die Planer. Die Anordnung der Dachfenster für mehr Licht müsse noch mit der Denkmalbehörde während der Bauarbeiten abgestimmt werden. © Eric Polenz © Eric Polenz

Die mächtige Stahltreppe, die unten mit Gittern eingehaust sein wird, lässt sich aus brandschutztechnischen Gründen nicht vermeiden. Dass die Vordertreppe am Haupteingang ebenfalls ausgewechselt wird, werde kaum auffallen, so Vervoorts. Bis auf zwei zusätzliche Stufen werde sie genauso aussehen wie die bisherige Treppe.

Plattformaufzug statt klassischer Personenaufzug

Ohne Anbau fehlt auch der Platz für einen klassischen Aufzug, der eine Unter- und eine Überfahrt benötigt. Die Planer haben dafür eine Alternative gefunden: einen sogenannten Plattformaufzug. Plattformaufzüge werden meist von Rollstuhlfahrern benutzt und kommen ohne klassische Aufzugskabine aus. Sie bestehen aus einer flachen Stahl-Aluminium Plattform, die sich in einem selbst tragenden Schachtgerüst bewegt und wesentlich leichter und günstiger ist als ein klassischer Personenaufzug – allerdings auch langsamer. Mit nur 15 Zentimetern pro Sekunde werde es nach oben gehen vom Foyer mit Theke in einen der beiden Säle im Obergeschoss oder zu den Räumen des Heimatvereins ganz oben. Für Menschen mit Handicap sei das immer noch ein gutes Angebot, für alle anderen eine Einladung, die Treppe zu nutzen.

Die alte Lüftungsanlage wird demontiert. Die Idee, Wandheizungen einzubauen, haben die Architekten schnell verworfen – wegen der enormen Kosten. Für deutlich angenehmeres Raumklima als bisher soll Lehmputz an den bis zu 1,80 Meter dicken Wänden sorgen.

So wird es im Obergeschoss der Burg Botzlar in Selm aussehen. Beide Säle lassen sich trennen.
So wird es im Obergeschoss der Burg Botzlar in Selm aussehen. Beide Säle lassen sich trennen. © Eric Polenz © Eric Polenz

Dass die Kosten dennoch hoch sind, hat damit zu tun, dass die Zwischendecken ertüchtigt werden müssen, um den statischen und brandschutztechnischen Anforderungen zu genügen. Bei allen dafür erforderlichen Abbrucharbeiten werden Vertreter der Denkmalbehörde dabei sein. Das koste Zeit. „Wir rechnen mit einer Fertigstellung im zweiten Halbjahr 2023“, sagte Thomas Vervoorts.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.