Gregor Franzen (vorne links) und Norbert Wesselmann (vorne rechts) hatten für die IGBB zum Meinungsaustausch am ehemaligen Marktplatz eingeladen. Herausgekommen ist die Idee zu einer Versammlung. © Sylvia vom Hofe
Wohnen in Bork

Caritas-Altenheim auf Marktplatz: Bork organisiert Protest

Die Interessensgemeinschaft Borker Bürger (IGBB) bläst zum Protest - und zu einer Versammlung, „nicht zum Meckern, sondern, um Meinung zu erfragen“. Es gibt schon einen Termin.

Der ehemalige Marktplatz von Bork ist seit März 2018 eine Brachfläche. Damals hatte ein 30-Tonnen-Bagger die umstehende Bebauung – Wohnungen, Supermarkt, Sparkasse, Imbiss – abgerissen und das Baufeld frei gemacht für die Caritas. Die war sich bereits 2016 mit der Stadt Selm einig geworden, der Stadt die Fläche abzukaufen und dort ein Altenheim zu bauen. Darüber sind jetzt fünf Jahre ins Land gegangen: Zeit, in der sich nicht nur die Pläne der Caritas verändert haben – sie will jetzt viel größer bauen als ursprünglich geplant – sondern auch die Akzeptanz der Borkerinnen und Borker.

IGBB hat sich am ehemaligen Marktplatz getroffen

Mittwochabend (16. 6.) unter dem Zunftbaum neben der Brache, die einst Marktplatz war: Rund 20 Menschen haben sich versammelt – junge und alte, Männer und Frauen, Vertreter der SPD, CDU und UWG. Norbert Wesselmann und Gregor Franzen, die Sprecher der Interessengemeinschaft Borker Bürger (IGBB), hatten zu dem formlosen Austausch am Ort des Geschehens geladen.

Das Netzwerk gibt es, seitdem die Stadt Selm die Ortsteilentwicklung angestoßen hatte. Ob Umgestaltung des Kirchrings oder Rettung der letzten Kneipe im Ortskern: Die Gruppe begleitet seitdem im konstruktiven Austausch mit Stadt und Verwaltung Veränderungen in Bork. Doch bei den aktualisierten Plänen für das Altenheim Mitten im Ort ist Schluss.

„Wir haben nichts gegen das Altenheim“, sagt Stefan Kühnhenrich. Die Einrichtung solle gerne nach Bork kommen, auch in der aktuellen Größe: 52 Plätze statt 39, wie ursprünglich geplant. „Aber bitte nicht an dieser Stelle.“, ergänzt er und zeigt auf das 3900 Quadratmeter große Grundstück. Dafür sei der geplante Baukörper „einfach viel zu massig“. Egal, was die Caritas auch sage: Bei dieser Größe lasse sich das nicht mehr harmonisch in die Bebauung einfügen. Die Gruppe hat aber eine Idee.

Vorschlag: Caritas und anderer Investor sollen Flächen tauschen

Flächentausch. An anderer Stelle in Bork – etwa im künftigen Neubaugebiet Am Neuenkamp hinter dem Lidl, die Runde kann sich aber auch Alternativen vorstellen – lasse sich das Bauvorhaben der Caritas besser realisieren als im engen Bestand. Auf den ehemaligen Marktplatz käme dann umgekehrt kleinteiligere Wohnbebauung.

Neu ist diese Kritik am aktuellen Altenheim-Plan nicht. Auch während der Bürgerversammlung eine Woche zuvor war sie laut geworden. Diese Veranstaltung habe aber ihren Namen nicht verdient, sind sich alle einig: Die Einladung sei mit zwei Tagen Vorlauf viel zu kurzfristig erfolgt, und die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sei mit 30 zu klein gewesen. Das wollen sie jetzt besser machen – mit einer Freiluft-Veranstaltung.

Die Idee ist schnell geboren: Alle Interessierten sollen am EM-freien Donnerstag, 1. Juli, um 18 Uhr zusammenkommen vor Haus Dörlemann an der Hauptstraße. Dann sei wie an jedem Donnerstagnachmittag die Durchfahrt ohnehin gesperrt wegen des Wochenmarktes. Die Sperrung müsse dafür nur verlängert werden. Vorausgesetzt, das Ordnungsamt erteilt eine Genehmigung, wollen sie dann über das Altenheim-Projekt diskutieren: „Nicht um zu meckern, sondern um Meinung zu erfragen“, sagt Herbert Krusel, der für die CDU im Kreistag sitzt.

Meinung der Bevölkerung erfragen

Das sei nämlich zu kurz gekommen, sagt Norbert Wesselmann. Er hat den Eindruck, dass über den Kopf der Borkerinnen und Borker hinweg entschieden werde statt mit ihnen. Und dass ohnehin im Stadtrat nicht Partei-Meinungen aufeinander prallten, sondern Ortsteile – zu Lasten des kleineren Borks.

Wenn die Argumente aus Bork gut seien, „werden sich die Selmer ihnen schon nicht versperren“, meint Maria Lipke, die 31 Jahre lang die UWG im Rat vertreten hatte. Wichtig sei aber zu wissen, „was die mehrheitliche Meinung ist“, sagt Erdal Macit, der die SPD im Rat vertritt. Sein Parteikollege Kühnhenrich bremst die Erwartungen. „Einen großen Spielplatz werden wir hier nicht bauen können.“

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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