Corona-Krise in Olfen: Unternehmen halten sich bei Kurzarbeit zurück

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Tausende Unternehmen im Bezirk Coesfeld haben schon Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit angezeigt. Größere Unternehmen in Olfen halten sich diesbezüglich jedoch zurück.

Olfen, Nordkirchen

, 18.04.2020, 08:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Friseure und Restaurants haben derzeit geschlossen. Auch im Einzelhandel mussten zahlreiche Geschäfte vorübergehend zumachen. Viele Industrie-Unternehmen wissen nicht, wie lange sie noch benötigtes Arbeitsmaterial geliefert bekommen. Die Corona-Pandemie trifft die Wirtschaft sehr deutlich.

Tausende Unternehmen im Arbeitsagentur-Bezirk Coesfeld haben daher schon einen Antrag auf Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter gestellt. Allein im März gingen laut einer Hochrechnung mehr als 3100 Anzeigen von Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur ein.

„Müssen davon ausgehen, dass die Zahl weiter steigen wird“

Damit haben von den 15.404 Betrieben mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Agenturbezirk bereits mehr als 20 Prozent Kurzarbeit angezeigt. „Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir davon ausgehen, dass diese Zahl noch weiter steigen wird“, prognostizierte Agenturchef Johann Meiners bereits Ende März.

Spezifische Zahlen für die einzelnen Kommunen des Bezirks - also auch für Olfen und Nordkirchen - seien in der Hochrechnung allerdings nicht hinterlegt, wie Matthias Pöpping, Pressesprecher der Arbeitsagentur im Bezirk Coesfeld, auf Nachfrage erklärte. Die Zahl 3100 sei zudem mit Vorsicht zu genießen: „Diese Zahl ist von den Mitarbeitern händisch erfasst worden, es handelt sich also lediglich um eine ungefähre Größenordnung.“

Olfener Unternehmen halten sich zurück

„Für einen Großteil der Unternehmen in der Region ist die derzeitige Situation sehr belastend“, erklärte Agenturchef Meiners in einer Pressemitteilung. Und weiter: „Es ist jetzt besonders wichtig, diesen Firmen und damit auch den dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schnell zu helfen.“

Eine direkte Nachfrage bei größeren Olfener Unternehmen ergab, dass sich Olfener Firmen mit Anzeigen von Kurzarbeit bislang stark zurückgehalten haben. So haben die Firmen NSM Magnettechnik, Ritter Starkstromtechnik, HOBA Schrauben und Kiro Nathaus bislang keine Anzeigen von Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur eingereicht. Für weitere Auskünfte standen diese Unternehmen bislang jedoch nicht zur Verfügung.

Abbau von Überstunden und Resturlaub

Anders der Raiffeisen-Markt in Olfen. Auch hier hat die Geschäftsführung bisher keine Kurzarbeit beantragt, jedoch arbeiten die Mitarbeiter dort aktuell ziemlich eingeschränkt, wie Geschäftsführer Christian Poppenborg auf Nachfrage mitteilte: „Es läuft alles andere als normal. Viele Mitarbeiter arbeiten im Home-Office. Den Ausfall von Arbeitszeit kompensieren wir mit dem Abbau von Überstunden und Resturlaub.“

In den Märkten falle derzeit die direkte Kundenberatung weg. „Wir nehmen das Kontaktverbot sehr ernst und sehen zu, dass wir unsere Kassen besetzt haben, den Kunden im Markt aber viel Platz einräumen“, so Poppenborg weiter. Im Raiffeisen-Markt stehen laut Poppenborg viele „beratungsintensive Produkte“. „Das mit der persönliche Beratung fällt aber wegen des Kontaktverbots derzeit weg“, so Poppenborg.

Vorsorgliche Arbeitsgruppe

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie hat die Agravis-Gruppe mit Sitz in Münster, die auch einen Technik-Standort mit rund 80 Mitarbeitern in Olfen hat, rein vorsorglich eine Arbeitsgruppe gebildet, um auf eine mögliche Einführung von Kurzarbeit vorbereitet zu sein, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Geplant ist in den einzelnen Geschäftsfeldern jedoch keine Einführung von Kurzarbeit, da Agravis unter anderem in der Lebensmittelherstellung tätig ist und somit zu den systemrelevanten Unternehmen zählt.

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