Feuerwehrarbeit ist Teamarbeit - die Abstandsgebote während der Pandemie erschwerten die Arbeit der Selmer Feuerwehr erheblich. Und das war nicht das einzige. Dennoch ist Thomas Isermann dankbar, dass es lief, wie es lief. © Stephanie Tatenhorst
Feuerwehr Selm

Corona warf der Feuerwehr Steine in den Weg – aber die räumte sie weg

Feuerwehr, das steht für Kameradschaft, Teamwork, Miteinander - und das zugunsten anderer. Die Corona-Pandemie machte all das fast komplett zunichte. Doch die Feuerwehr Selm blieb stark.

Es war eigentlich unvorstellbar, was Thomas Isermann, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Selm, im vergangenen Jahr anordnen musste: Dienstbetrieb eingestellt, Personenzahlen auf den Fahrzeugen reduziert, Aus- und Weiterbildungen abgesagt. Maßnahmen, die eigentlich gegen jedes Grundverständnis von Feuerwehrarbeit verstoßen. Denn die steht für Miteinander, Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und stetige Nachwuchsarbeit.

Doch um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr im Ernstfall sicherzustellen, war all das in der Hochphase der Corona-Pandemie notwendig – und die gesamte Mannschaft zog mit. „Wir haben richtig Glück gehabt“, sagt Thomas Isermann rückblickend. Denn nicht einmal musste er eine Einheit wegen Erkrankung aus dem Dienst ziehen – und Mitgliedereinbußen gab es auch nicht. Allen war klar, dass die Maßnahmen nur einen Sinn hatten: den Coronaschutz zu verschärfen.

Das Zwischenmenschliche blieb auf der Strecke

Trotzdem hatten die Einschränkungen auch ihre deutlich spürbaren Schattenseiten: „Es fehlte nicht nur die Ausbildung der Mannschaft, es fehlte auch das Zwischenmenschliche“, sagt Isermann. Natürlich habe man viele Dinge digital über Emails, Whats-App-Gruppen und Video-Konferenzen geklärt, „aber live agiert man doch ganz anders miteinander“, erklärt Isermann. „So blieb vieles liegen, was dann nach den Einsätzen noch geklärt werden musste.“ Obwohl auch die teils belastend waren.

Thomas Isermann ist nicht nur Schornsteinfeger,  sondern auch Stadtbrandinspektor der Feuerwehr in Selm.
Thomas Isermann ist nicht nur Schornsteinfeger, sondern auch Stadtbrandinspektor der Feuerwehr in Selm. © Weckenbrock (A) © Weckenbrock (A)

Doch die Kameraden waren einfallsreich: Weil man sich anders nicht mehr zum persönlichen Austausch treffen konnte, dauerten das Umziehen und die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft so manches Mal ein wenig länger als nötig – was strengen Blickes geduldet wurde.

Als sich abzeichnete, dass sich die Situation nicht bald ändern würde, wurden innerhalb der Feuerwehr Kleingruppen mit maximal zehn Personen gebildet. „Da galten natürlich weiterhin Abstands- und Hygieneregeln und auch die FFP2-Masken mussten weiterhin standardmäßig getragen werden, aber die praktische Ausbildung in festen Gruppen konnte weitergehen“, erklärt Isermann.

„Wäre es zu einer Erkrankung gekommen, hätte man nur diese eine, feste Gruppe rausziehen müssen, der Rest hätte weiterhin tätig sein können“, nennt Isermann die Hintergründe. Doch nötig wurde das nicht. „Das wurde wirklich vorbildlich umgesetzt“, lobt Isermann ausdrücklich seine Zugführer, die das organisierten. Zwar hätten Einzelne als Kontaktpersonen mal in Quarantäne gemusst, aber niemals eine ganze Gruppe.

Seit den Sommerferien fast wieder Normalbetrieb

Dass seit den Sommerferien wieder alles normal laufen kann, ist da schon fast unwirklich. „Unsere Leute waren zwar schon früh geimpft, weil wir Restimpfungen bekommen konnten. Aber wir haben dennoch die Ferien abgewartet, damit es durch Reiserückkehrer nicht wieder zu Problemen kommt.“

Auch die Einsatzleitung will gelernt sein. Dass überörtliche Führungslehrgänge und Seminare in der Pandemiezeit ausfielen, war ein Problem. Der Nachholbedarf ist nun da. Auf Kreisebene gab es bereits einen internen Trupplehrgang, um den Ausbildungsstau abzuarbeiten. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Zwar gilt immer noch die Maskenpflicht bei der Freiwilligen Feuerwehr Selm, aber auch die Nachwuchsarbeit kann jetzt weitergehen. „Für Quereinsteiger war es schwierig, zu uns zu stoßen. Die haben wir auf die Zeit nach Corona vertröstet. Aber richtig schwer war es bei der Jugendfeuerwehr, alle bei der Stange zu halten.“ Doch die zu schließen sei richtig gewesen, steht Isermann zu dem Beschluss. „Das Infektionsrisiko einfach zu groß war.“ Denn die gemischte Jugendgruppe umfasst nicht nur alle Altersgruppen im Teenager-Alter, sie kommen auch aus unterschiedlichen Klassen und Schulen.

Nach den Ferien konnte aber auch dort der Neustart erfolgen, und der zeigte ein neues Problem auf: „Wir mussten alle neu einkleiden“, sagt Isermann schmunzelnd. „Die haben in dem einen Jahr alle so einen Satz gemacht, dass die Schutzkleidung nicht mehr passte.“ Doch abgesprungen war entgegen vieler Befürchtungen keiner. Außer den sechs Jugendfeuerwehrleuten, die in die aktive Wehr gewechselt sind. Aber solche Absprünge sind gern gesehen.

Jugendfeuerwehr kann Neue aufnehmen

Bei der Jugendfeuerwehr Bork wurde die Warteliste der Nachrücker abgearbeitet, sodass die Gruppe mit 32 Mitgliedern wieder voll ist. Bei der Jugendfeuerwehr Selm sind hingegen noch Plätze frei. Alle Jungen und Mädchen ab zehn Jahren, die Interesse an der Feuerwehr haben, sind eingeladen, freitagabends um 18 Uhr zu den Diensten zu kommen. Jugendwart Robin Sander und die zwölf Jugendfeuerwehrleute freuen sich auf Zuwachs.

Dass es nur gemeinsam geht, lernt schon der Nachwuchs der Jugendfeuerwehr von Anfang an. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Ein Großteil der Lücken, die Corona in die Abläufe gerissen hatte, konnte daher schon wieder geschlossen werden. „Wir sind mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen“, sagt Thomas Isermann. Doch eines lässt sich leider nicht nachholen: Die ausgefallen Lehrgänge und Seminare auf Führungsebene beim Institut der Feuerwehr (IdF). Zwar gibt es derzeit bei der Feuerwehr Selm keine Vakanzen, die an Lehrgänge gekoppelt wären – „da hatten wir Glück“, sagt Isermann – aber der Ausbildungsstau ist trotzdem spürbar.

Ausbildung ist mit starker Truppe gestartet

Mit allein 28 Teilnehmern wird auch der aktuell laufende Grundlehrgang von einer immens starken Truppe gebildet. Dass man im Corona-Jahr zumindest die Theorie auf digitalen Wegen vermittelte, hilft. „Das IdF hatte sich da richtig reingekniet und Lehrgangsunterlagen zusammengestellt. Das war eine super Sache“, dankt Isermann.

Die praktische Arbeit abseits von echten Einsätzen kam während der Pandemiezeit deutlich zu kurz. Der Ausbildungsstau muss jetzt abgearbeitet werden. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Vielleicht werden einige positive Effekte übernommen. Doch auf die traditionellen Wochenendlehrgänge will Isermann nicht verzichten: „Das Selbststudium ist nicht für jeden etwas“, sagt der Chef. Der gemeinsame Lehrgang schweiße die Truppe auch immer zusammen. Und Kameradschaft ist nunmal mit das Wichtigste in der Feuerwehr.

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