Coronakrise in Selm: Stadt und Schicksalshelfer organisieren Hilfsaktion

Coronavirus

Der Verein Schicksalshelfer und die Stadt Selm haben angesichts der Coronakrise eine Nachbarschaftshilfe organisiert. Auch Helfer werden noch gesucht.

Selm

, 19.03.2020, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Verein Schicksalshelfer verteilt Zettel in ganz Selm. Darauf zu lesen ist das Angebot der Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona.

Der Verein Schicksalshelfer verteilt Zettel in ganz Selm. Darauf zu lesen ist das Angebot der Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona. © Marie Rademacher

Wer in der Coronakrise Hilfe braucht, der kann sie bekommen. Das ist die Kernbotschaft des Zettels, den viele Selmer in den vergangenen Tagen in ihrem Briefkasten gefunden haben. „Befinden Sie sich aufgrund der Coronavirus-Welle derzeit in einer Notlage? Dann sind wir, die Schicksalshelfer, für Sie zur Stelle“, steht darauf. Wer Hilfe braucht beim Einkauf, bei Apotheken-, Post- und Behördengängen, dem bietet der Selmer Verein in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Nachbarschaftshilfe an. Kostenlos natürlich, wie Figan Ucar-Macit im Gespräch mit der Redaktion erklärt.

Sie ist Mitglied des Vereins Schicksalshelfer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen in Not zu helfen - unabhängig von Religion und Herkunft. Vor allem in der Flüchtlingsarbeit haben sich die Schicksalshelfer bisher engagiert - die Coronakrise aber hat die Ehrenamtlichen jetzt bewegt, in der Stadt Selm möglichst flächendeckend das Angebot der Nachbarschaftshilfe zu verbreiten.

Rund 7000 Zettel, so sagt es Figan Ucar-Macit, haben die rund 40 Helfer bereits in Selm verteilt. Die Stadt haben sie dazu entsprechend der Wahlbezirke aufgeteilt. Bei der Organisation hilft die Stadt Selm mit: Hier ist auch die Hotline eingerichtet, an die sich Hilfesuchende wenden können (Tel. 02592 69227). Die Stadt hat außerdem die Zettel gedruckt und für die Helfer Ausweise hergestellt, sodass Hilfesuchende sie sofort erkennen können.

Nicht für Tier- oder Kinderbetreuung

Wichtig: Das Angebot umfasst wirklich nur Einkäufe im Supermarkt oder in der Apotheke oder Post- und Behördengänge. Tier- oder Kinderbetreuung gehört nicht dazu. „Das können wir nicht leisten“, sagt Figan Ucar-Macit.

Der Ablauf ist Folgender, wie sie weiter erklärt: Man nimmt über die Tel. (02592) 69227 Kontakt mit der Stadt Selm auf, gibt Namen, Telefonnummer und Adresse durch. Die Stadt wiederum kann dann auf einer Liste nachschauen, welcher der Helfer sich für diesen Bereich anbieten würde und vermittelt den Kontakt. Geld und Einkaufsliste sollten dann - möglichst ganz ohne Körperkontakt - übergeben werden, etwa, indem man beides in einem Umschlag vor die Tür legt, wo es der Helfer dann zum verabredeten Termin abholen kann. Genauso könnte dann die Übergabe der eingekauften Lebensmittel oder Medikamente laufen.

Bisher, so sagt es Figan Ucar-Macit, haben sich noch nicht viele Hilfesuchende bei der Stadt gemeldet. „Es läuft jetzt langsam an“, sagt sie. Aber sie habe schon viele positive Rückmeldungen bekommen. Außerdem sei es auch wichtig, „aufzurütteln“, dem Letzten klar zu machen, dass die Lage ernst ist.

„Irgendwie hat es ihr zu denken gegeben“

Genau das hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in ihrer Fernsehansprache gesagt - verbunden mit dem Appell an die Menschen, jetzt erst mal zu Hause zu bleiben, soziale Kontakte auf ein Minimum herunterzufahren. Besonders ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen gehören dabei zu der Risikogruppe, für die das Virus besonders gefährlich werden könnte.

Ein Dokument, das Sie ausdrucken und als Hilfsangebot in den Briefkasten Ihrer Nachbarn werfen oder im Hausflur aufhängen können, gibt es auch über die Ruhr Nachrichten zum Download.

„Meine fast 84-jährige Mutter hatte euren Zettel heute im Briefkasten und sich sehr darüber gefreut. Dank dieses Zettels bleibt sie nun auch endlich in ihrer Wohnung. Irgendwie hat es ihr zu denken gegeben. Zum Glück ist unsere Familie gut vernetzt und Oma bestens versorgt. Aber viele Ältere werden die angebotene Hilfe mit Sicherheit gerne annehmen“, schreibt eine Userin den Schicksalshelfern auf der Facebookseite - eins von vielen Dankeschöns, die sich die Ehrenamtlichen durch ihre Aktion in Zukunft noch erarbeiten werden.

Über die Facebookseite der Schicksalshelfer können sich alle, die auch mithelfen möchten, als Freiwillige melden. Das geht sonst auch über die Homepage sch-helfer.de oder telefonisch bei Figan Ucar-Macit unter Tel. 0152 29555958.

Lesen Sie jetzt