Darum gibt es beim Einkaufen Probleme in Bork und wird die Kreisstraße das neue Zentrum

mlzEinzelhandel in Selm

Das Zentrum des Selmer Handels soll sich von der Altstadt an die Kreisstraße verschieben – der erste wichtige Händler zieht schon um. In Bork ist die Situation weiterhin schwierig.

Selm, Bork

, 22.02.2019, 11:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Hauptzentrum wird die Kreisstraße sein.“ Das sagte Selms Bürgermeister Mario Löhr im RN-Interview vor gut einer Woche ganz deutlich. Das Hauptzentrum des Handels. Spätestens dann, wenn die Baustelle fertig wird, der Verkehr und somit der Zulauf fließen kann.

Die Stadt Selm verkündete just in dieser Woche, dass sie die BBE, Handelsberatung Köln, beauftragt habe, „ein neues Einzelhandels- und Zentrenkonzept für Selm zu erarbeiten.“

Teil davon ist eine Erhebung unter den Selmer Bürgern. „Innerhalb dieses Konzepts sollen die gesamtstädtischen Einzelhandelsstrukturen erhoben und wichtige Grundlagen für die Stadtentwicklung und Bauleitplanung erstellt werden“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. Ein Bestandteil davon ist eine Online-Befragung zum Kaufverhalten der Selmer Bürger, die ab sofort bis zum 18. März auf der Internetseite der Stadt verlinkt ist. Links oben auf der Startseite.

Kreisstraße, laut Stadt, nicht direkt etwas damit zu tun

Die Stadt mache sich zur Aufgabe, das veraltete Konzept zu überarbeiten, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann auf Nachfrage dieser Redaktion. „Die Online-Befragung ist ein Baustein davon.“ In dem Einzelhandelskonzept werde etwa dokumentiert, „wie die Nahversorgung ist und Zentren für die Nahversorgung werden festgesetzt.“

Die nahende Fertigstellung der Kreisstraße – laut Mario Löhr „vor den Sommerferien“ – habe mit der Online-Befragung direkt nichts zu tun, sagt Woesmann. „Die Kreisstraße wird sich jedoch, wie andere Bereiche, in dem Einzelhandelskonzept wiederfinden.“

Von der Altstadt ins neue Zentrum

Die Kreisstraße als neues schillerndes Stadtzentrum. Ein verschobenes Zentrum aus der Altstadt. Den Werbegemeinschafts-Sprecher der Altstadt, Thomas Kaim, zieht es auch selbst ins neue Zentrum. Der Optiker wird seinen aktuellen Standort an der Ludgeristraße in der Altstadt verlassen. Ab dem 25. März bezieht er den neuen Standort an der Kreisstraße.

„Ich musste die Zeichen der Zeit erkennen, dass sich das Zentrum bewegt“, sagt Kaim. „Wir haben gemerkt, dass sich das hier sowieso verändert“, sagt er. Es sei schon deutlich ruhiger geworden im Dorf. Die Verschiebung des Stadtzentrums verursache schon Sorgen bei den Geschäftsinhabern der Altstadt. „Die Bauchschmerzen sind da“, sagt Kaim. Er würde am liebsten die Geschäftsinhaber aus der Altstadt „einpacken und mit ins neue Zentrum nehmen“, sagt Kaim. „Für mich war das eine Verkettung glücklicher Umstände“, meint er.

„Bork ist ein schwieriges Thema“

Was hält er von der allgemeinen Einzelhandelssituation in Selm? „Es gibt neben den Ketten immer noch viele inhabergeführte Geschäfte“, nennt er etwas Positives. Einen Verbesserungsvorschlag hat Kaim aber auch: „Ein wichtiges Thema wäre, dass ein Stadtmarketing betrieben wird, das den Handel unterstützt.“ Norbert Zolda von der Stadt Selm mache da schon viel, sagt Kaim, kann aber auch nicht alles machen. Es sei wichtig, dass Handel und Stadt zusammenstehen.

Doch wie sieht es in Bork aus? „Bork ist ein schwieriges Thema“, sagt Kaim. In Bork gebe es wenig Einkaufsmöglichkeiten, die Geschäfte seien „weit versprenkelt“.

Darum gibt es beim Einkaufen Probleme in Bork und wird die Kreisstraße das neue Zentrum

Der ehemalige Edeka in Bork steht aktuell leer. Die CDU-Ortsunion Bork hat macht einen Vorschlag für die Filiale. © Marie Rademacher (Archiv)

Die CDU-Ortsunion Bork schlägt etwa, „auf Initiative ihres neuen Vorsitzenden, Herbert Krusel, vor, die Verwaltung um Prüfung zu bitten, ob ein Frischemarkt neben dem neuen Nahversorgungs-Zentrum Lidl/Rossmann an der B 236 geplant werden könnte“, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Wir haben bei der alten Edeka-Filiale alle Register gezogen um eine Nachfolge zu bekommen“, sagt Krusel auf Anfrage der Redaktion. „Wir haben den Standort mittlerweile etwas aufgegeben, wir sind da mit unserem Latein am Ende“, sagt Krusel. Zumindest was ein Geschäft mit Frischetheke angeht.

Für die leer stehende Immobilie schlägt Krusel vor, mit dem Job-Center, das Bürofläche zum Betrieb einer Geschäftsstelle mit Publikumsverkehr sucht, Kontakt aufzunehmen. Gute Anbindung an ÖPNV, genügend Parkplätze und Fahrradstellplätze sowie die Anbindung ans Amtshaus seien erfüllt.

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Den Frischemarkt habe er dennoch nicht aufgegeben. „Rund um den Lidl wird es Veränderungen geben. Wir sind der festen Überzeugung, einen weiteren Markt anzubieten“, sagt Krusel. Mit Frischetheke versteht sich.

Die Borkerin Christa Leckebusch (70) setzte sich etwa für ein weiteres Lebensmittelgeschäft in Bork ein, etwa im alten Edeka. Dafür sammelte sie in knapp zwei Monaten 901 Unterschriften und konnte ihre Listen jetzt bei Bürgermeister Mario Löhr abgeben. Ein Frischemarkt neben dem Lidl würde für sie aber keinen Sinn machen: „Es geht mir ja darum, dass der Weg zum Lidl für viele Borker, mich eingeschlossen, zu weit ist“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion.

„Das ist ein bisschen Liebelei“

Die Frage am Standort Lidl wäre zudem, inwieweit es sich etwa für einen kleinen Fleischermeister rentieren würde, meint Thomas Kaim.

„Das ist ein bisschen Liebelei, dass das überall noch klappt mit den kleinen Tante-Emma-Läden, die es hier ja auch noch gibt. Der Kunde entscheidet mit den Füßen, das ist nun mal die Entwicklung. Ich kann nur appellieren, das, was noch da ist, zu nutzen, damit es nicht auch noch verschwindet“, sagt Kaim.

„Ich glaube nicht, dass es ein Fleischermeister, als Beispiel, alleine wuppen kann“, stimmt auch Herbert Krusel von der CDU zu. „Es muss ein größerer Anbieter sein.“ Es gebe viele Orte, wo größere Geschäfte nebeneinander existieren. „Wir wollen dem Lidl keine Konkurrenz machen, sondern glauben, das würde sich gegenseitig befruchten“, sagt Krusel.

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