Diakonie schafft Chancen für Wohnungslose

Ambulant betreutes Wohnen

SELM/LÜNEN Wieder in ein „normales“ Leben führen, eine eigene Wohnung und die Aussicht auf Stabilität finden – dabei helfen die Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe der Diakonie. Seit drei Jahren sind die Betreuer auch in Selm vor Ort.

von Von Beate Rottgardt

, 01.10.2009, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kümmern sich um wohnungslose Menschen: (v.l.) Helmut Zygmanowski (für Selm), Christa Stich (für Werne) und Ulrich Wiebusch (für Lünen).

Kümmern sich um wohnungslose Menschen: (v.l.) Helmut Zygmanowski (für Selm), Christa Stich (für Werne) und Ulrich Wiebusch (für Lünen).

Sozialarbeiter Helmut Zygmanowski hat derzeit bis zu vier Klienten gleichzeitig in Selm. „Dort wollen wir die Betreuung aber noch in diesem Jahr auf sechs gleichzeitig ausweiten“, kündigt Christa Stich an. Allerdings gebe es in Selm leider nur ganz wenig bezahlbare kleine Wohnungen – aber viele Menschen, die Betreuung brauchen. Um die Wohnungslosen wieder in die Gesellschaft zu integrieren, arbeitet die Wohnnungslosenhilfe mit einigen Vermietern und Wohnungsgesellschaften zusammen, die Wohnungen zur Verfügung stellen.

"Meistens haben wir es ja mit Arbeitslosen zu tun, dann begleiten wir sie zur Arge, wo überprüft wird, ob die Wohnung angemessen groß ist und wie es mit der Mietkaution aussieht, die die Arge als Darlehen zahlt“, erklärt Wiebusch. Auch bei der Wohnungsübergabe sind die Berater der Diakonie mit dabei, sprechen die Instandsetzung mit den Vermietern ab und helfen beratend, wenn es um Renovierung und Einrichtung geht. „Dabei helfen Leute, die bei uns Arbeitsgelegenheiten wahrnehmen oder Sozialstunden absolvieren, mit“, so Wiebusch. Allerdings kommt es den Fachleuten darauf an, dass die Klienten auch selbst für ihre Wohnung aktiv werden.

Seit zehn Jahren gibt es das Ambulant betreute Wohnen schon in Lünen. Im Laufe dieser Zeit blieb die Zahl der Betroffenen, die das Ambulant Betreute Wohnen nutzen, etwa gleich. Allerdings, so Christa Stich, werden die Wohnungslosen immer jünger. Mehr als 80 Prozent sind Männer. Derzeit betreut sie zwei 19-jährige Mädchen, die auf der Straße stehen. Die eine traut sich nicht nach Hause zu ihrem gewaltbereiten Vater. Die andere stammt aus Norddeutschland, lebt seit 2008 auf der Straße. „Sie hat keinen gültigen Personalausweis, aber auch kein Geld, sich einen ausstellen zu lassen. Und ohne Ausweis kann sie kein Arbeitslosengeld II beantragen. Christa Stich: „Oft rennen die Betroffene nur vor Wände, sie kennen die Wege nicht und selbst wenn, fehlen dann Unterlagen.“

Die Tendenz der verantwortlichen Stellen ist klar – es wird mehr auf ambulante Dienste wie die Wohnungslosenhilfe gesetzt. Zum einen kommt das den Betroffenen zugute, zum anderen auch dem Steuerzahler, denn ambulante Hilfen sind günstiger als stationäre Einrichtungen. Zygmanowski: „Unser Ziel ist, dass die Klienten ihr Leben selbstständig gestalten und unabhängig von der Beratungsstelle leben können.“  

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